Samstag, 21. Oktober 2017
Episode VIII Spekulationen

Kylo Ren vs. Poe Dameron

Sowohl Finn als auch Rey haben sich in Episode VII bereits mit Kylo Ren gemessen, wobei sie diesem auf einem Feld gegenübertraten, auf dem es so aussah als hätte Kylo eindeutig die Oberhand. Während Finn in seinem Duell unterlag gelang es Rey jedoch Kylo schließlich zu besiegen, nachdem er sie auf Takodana noch ziemlich einfach überwältigt hatte.

Auch in Sachen Raumkampf wäre Kylo Ren wegen seines familiären Erbes ja eine Klasse für sich. Gerade Kylos Erkenntnis, auf Jakku den besten Piloten des Widerstands erwischt zu haben könnte so etwas wie eine Vorankündigung eines Showdowns zwischen den besten Piloten ihrer beiden Fraktionen sein. Auch Finns Spannung mit Captain Phasma scheint sich laut dem Trailer ja explosiv zu entladen.

Über den Ablauf des Geschehens wage ich einmal zu spekulieren. In einem Making Of-Video zu Episode VIII war bereits zu sehen wie der Hangar eines Widerstands-Kreuzers explodiert, wobei auch Poes X-Wing zerstört werden könnte. Zugleich sehen wir im Trailer noch wie Poe in seinem X-Wing an einer Raumschlacht teilnimmt und wie Kylo Ren mit seinem TIE Fighter ein Ziel auf einem Widerstands-Kreuzer (vermeintlich die Brücke) ins Visier nimmt. Ich habe nun zwei Theorien, entweder Kylo zerstört Poes X-Wing anstatt die Brücke auszuschalten und entgeht damit dem Duell mit dem besten Piloten des Widerstands. Oder Poe gewinnt und der Hangar wird zu einem späteren Zeitpunkt von einem Kreuzer der Ersten Ordnung unter Beschuss genommen (vielleicht mischt sich nach einer siegreichen ersten Runde ja Snokes Mega-Sternenzerstörer ein).

Ich vermute auch, dass die Eröffnungsszene des Trailers darauf hindeutet, dass im von Kylo besichtigten Hangar gerade an dessen TIE Silencer gearbeitet wird. Neben Poe wäre Kylo also der zweite Pilot mit einem individuell angepassten Raumjäger, womit sich beide auf den Spuren Anakin Skywalkers bewegen, der dieses Konzept in den Prequels erstmals eingeführt hat.

Poe könnte sein Duell mit Kylo jedoch auch verlieren, damit Kylo nach Episode VII ein Erfolgserlebnis vergönnt ist. Immerhin hatte Luke in Episode IV auch nur deshalb eine Chance gegen Vader weil sich seine Freunde für ihn opferten und er wohl dank der Macht einige Zeit aus dem Fadenkreuz entwischen konnte. Poe könnte Kylo unterliegen, jedoch dank der Ankunft des Millenium Falcon gerettet werden.

Die Kavallerie kommt aus der Luft

In den Spekulationen zu Plotpunkten von neuen Star Wars-Filmen wird nicht zuletzt gerne auf mögliche Spoiler aus verschiedenstem Merchandise zurückgegriffen. Ob nun Sätze von Hasbro-Figuren, Beschreibungstexte von Raumjägermodellen oder was auf Verpackungen zu sehen ist, alles wird ausgewertet und könnte auf irgendetwas hinweisen.

Im Fall der Schlacht von Crait wissen wir nun schon, dass das LEGO AT-M6 Set Rey und einen fast zivil gekleideten Poe Dameron enthält. Außerdem ist Leia im Trailer in einer Art Hangar zu sehen, aus dem sie betroffen in die Ferne blickt. Rey und Poe sollten also auch in der Boden-Schlacht zugegen sein. Nur stellt sich die Frage, ob diese vor oder nach dem Gefecht über Crait spielt.

Einen möglichen Hinweis bietet das Resistance Bomber-Set mit Vizeadmiralin Holdo und Poe Dameron in einem Teil seines Piloten-Anzugs. Das Video zum Set zeigt übrigens wie ein solcher Bomber auf Crait einen AT-M6 ins Visier nimmt. In Episode VII erwähnte C-3PO bereits die Sorge, dass der Widerstand ohne die Flotte der Republik geliefert sei. Bei der Zerstörung des Hosnian Systems durch die Starkiller Basis soll der Großteil der Flotte zerstört worden sein, doch Vizeadmiralin Holdo könnte mit einigen Schiffen entwischt oder gerade anderenorts im Einsatz gewesen sein. Im jüngst veröffentlichten Leia: Princess of Alderaan-Roman wurde Amilyn Holdo als Jugendfreundin Leias eingeführt, wobei sich Amilyn sehr für Astrologie interessierte, was sie zu einem etwas esoterisch angehauchten Charakter machte. Astrologie könnte es auch gewesen sein, was Vizeadmiralin Holdo dazu verleitete ihren Posten zu verlassen, als die Starkiller Basis zur Gefahr wurde. Immerhin saugte der Starkiller die Masse einer Sonne ein - eines Sterns. Holdo ist sicher keine Machtsensitive, aber ihr glückliches Händchen und ihre spirituellen Einsichten könnten entfernt mit Jedi-Philosophien zu tun haben.

