Die Schmuggler-Allianz
Fallen Empire ist ein Gipfeltreffen von Schmugglerlegenden, wie Hylo Visz (aus den Timeline-Videos, sie durchbrach die mandalorianische Blockade), Nico Okarrs (ein ehemaliger Besitzer T7s, der außerdem in einem der drei ursprünglichen Cinematic Trailer mitspielte) und des Captains. Nico Okarr und Hylo Visz wurden im Vorfeld zum Release 2011 zu Rollenvorbildern für den Schmuggler als Klasse aufgebaut. Hylo als republiktreue Anführerin einer Schmuggler-Flotte und Nico als nur sich selbst gegenüber loyaler Kleinkrimineller sind nun aber genauso wie Gault Rennow als silberzungiger Betrüger ein Teil von Fallen Empire. Als Schmuggler kann man sich zwar in keiner extra Dialogzeile Tipps von Nico Okarr holen, aber zumindest gibt es einige sehr klassenspezifische Dialogmöglichkeiten für Hylo Visz.

Hylo Visz und der Schmuggler, das ist ungefähr so als würde der Zorn des Imperators auf Lord Scourge treffen oder der Barsen'thor seinen Vorgänger aus einer Stasiskammer befreien. Im Prinzip verkehren beide in den gleichen Kreisen. Ehe sie für einige Jahrzehnte aus dem Verkehr gezogen wurde war Hylo Visz wohl dort wo der Schmuggler nach Corellia war. Visz genoss einen hervorragenden Ruf und stand auf der Gehaltsliste der Republik. Erst zur Zeit der Schlacht um Corellia wurde sie befreit und da hatte ihre Rolle in der Unterwelt schon jemand anders übernommen, der Spieler. Nach 5 Jahren im Karbonit haben sich die Dinge aber wieder grundlegend geändert, denn das Netzwerk des Schmugglers hat gelitten, während Hylo wohl dessen Stelle eingenommen hat. Unter anderen Umständen wären die beiden wohl Rivalen und ich würde es dunklen Schmugglern zutrauen Kopfgeldjäger auf sie anzusetzen.

Der Krieg gegen Zakuul zwingt Schmuggler jedoch dazu mit potentiellen Rivalen zusammenzuarbeiten und Kapitel 13 scheint genau darauf hinaus zu laufen. Doch was können Schmuggler schon leisten? Hylo Visz hat es vorgemacht. Ihre Schmuggler-Allianz zerschlug vor Jahrzehnten eine Blockade der wichtigsten republikanischen Handelsroute. Mit Unterstützung einer republikanischen Flotte schoss fegte man die Mandalorianer vom Himmel und rettete die Republik. Schmuggler sind um sich vor Piraten, Kopfgeldjägern und anderen Kriminellen zu schützen ja nicht selten auch schwer bewaffnet. Wenn sie auch keine Kriegsschiffe aufführen können, so besitzen Schmugglerverbände zumindest über einiges an Feuerkraft.

Ein anderes Beispiel für das Wirken einer Schmuggler-Allianz findet sich in Timothy Zahns Thrawn-Trilogie und der später angesiedelten Hand von Thrawn-Duologie. Nach Zahns eigener Aussage ist Talon Karrde was Han Solo hätte werden können, wenn er sich nicht der Rebellion angeschlossen hätte. Für Zahn war Karrde aber auch ein Anti-Jabba, der als Schmugglerkönig nach Episode VI Jabbas Platz in der Unterwelt einnahm. Karrde war ehrenhafter, liebäugelte mit der Republik und zuletzt auch dem Jedi-Orden. Im Krieg gegen Thrawn organisierte er die diversen Schmuggler-Gruppierungen zu einer Allianz und stellte sich klar auf Seiten der Neuen Republik. Karrdes Bedeutung stammte jedoch auch daher, dass er als Schmuggler mit einem gewaltigen Netzwerk als Informationsbroker tätig war. Karrdes "Agenten" wussten meist mehr über imperiale Patrouillen und Flottenpositionierungen als der republikanische Geheimdienst.

Karrde kannte die richtigen Leute und hatte Ressourcen zur Verfügung, von denen republikanische Funktionäre und Jedi-Meister Luke Skywalker nur träumen konnten. In einer Zeit als das Imperium noch nicht völlig am Boden lag und viele Welten noch von Kriegsherrn besetzt waren konnte die Republik mit Hilfe der Schmuggler-Allianz auch Hilfsgüter und Waffen für Widerstandsgruppen hinter feindliche Linien bringen. Guerillabewegungen zu fördern wird umso leichter, wenn man die besten Schieber der Galaxis auf seiner Gehaltsliste hat. Im neuen Kanon gibt es in der fünften Staffel von The Clone Wars eine ähnlich einleuchtende Erklärung für die Bedeutung von Schmugglern. Um die Rebellen von Onderon mit Waffen zu versorgen heuert der Jedi-Orden den Piraten Hondo Ohnaka an, um eine Waffenlieferung nach Onderon zu bringen. Womit jede offizielle Verbindung zwischen der Republik und den Rebellen geleugnet werden kann.

Mit Mara Jade hatte Talon Karrde eine Stellvertreterin die zum Zeitpunkt der Thrawn-Trilogie am ehesten als Ex-Sith/Ex-dunkle Jedi gerechnet werden kann. Jade war einst eine Agentin des Imperators und als solche auch im Gebrauch der Macht und eines Lichtschwerts unterwiesen worden. Später avancierte sie zur Jedi-Meisterin und heiratete Luke Skywalker, aber das ist eine andere Geschichte. Eine Ex-Sith als Leibwächterin... nennt sich in SWTOR Veeroa Denz und kann auf Nar Shaddaa rekrutiert werden. Die Nautolanerin ist keine Mara Jade, aber passt zu meiner Vorstellung einer Art Mara Jade für meinen Schmuggler, der wie Han Solo im alten Kanon mit einer ewigen Prinzessin verheiratet ist.