Der Aufwand den Lucasfilm investiert, um die neuen Resistance Bomber zu bewerben wird definitiv deren Rolle in Episode VIII unterstreichen. Zumindest, wenn diese Szenen nicht auf dem Boden des Schneideraums landen. Episode VII nahm viele Anleihen bei der OT, doch schon für Episode IX wurde angekündigt, man würde auch Elemente der PT integrieren wollen. Was Episode II damals einen gewichtigen Turn gab war der Angriff der Klonkrieger. Auf Geonosis gab es sogar eine Szene in der Staub aufgewirbelt wurde, um den Kampfdroiden die Sicht zu nehmen, wobei das nicht gewollt war. Der Widerstand hat Mitglieder in seinen Reihen welche die Geschichte der Klonkriege studiert haben und bei der Schlacht von Hoth und Yavin 4 mit dabei waren. Diesmal könnte es der Widerstand sein, der die Falle stellt und entsprechend Palpatines Endor-Strategie seine Flotte versteckt, um den Feind auf Crait mit Anlauf in sein Verderben laufen zu lassen. Warum ich das glaube? Weil sich Leia nun General nennt. General Organa wuchs mit den Geschichten Bail Organas über die Klonkriege auf. Und als Rebellin war sie bei allen Schlüsselschlachten der Rebellion mit dabei. Man hat Leia immer nur als Erbin ihrer Mutter Padme betrachtet, doch wie Kylo Ren beweist dürfte auch einiges von Jedi-General Anakin Skywalker in ihr schlummern, womöglich dessen strategisches Geschick, das ihr auch in der Politik lange Zeit gute Dienste leistete.

Ich muss zugeben, dass mir Leia als General sogar mehr gefällt als ihr quasi-arbeitsloser Legens-Konterpart, der mal als Botschafterin, mal als Halb-Jedi, mal als handlungsunfähige Politikerin dargestellt wurde. Schade nur, wenn man sie nach Episode VIII aus der Saga schreibt, nachdem Carrie Fisher leider nicht mehr unter uns weilt. Man könnte aber noch auf Werke über Leias Jahre im Widerstand hoffen.

Raumjäger die AT-ATs auseinander nehmen, so etwas hatten wir auch in Rogue One, doch da waren es nur X-Wings. Episode VIII könnte uns erstmals echte Bomber beim Einsatz zeigen. So eine Protonenbombe sollte ja selbst Walker zerfetzen, vor allem wenn diese über keine Schilde verfügen. Rebels und The Clone Wars haben bereits viel getan, um zu zeigen wie Bomber in Star Wars funktionieren können. Genau das würde ich mir nun von Episode VIII erwarten, Szenen wie aus der Schlacht von Ryloth und der zweiten Schlacht um Geonosis.

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Freitag, 20. Oktober 2017
Episode VIII: Es sind die kleinen Dinge
Vor einigen Jahren meinte einer meiner Freunde, es wäre doch eine feine Sache wenn man anstatt von teilweise veränderten Special Editions doch ein Remake der OT wagen würde, womit sich ja auch neue Star Wars-Fans gewinnen ließen, denen die alten Filme zu alt aussehen würden. In meinen Augen wurde dieser Wunsch Realität, als man die Sequel-Trilogie ganz bewusst fast wie ein Remake der OT für die Smartphone-Generation inszenierte. Ich bin Lucasfilm nicht mehr ganz so böse, auch wenn man das alte EU geschrottet hat und seit 2014 nicht mehr fortführt (The Old Republic ist die einzige Ausnahme). Was ist schlimmer, einen Fan-Liebling umzubringen oder eine Serie und all ihre Spinoffs ohne wirkliches Ende abzusetzen? Letzteres ist der Status mit dem man als Fan des einstigen Expanded Universe seit dem Reboot von 2014 zu kämpfen hat. Aber genug davon, es gibt Dinge die mich an den Sequels durchaus begeistern.

Star Wars hatte in meinen Augen seit jeher mit der Fliegerei zu tun, schon als uns Luke und Anakin als die besten Raumjägerpiloten ihrer Generation vorgestellt wurden. Und auch die Triebwerksgeräusche der verschiedenen Raumschiffe sind oft von echten Flugzeugen geborgt. Angefangen mit dem Trench Run, über die Schlacht von Hoth bis Endor hatte Star Wars für meinen Geschmack immer etwas für Flugenthusiasten zu bieten, auch wenn dieser Aspekt in den Prequels für meinen Geschmack zu kurz kam. Die Raumschlacht in Episode I war imo unzureichend, Episode II hat nur ein Gefecht zwischen Obi-Wan und Jango Fett zu bieten und in Episode III war die Anfangssequenz zwar episch, aber es kam leider nichts mehr nach. Die Klonkriege waren eine Serie von Boden- und nicht Raumschlachten.

Auch Episode VII hat mich dann nicht völlig aus den Socken gehauen, auch weil die Anzahl von Raumjägern sehr überschaubar blieb. Etwas womit die OT immer punkten konnte war meiner Meinung nach, dass jede Episode auch neue Raumjäger einführte. Selbst die Prequels taten das. Zu X-Wings und Y-Wings stießen zunächst Snowspeeder und schließlich B-Wings und A-Wings. Zu TIE Fightern und Vaders TIE Advanced kamen TIE Bomber und schließlich TIE Interceptor. Nun begann die ST mit X-Wings und Standard TIE Fightern, glaubte man zumindest.

Die Lore der Sequels ist ja wirklich lesenswert, denn der T-70 X-Wing des Widerstands ist demnach nur die längst ausgemusterte Nachfolge-Generation der T-65er der Rebellion. Die Neue Republik hatte hingegen bereits T-85er im Dienst, die es den Beschreibungen aus Before the Awakening nach in jeder Hinsicht (Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit) mit einem TIE Fighter aufnehmen konnten, während man weiterhin die klassischen Vorzüge eines X-Wing (mehr Feuerkraft, stärkere Schilde, Astromechs, mehr Treibstoff) besaß. Die T-85er sind wohl so etwas wie die TIE Defender des Star Wars-Universums und vielleicht bekommen wir in Episode VIII oder IX noch einen zu sehen, wenn sich die Reste der Neuen Republik mit dem Widerstand zusammen tun.

Aber auch der vermeintliche Standard-TIE Fighter birgt einige Überraschungen, denn in Episode VII gibt es diesen in zwei Ausführungen. Einmal das bekannte Standard-Modell, mit nun etwas beweglicheren Laser-Kanonen und einmal den Special Forces TIE Fighter aka den Doppelsitzer. Special Forces TIE? Könnte das mit Inferno Squad zusammenhängen, der Elite-Einheit aus Battlefront II die sich aus Piloten zusammensetzt, die allerdings auch für klassische Spezialeinheiten-Missionen zu Boden eingesetzt werden? Die neuen TIEs haben allesamt jedenfalls Schilde und der Special Forces TIE hat sogar einen Hyperantrieb, Raketenwerfer und eine zusätzliches drehbares Laser-Geschütz. Die First Order setzt zwar auf keine Astromechs, aber man scheint sich doch mehr auf Teamwork zu verstehen, immerhin sind auch die als Kindersoldaten ausgebildeten Sturmtruppen nun deutlich professioneller.

Nachdem uns Rogue One den U-Wing Transporter und den atmosphärentauglichen TIE Striker (ein weiteres geniales Modell, mit dem endlich das Problem der sehr unaerodynamischen Standard TIE Fighter bereinigt wird) birgt Episode VIII mehrere Überraschungen. Einerseits sind da die neuen Snowspeeder aka die Resistance Ski Speeder (vielleicht müsste man sie auf Crait Dustspeeder oder Saltspeeder nennen), die gehörig Staub aufwirbelten.




Man erkennt bereits welche Idee die neuen Speeder verfolgen. Nachdem die AT-AT-Nachfolge allem Anschein nach über Schutzvorrichtungen gegen Kabelangriffe verfügen, dürfte man nun versuchen in eine Art Sandsturm zu treiben und dann mit anderen Mitteln attackieren. Clever! Wobei ich da nicht ganz objektiv sein kann, denn ich war nach den Special Editions in den 90ern mit meinen Schulfreunden sehr davon angetan, wenn eine Fortsetzung der OT auf einem Sandplaneten spielen würde und die Rebellen sich dort in einem Canyon verstecken müssten. Irgendwie scheint das nun ja der Fall zu sein.

Zudem verspricht Episode VIII die Rückkehr meines Lieblingsjägers der Rebellen-Allianz, des A-Wings:




Wobei das neue A-Wing-Design womöglich mehr an Rebels angelehnt ist, als an Episode VI (daher ein Bildvergleich):





Während X-Wings, TIE Fighter und A-Wings ziemlich eindeutige Reskins der OT-Schiffe sind hat man sich zumindest für Kylo Rens TIE Silencer etwas mehr Mühe gegeben:




Der TIE Silencer verbindet Elemente von Vaders TIE Advanced (dem zweiten TIE Typ aus Episode IV) mit dem TIE Intereceptor (Episode VI) und man kann wohl davon ausgehen, dass das Ding neben vier Laserkanonen an den Flügelspitzen, sowie zwei Raketenwerfern auch noch andere Überraschungen (vielleicht zwei Ionenkanonen wie beim TIE Defender?) zu bieten haben sollte. Zumindest führt Episode VIII Kylo Ren wieder auf den richtigen Weg. Der Sohn Han Solos, Neffe Lukes Skywalkers und Enkel Anakin Skywalkers/Darth Vaders trat in Episode VII gar nicht als Pilot in Erscheinung, doch nun feiert er sein Erbe standesgemäß mit einem Angriff auf Leias Flaggschiff.

Da bleibt nur noch eine Frage offen und zwar, wo bleiben die Bomber?

Episode IV führte bereits die Y-Wing-Bomber ein, doch in Episode VII sah man lediglich X-Wings. Bomber hatten es in der OT immer irgendwie schwer ihren Wert zu beweisen. In Episode IV sind sie halt mit dabei, aber genau genommen geht es darum einen Torpedo zu versenken, was die X-Wings ja genauso gut können. In Episode VII hätten Bomber deutlich mehr Sinn gemacht, aber was soll's. In Episode VI waren die Bomber wohl gedacht Großkampfschiffe oder Turbo-Laserstellungen auszuschalten, zum Einsatz kamen sie in dieser Funktion jedoch auch kaum. Selbst in den Prequels blieben Bomber arbeitslos. Nur in Episode V durften die TIE Bomber einmal zeigen wozu sie geschaffen sind.