Als Kenner so einiger Star Wars-Romane (wovon ich manches aus der Bantam-Ära und die großen Reihen des letzten Jahrzehnts am liebsten vergessen möchte) der letzten 25 Jahre gibt es gewisse Konzepte, die ich in einem Star Wars RPG gerne mal verwirklicht sehen würde. Manches ist jedoch der Mehrheit so unbekannt, dass es kaum massentauglich wäre. Die Filme kennt jeder, die Serien haben mittlerweile eine neue Fan-Generation rekrutiert, die Spiele kennen viele, doch die Romane schon deutlich weniger und die Comics kaum jemand. SWTOR als RPG erlaubt es mir so manchen meiner Fan-Träume nachzuspielen und durch einen Charakter auszuleben. Darunter auch die Vorstellung nun zum Han Solo/Talon Karrde einer Star Wars-Geschichte zu werden. Fallen Empire erinnert mich an Dark Empire, in welchem ein Klon Imperator Palpatines (der dessen Geist beherbergt) alle Erfolge der Neuen Republik zunichte gemacht hat. Die Rebellen müssen sich wieder verstecken und der Imperator herrscht mit neuen Superwaffen und einer überlegenen Flotte. Am Ende besiegt ihn nur der neue Jedi-Orden Luke Skywalkers, wobei Han Solo den Todesschuss abgegeben hat. Nicht Flotten oder Armeen entscheiden den Krieg, sondern ein Fall von Notwehr oder wenn man es so sehen will, ein Attentat.

Der Schmuggler als Charakter hat auch Vorbildwirkung, denn in seiner Origin-Story leistet er nichts übermenschliches und bleibt dabei glaubwürdig. Der Captain bezwingt keine legendären Jedi-Meister oder übermächtigen Sith-Lords, er erschießt einen Rivalen und einen imperialen Großadmiral. Im Fall von Ziost ist man allerdings so gar nicht in seinem Element. Die Macht ist dem Schmuggler fremd, aber das würde auch für Agenten, Kopfgeldjäger und Soldaten gelten. Nur diese sind halt berufsmäßig geübter Machtnutzer auszuschalten. Von der "politischen" Macht her gibt es jedoch nur sehr wenige Klassen, die den Schmuggler übertreffen. Inquisitoren liegen für mich ganz klar auf Platz 1. Platz 2 teilt sich der Schmuggler jedoch mit dem Jedi-Botschafter, der immerhin als Statthalter der Republik, Diplomat und während der Schlacht um Corellia auch als General alle Qualifikationen für einen Sitz im Jedi-Rat bewies. Jemand wie der Botschafter könnte unter anderen Umständen Oberster Kanzler werden oder als hoher Militär dienen. Während der Barsen'thor auf Corellia eine selbstgebaute Allianzarmee zum Sieg führt entscheidet der Schmuggler den Kampf im Orbit, indem er das Kommando über die dortige Piratenkonföderation übernimmt. Ist der Botschafter für kurze Zeit General, dann lässt sich der Schmuggler als Admiral bezeichnen.

Dank Fallen Empire ist man zumindest in Season 1 mit keiner Klasse länger einer Fraktion verpflichtet und gelangt durch die Allianz auf Odessen in den Besitz einer Armee und Flotte. Ein Traum wird wahr, der Traum von einer eigenen Fraktion, einem eigenen Imperium oder davon diese Militärmacht gegen die eigene Fraktion einzusetzen. Mancher mag sich über diese Entwicklung ärgern, ich begrüße sie. Man ist in 4.0 deutlich mächtiger als zuvor. Inquisitoren besitzen nun eine echte Machtbasis, die sich betreten und personell ausbauen lässt, während man früher nur offscreen als Minister tätig wahr. All das aufgeben, um wieder wie in den letzten 4 Jahren als armer Fußsoldat für seine Fraktion zu kämpfen? Nein danke. Als Schmuggler empfindet man die neue Lage ganz ähnlich wie Inquisitoren, endlich kann man in seinem Hauptquartier herumlaufen und mit seinen Handlangern "sprechen", anstatt nur davon träumen zu können oder seine Festung fürs RP zu nutzen.

Die Möglichkeit sich in künftigem Allianz-Content zwischen Skadge und der Schwarzen Sonne oder den Vigilanten Sergeant Rusk (der mich jetzt ein wenig an Garrus in ME 2 erinnert) zu entscheiden beschäftigt mich schon jetzt, denn für meinen Schmuggler legte ich bisher so manche Ereignisse im Sinne eines Machtgewinns für sein Netzwerk aus. Der Einsatz auf Makeb machte Sinn, weil der Fall des Huttenkartells das Geschäft für andere Fraktionen einträglicher machte. Der Besuch Rishis und die Zerschlagung der Nova Blades half ebenfalls noch ein Stückchen der Unterwelt in meine Gewalt zu bringen. Tanno Vik wurde Opfer meines Blasters, weil er auf Dauer zur lästigen Konkurrenz geworden wäre. Mein Schmuggler denkt nicht daran zurück zur Republik zu kriechen, im Gegenteil mit meiner Allianz würde ich am liebsten die Krone der galaktischen Unterwelt einfordern. Mit einer Sith-Leibwächterin, der Todesfee, K'Krohl als Talentscout, Hylo Visz, Nico Okarr und den ehemaligen Piraten, Schmugglern und Gangmitgliedern, die ich auf Nar Shaddaa, Hoth und Belsavis aufgesammelt habe steht mein Schmuggler bereits jetzt an der Spitze eines Syndikats.

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