Episode VIII könnte endlich etwas nützliches für Bomber zu tun haben, wenn sich die Resistance Flotte Sternenzerstörern der First Order stellen muss und wenn vielleicht sogar die Supremacy (der Mega-Sternenzerstörer Snokes) über Crait zum Einsatz kommt. Die Rebellen hatten nie ausreichend Großkampfschiffe zur Hand, aber mit Bombern konnte man auch Sternenzerstörer erledigen. Etwas irritierend war da vielleicht das B-Wing-Design in Episode VI. Dieser hatte hauptsächlich Laser-Kanonen zu bieten und man konnte ihn sich nicht unbedingt als Bomber vorstellen, auch wenn seine Bewaffnung ihn irgendwie doch als geeigneten Kandidaten für einen Angriff auf Großkampfschiffe wirken ließ. Episode VIII scheint sich auch da etwas einfallen gelassen zu haben:




Der neue Resistance Bomber wirkt auf den ersten Blick so als wäre er ein überdimensionierter Nachfolger des B-Wing, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man an welchem realen Bombermodell er sich wirklich orientiert:




Ich persönlich war von diesem klobigen Design zunächst abgestoßen:



Doch dann bemerkte ich anhand der Geschütze woran sich die Designer beim Resistance Bomber orientieren wollten, nämlich einer B-17 Flying Fortress oder ihren Nachfolgemodellen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wieviel Wert man darauf legt das neue Bomber-Design positiv zu vermarkten ist auch am Merchandising dazu erkennbar:





Es soll gleich zwei Bücher über den neuen Bombertyp geben und witzigerweise ist Gunner Paige aus dem Cobalt Squadron-Roman und dem oben gezeigten LEGO-Set die Schwester der Technikerin Rose, die bereits als neue Heldin und Begleiterin Finns für Episode VIII vorgestellt wurde. In Episode VII hat sich Finn ja auch als fähiger Schütze bewiesen, vielleicht hätte er einen Job als solcher an Bord eines Bombers im Cobalt Squadron? Die Blockadeformation der Bomber über Crait und die bereits bekannte Schlachtszene auf Crait lassen mich jedoch übles für die Resistance Flotte erahnen, auch wenn Leia sowohl auf ihrem Flaggschiff, als auch im Hangar auf Crait zu sehen ist.

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Dienstag, 10. Oktober 2017
Trailer-Reaktion: Episode VIII


Der Episode VIII Teaser hat mich noch fasziniert und auch der Episode VII Trailer hat mich seinerzeit vom Hocker gerissen, doch der Episode VIII Trailer ließ mich jetzt überraschenderweise gar nicht vor Begeisterung aus dem Sessel fahren. Dabei hat der Trailer einiges was ich mir gewünscht habe, aber die ganze Spekulation darüber, wer Snoke sein könnte und wie beschissen Kylo Ren als Charakter ist, während die neue Trilogie nur eine Imitation der OT ist, hat mich irgendwie schon so gefrustet, dass bei mir teilweise gar keine echte Begeisterung aufkommt.

Ein Flieger-Ass

Man hat in Episode VII noch leicht vergessen können, dass Kylo Ren als der Sohn von Han Solo, Enkel von Anakin Skywalker und Neffe von Luke Skywalker eigentlich der geborene Pilot sein müsste. Stattdessen wurde uns demonstriert wie sich Rey und Han sofort auf Anhieb verstanden und wie sie wohl die Tochter ist, die Ben nie sein konnte. Aber war Ben Solo wirklich eine solche Enttäuschung? In Episode VIII scheint er zumindest in einen TIE Fighter zu steigen, um ganz ohne Helm (womit ich einen Pilotenhelm meine) zu beweisen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Im gleichen Trailer sehen wir dafür wie Rey mit ihren Machtkräften sogar Steine spalten kann, also könnte Episode VIII endlich etwas finden, worin Kylo wirklich besser ist, nachdem er schon sein Lichtschwertduell mit ihr verloren hat und nun auch im Punkt Machtkräfte an Boden verliert [sorry für die Wortspiele]. Zumindest könnte man Kylo den besseren Piloten sein lassen. Was bei mir die Hoffnung regt Kylo könnte irgendwann auf Poe Dameron treffen und sich als bester Pilot der First Order ein Duell mit dem besten Piloten der Resistance liefern. Nur anders als beim Aufeinandertreffen Kylo vs. Finn könnte Poe wirklich eine Chance haben. Wäre ja auch interessant, wenn sich herausstellt, dass es drei Charaktere mit erwachten Machtfähigkeiten gibt und alle drei sich Kylo Ren gestellt haben. Seit dem Tod von Carrie Fisher hoffe ich ohnehin, dass vielleicht Oscar Isaacs Poe Dameron in Han Solo-Tradition zum General aufsteigt. Zumindest gibt Poe im Trailer schon mal eine Ansprache, die wohl das Gegenstück zu General Hux Tirade in Episode VII sein dürfte. Poe als Widerstands-General wäre mein Fanwunsch an Episode IX, wobei man mit ihm auch an die alten X-Wing-Romane anknüpfen könnte, in denen Wedge Antilles zum General befördert wurde.

Daughter of Skywalker

Der Trailer ist zumindest so geschnitten, dass er suggeriert Rey könnte sich Kylo Ren anschließen und Snoke gegenüberstehen. Was zu den unsäglichen Spekulationen passt, ob Rey vielleicht die Seiten wechselt und dafür Kylo Ren bekehrt wird. Zumindest wäre das etwas anders als die OT, in der allerdings auch die dritte Episode davon handelte einen entführten Helden (Han Solo) zu befreien, wobei ein geläuterter Schurke (Lando Calrissian) mithelfen konnte. Von offizieller Seite wurden Kylo und Rey einmal als zwei Hälften des Protagonisten beschrieben und ich würde hoffen, dass es dabei bleibt. Rey alleine wäre wirklich nur eine Wiederholung der OT, weshalb es zumindest mir wichtig wäre in gleichem Ausmaß auch mehr über Ben Solo zu erfahren. Sollte Rey Lukes Tochter sein wäre sein Auftreten im Trailer noch dramatischer als bisher angenommen. Immerhin reicht sie dann ihrem Vater das Lichtschwert dessen Vaters, so als würde sie Luke daran erinnern, wer er ist und welche Aufgabe ihm einst zugedacht wurde. Zugleich würde Reys Anwesenheit ihn jedoch auch daran erinnern, wie das Erbe Darth Vaders bereits einen von dessen Enkel zerstört hat. Lukes Weigerung Rey zu unterrichten hätte somit einen guten Grund, denn bei einer weiteren Skywalker hätte er auch zu befürchten, dass diese Bens/Kylos Weg gehen könnte. In meinen Augen ist Snoke das Gegenstück zu Luke, wobei ich nicht ausschließen würde, dass er durch Luke derart zugerichtet wurde. Snoke könnte einen alten Groll gegen die Jedi oder Luke hegen, denn er nimmt es Vader übel die Jedi nicht vernichtet zu haben und Ben Solo in Kylo Ren verwandelt zu haben dürfte für ihn ein perverser Spaß sein, mit dem er Luke effektiv dazu gebracht hat ins Exil zu gehen. Dass Snoke verkrüppelt ist wäre eine Analogie zu Palpatine, doch in einer Trilogie die sich so stark an den Werken von George Lucas orientiert würde mich das nicht überraschen. Snoke könnte anders als Palpatine gescheitert sein, doch da ihn Luke am Leben ließ wurde er zu einer viel gefährlicheren Bedrohung.

Ist Rey eine Skywalker, dann wären ihre Fähigkeiten und ihr persönlicher Hintergrund als Bastlerin und Pilotin selbsterklärend. Ihr Status als Wunderkind macht sie in meinen Augen jedoch weniger interessant und es wäre schon mal nicht schlecht, wenn sie wirklich wie von manchen spekuliert oder behauptet am Ende von VIII die Seiten wechselt, womit Kylo Ren auf Lukes Seite wechseln würde. Reys ungezügelte Kraft könnte sogar Luke übertrumpfen und Snoke könnte ihren Zorn auf ihre Familie gegen die Skywalkers ausspielen, aber nachdem J.J. Abrams Episode IX übernehmen wird darf man vermuten, dass es spästens in Episode IX ein Rematch zwischen Kylo und Rey geben wird oder eher zwischen Ben und Ren? Es gibt viele Theorien zu Rey und manche behaupten auf Leaks zu basieren, nach denen Rey eine Auserwählte sein könnte. Doch was, wenn die Ritter von Ren meinen die Beschützer dieser wiedergeborenen Auserwählten zu sein? Könnten sie die Ritter von Rey/Ren sein? Anakin Skywalker war laut den Jedi auserwählt die Sith zu vernichten und die Macht ins Gleichgewicht zu bringen, doch gelungen ist ihm nur der erste Teil dieser Aufgabe. Wobei... wenn seine Enkel für beide Seiten der Macht stehen, dann hätte er durch sein Erbe ja durchaus das Gleichgewicht gewahrt. Und genau darum könnte man Kylos Rolle missverstanden haben, denn obwohl sich in ihm Licht und Dunkelheit vereinen, ist er nur eine Hälfte des "Auserwählten". Rey könnte die andere sein und so sind beide zwei Hälften eines Protagonisten und das Vermächtnis des Auserwählten, der durch sie die Macht ins Gleichgewicht gebracht hat. Imo muss es für einen Filmemacher ja auch viel zu verlockend sein eine Szene zu schaffen in der ein Oberbösewicht von der "Daughter of Skywalker" spricht, eine klare Anspielung auf Episode V und den Imperator - eine der kultigsten Szenen der ganzen Saga. Star Trek Into Darkness ging unter J.J. Abrams Einfluss ja genau den gleichen Weg, Abrams verdreht gerne Szenen, aber er kopiert dann doch das wichtigste vom Original. Und er wird Episode IX machen, was bedeutet, egal was Rian Johnson auch getan hätte, Abrams hätte es in IX wieder ausgebügelt, um es seiner Vision eines als Sequel getarnten Remakes anzupassen.

Würde das die Sequel-Trilogie endgültig zu einem Remake machen? In meinen Augen schon und doch glaube ich, dass es so kommen wird. Schon bei Episode VII waren alle Analogien gewollt, weil man Star Wars eben einer neuen Generation vermitteln wollte, wobei man bemüht ist die Erfolgsformel von 1977 zu kopieren.

Weirdness

Einige der neuen Schiffstypen sehen ja durchaus cool aus und ich finde das Recycling imperialer Schiffs- und Walkertypen an sich nicht schlecht, immerhin ist die FO eine Gruppe die wie manche Neonazis gerne in alten Wehrmachts-, SS- und Parteiuniformen herumlaufen würden. Das zeigt einem ja ganz klar, mit wem wir es hier zu tun haben. Man kann an der FO auch nichts Gutes finden, während es beim Imperium noch Ansätze gab zu erklären wieso sich jemand als Sturmtruppler oder Pilot eingeschrieben hat. Die FO setzt auf indoktrinierte Kindersoldaten und einen Kader von politisch zuverlässigen, sowie dessen Kinder und Kindeskinder. Das sind wohl kaum die einfachen Leute die sich mehr Ordnung gewünscht hätten, sondern imperiale Kader-Angehörige, die von Palpatine höchstpersönlich einst auf eine Zu-retten-Liste gesetzt wurden. Gnadenlose Schlächter wie Tarkin, die loyalsten der Loyalen. Es würde mich daher auch nicht wundern, wenn es wie im Fall der Klonsoldaten ehemalige Sturmtruppler gäbe die in ihre alte Uniform schlüpfen und gegen die Tyrannei des Nachfolgers ihrer Armee ankämpfen. Der Leia-Roman Bloodline beschrieb ja wie es innerhalb der Neuen Republik Anhänger einer stärkeren Zentralregierung gab, die allerdings über die Jahre ins rechte Eck abgedrängt wurden und sich dann teilweise als imperiale Revisionisten outeten. Wenn FO radikal genug ist wird sie nicht zwischen potentiellem Freund und Feind unterscheiden, was auch Zentristen-Welten ein böses Erwachen bedeuten sollte. Doch innerhalb des Widerstands könnten die Militaristen der Republik wenigstens ihren Wunsch nach härterem Durchgreifen ausleben.

Was mich jetzt stört sind nicht die möglichen politischen Implikationen (im Gegenteil, ich fahre auf die Möglichkeit ab, dass das der Krieg ist, der die Galaxis endlich zusammenschweist, um das Sith geförderte Schisma der Prequels zu überwinden), sondern wie manche Sturmtruppen aussehen. Snokes Leibwächter oder die Snowtrooper sehen mir echt zu weird aus. Und ich gehöre zu jenen die sich irgendwie erhoffen vielleicht abseits der Filme zu erleben wie es ein ehemaliger imperialer Sternenzerstörer mit einem Sternenzerstörer der FO aufnimmt. Vielleicht bin ich ja der einzige, aber ich fantasiere davon, wie Großadmiral Thrawn in Episode IX hereinplatzt und Snokes Flotte handstreichartig ausradiert, als diese drauf und dran ist den Widerstand zu brechen. Seit der Thrawn-Roman enthüllt hat, dass Thrawn als Krieger nur einen Weg kennt mit dem ultimativen Bösen umzugehen (nämlich indem er dieses vernichtet), glaube ich, dass Thrawn im Kanon seine Erlösung finden wird. In den Legends starb er leider ehe die von ihm vorhergesehene Bedrohung bezwungen werden konnte, aber im Kanon könnte er diese Chance noch haben. Empire of the Hand vs. First Order, das hieße auch imperiale Sturmtruppen gegen die FO Kindersoldaten. Es wird zwar nicht onscreen passieren, aber das bedeutet es könnte ja in einem Roman geschehen.

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Donnerstag, 21. September 2017
Etwas Liebe für die Rebels
Grafisch wirkt Star Wars Rebels seit Beginn wie ein massiver Rückschritt von jenem Niveau mit dem Star Wars The Clone Wars endete und es fällt bis heute schwer zu erklären, warum jede neue Serie (mit einem neuen Designstil) derartige Anlaufschwierigkeiten hat, dass sie quasi wieder bei der Stunde 0 beginnt. Auch TCW startete grafisch wenig beeindruckend und wer die Audiokommentare zur ersten Staffel und vor allem den TCW-Film kennt, der weiß auch, dass TCW zu Beginn nur sehr wenige Charaktermodelle verwenden konnte. Wer die erste Staffel oder vor allem den Film genau beobachtet, der kann dort einige Hintergrundcharaktere beobachten, die wenig mehr sind als Alien-Köpfe auf relativ bekannten Körpermodellen. In Jabbas Palast findet sich etwa ein Obi-Wan-Doppelgänger. Dementsprechend günstig kamen den Machern Kampfdroiden und Klonsoldaten. Über die Staffeln hinweg konnte man sich immer mehr leisten, sodass es schließlich möglich war einmal etablierte Charaktermodelle zu verbessern, wie am Ende der zweiten und Beginn der dritten Staffel zu sehen. Auch die Klone selbst entwickelten sich und das zeigte sich am Design ihrer Rüstungen, die später Kratzer und individuelle Verzierungen aufzuweisen begannen.

Aber Rebels hat sich auch ganz bewusst von TCW abzusetzen versucht, auch weil Disney die treibende Kraft hinter dem Beginn einer neuen, ganz zum neuen Lucasfilm gehörenden Serie gewesen sein dürfte. Der neue Stil wirkt weniger kantig als der frühe TCW-Stil und er ist wohl auch moderner, was heute eben bedeutet er passt sehr gut zum Stil von aktuellen Disney-Animationsfilmen. Generell wollte man Rebels allerdings auch an die OT-Ära anbinden, was sich im Lichtschwertdesign niederschlägt. Das Prequel-Lichtschwertdesign, welches sich auch durch Nachbearbeitungen in den Special Editions der OT wiederfand, wurde zu Gunsten einer früheren Iteration aufgegeben. Das bedeutet die relativ schmalen und papierhaft wirkenden Klingen in Rebels sind keine Folge von Budgetbeschränkungen, sondern sie sind durchaus genauso gewollt.

Wie TCW ist Rebels auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig und in meinem Fall brauchte ich genauso lange, um mit der Serie einigermaßen warm zu werden. Meine ursprüngliche Ablehnung von TCW endete erst im Verlauf der zweiten Staffel und es waren Folgen wie die Befreiung von Ryloth in der ersten Staffel oder die zweite Schlacht um Geonosis, die mich überzeugten, dass TCW gar nicht so schlecht ist. Was TCW Rebels voraus hatte waren die Klone, die durch ihre Persönlichkeit einiges zum Geschehen beitragen konnten. Wobei ich nun nicht einzelne Klone meine, sondern ihre Gesamtheit. Jeder namenlose Klon trug durch Äußerungen seiner Individualität dazu bei, dass sich die Klonarmee wirklich lebendig anfühlte. Genau das fehlt mir noch in Rebels, wo namenlose Rebellenpiloten oder Rebellensoldaten, genauso wie Sturmtruppler und imperiale Offizier allesamt wie seelenlose Red Shirts wirken. TCW war eine Serie die selbst Statisten Leben einhauchen konnte. Und ja, ich spreche jetzt ganz bewusst nicht von umstrittenen Hauptcharakteren.

The Clone Wars war eine Serie über Jedi-Ritter und Klonsoldaten, wobei Raumschlachten durchaus auch eine Rolle spielten, aber eben im Rahmen den die Prequel-Trilogie abgesteckt hatte. Raumschlachten sind genau das was mich ursprünglich an Star Wars fasziniert hat und was ich in den Prequels zum Teil schmerzhaft vermisst habe. Rebels muss sich notgedrungen von den Klonkriegen distanzieren. Die Rebellen besitzen in der Serie noch lange keine große Armee und so bleibt es bei Kommandoaktionen einiger weniger und vor allem Raumkämpfen, wobei diese weitgehend auf Raumjäger-Kämpfe beschränkt sind. Genau das machte für mich aber auch den Reiz der OT aus. Dort ging es auch nicht um Kämpfe zwischen Großkampfschiffen, sondern darum wie Rebellen-Jäger sich durch Turbolaserfeuer und TIE-Fighter-Schwärme bewegen konnten. In Rebels beginnt die zweite Staffel damit einiges aus dieser Richtung zu bieten und so schließe ich sie langsam ins Herz.

Um auf umstrittene Charaktere zurückzukommen, Ezra Bridger hat es wohl genauso schwer wie Ahsoka die Fans zu überzeugen und manchmal kann man beobachten wie sich Ahsoka-Fans wiederum über Ezra beklagen. Imo wird die sehr persönliche Kritik an beiden übertrieben. Selbst whiny Anakin und Emo Kylo Ren werden wegen Mängel ihrer Persönlichkeit kritisiert, wobei allen immer gemein ist, dass ihre Schöpfer sie als jugendliche Helden oder Schurken positionieren wollten. Und Teenager zu sein ist eben ein Gemütszustand, den man zu verstehen man sehr früh verlernen kann. Ich hatte in meinem Berufsleben schon genug mit Teenagern zu tun, um Verständnis für ihre Lage zu entwickeln und ich bin noch nicht alt genug, um zu verdrängen, dass ich selbst mal genauso war und vor ganz ähnlichen Problemen stand. Ich kann nur vermuten, dass die Abneigung über einige Teenager daran liegt, dass man sich viel mehr mit anderen identifiziert.

Ich sehe Ezra vieles nach, immerhin ist er ein Teenager, der am Ende doch das richtige tun will. Ja, vielleicht sehe ich in ihm sogar etwas von mir selbst. Doch weit mehr als Ezra fasziniert mich Kanan, wobei Ezra oftmal sehr klar die eindeutige Heldenrolle zugespielt wird und die Mentorenfigur zum Nebencharakter verkommt. Auch Kanan durchläuft in Rebels eine Reise und ich neige dazu diese mit der Luke Skywalkers nach Endor zu vergleichen. Kanan hat seine Jedi-Ausbildung nie formell abgeschlossen und er entstammt eigentlich einer ganz anderen Jedi-Linie, nämlich der Mace Windus, des Meisters seiner Meisterin. Kanan steht also in keiner Beziehung zur Linie Dooku-Jinn-Kenobi-Skywalker. Und Kanan ist ganz klar sein Macht-Wunderkind, denn er hat schon seine Schwierigkeiten damit Inquisitoren zu besiegen. Wobei sein Duell mit dem Großinquisitor in Season 1 durchaus unfair war, denn der Großinquisitor war ein ehemaliger voll ausgebildeter Jedi-Ritter und Tempelwächter, der als Inquisitor die letzten 15+ Jahre damit verbringen konnte seine Jedi-Fähigkeiten frisch zu halten. Season 1 handelte in meinen Augen daher mindestens genauso davon wie Kanan wieder lernen musste ein Jedi zu sein und praktisch wurde Kanan zu einem Padawan der einen Padawan trainierte. Ein Verhältnis ähnlich wie jenes des jungen Obi-Wans zu Anakin. Der Altersunterschied zwischen Kanan und Ezra ist jedoch größer und Kanan ist mehr Vaterfigur als großer Bruder, am ehesten lässt sich Kanan wohl als jugendlicher Lieblingsonkel einreihen. Kanan ist auf jeden Fall die Art von Jedi die ich für meinen Teil gerne sehe, eine Art Kyle Katarn, der genauso gut mit einem Blaster schießt wie er sein Lichtschwert einsetzen kann. Es hilft sicher auch, dass ich Freddy Prinze Jr. nach seinen Rollen in Mass Effect 3 und Dragon Age Inquisition enorm sympathisch finde, obwohl weder Lt. Vega noch Ironbull zu meinen Lieblingsgefährten gehörten. Doch zumindest unter den männlichen Gefährten hatten sie für mich Spitzenplätze. Generell bevorzugte ich in Mass Effect ja Liara und Ashley oder sogar Tali, aber da alle drei weiblichen Geschlechts sind und sich selbst EDI als weiblich empfindet, so wurde Vega zu meinem männlichem Favoriten. In Dragon Age gibt es neben Cassandra für mich nur Varric und Blackwall, hinter denen Ironbull einen undankbaren vierten Platz einnimmt. Ironbull, Vega und Kanan – alle drei sind einigermaßen rebellische Charaktere, die allerdings alle ihren eigenen Moralvorstellungen folgen. Kanan passt als Überlebender ins Bild weil er anders als Ahsoka kein Über-Jedi ist. Jemand wie Kanan stellt für die Sith keine wirkliche Bedrohung dar, weshalb sich statt Vader auch die Inquisitoren um ihn kümmern können.

Chopper finde ich als schlecht gelaunte Version eines Astromech-Droiden ganz witzig. Der bockige und teils sogar rüpelhafte Chopper wirkt sogar noch eine Spur menschlicher als R2-D2 und C-3PO, weil er seine Gefühle teils sehr offen zum Ausdruck bringt. Er weigert sich manchmal sogar durchs Feuer zu gehen, wobei er etwas an 3PO erinnert. Mir gefällt auch der Vergleich zwischen R2 und Chopper, bei dem R2 als braves Hündchen und Chopper als eigenwilliger Kater dargestellt wird. Dafür bin ich kein Fan Zebs oder eben Ezras. Beide sind da, beide spielen ihre Rolle. Selbst Sabine ist kein Charakter bei dem ich mir gedacht habe, von ihr möchte ich unbedingt soviel mehr erfahren. Aber Sabine hat sich entwickelt und sie erfüllt die ihr zugedachte Rolle als das technische Wunderkind der Gruppe bisher ganz gut. An Sabine interessierte mich vor ihrem Griff nach dem Darksaber vor allem, dass sie demonstriert, warum Mandalorianer früher sehr viel Wert darauf gelegt haben ihre Rüstungen zu individualisieren. Sabines Liebe für bunte Farben und Explosionen ist etwas, das sich perfekt in Verbindung mit der mandalorianischen Kultur bringen lässt, selbst jetzt wo diese im Kanon noch nicht so ausgebaut ist wie in den Legends. Bei Sabine kann man sich vorstellen, wie sie auch unter dem Regime der pazifischen Satine Kryze eine Karriere gehabt hätte, nämlich wohl als Künstlerin. Sabine macht deutlich welche Probleme Rebels hatte, denn als die Charaktere in Season 1 eingeführt hatten fehlte allen eine Hintergrundgeschichte und nur bei Ezra wurde diese kontinuierlich weitergeschrieben. So kam erst später raus wer sie vorher waren und wirklich sind.

Ein Charakter dessen Name schon eine höchst interessante Backstory versprach war eben Hera Syndulla. Cham Syndulla war in meinen Augen einer der besten Charakterneuschöpfungen die The Clone Wars hervorgebracht hat und ich finde immer noch, er wäre als Rogue One-Antiheld eine bessere Wahl als Saw Gerrera gewesen. Nun hat man sich für Saw entschieden und eine ganze Menge Backstory geliefert, um ihm zum fehlgeleiteten Terroristen zu machen. Dafür hat Cham Syndulla wohl eine Chance noch den Untergang des Imperiums und die Befreiung Ryloths zu erleben, genauso wie Hera die samt Chopper und Ghost in Rogue One einen Cameo feiert (General Syndulla wird im Hangar auf Yavin 4 namentlich ausgerufen). Hera ist meine heimliche Heldin, wofür Vanessa Marshalls Fangirl-Status auch einiges beigetragen hat. Hera stellt eine Verbindung zu den Klonkriegen her und noch dazu auf eine Weise die mich extrem fasziniert hat, denn Hera stammt von einem Freiheitskämpfer ab, der schon im letzten Krieg aktiv war. Was mir nach Episode III als Fan am meisten zugesagt hat, war der Versuch die Klonkriege bereits mit dem Aufstieg der Rebellion zu verknüpfen. Nicht wenige Separatisten hatten ja legitime Anliegen, die von den Sith auf hinterlistigste Weise für ihre Zwecke missbraucht wurden. Die Twi’leks hatten es dabei nie leicht und die Republik hätte sie vor Sklaverei und Ausbeutung schützen sollen. Hera erlebte die Klonkriege live mit und sie war fasziniert von den Raumkämpfen über ihrer Heimatwelt, was eine Verbindung zu Luke Skywalkers Begeisterung über die in Episode IV sichtbare Raumschlacht über Tatooine wiederspiegelt. Hera wollte eine Pilotin werden und sie gehört vermutlich zu den besten Pilotinnen der Rebellion, wobei der Auftritt der Ghost in Rogue One die Frage aufwirft, ob man ihr in Episode VI nicht auch das Kommando über den Raumjägerangriff auf den zweiten Todesstern angeboten hat. So ein Rebels-Epilog mit einem Wiedersehen zwischen General Syndulla und General Calrissian wäre ja witzig, wobei Hera vielleicht sogar das gute Wort für Lando eingelegt hat, mit dem er zum General ernannt wurde. Hera ist für mich jedenfalls ein Charakter mit Zukunft und ihre Gastrolle in den LEGO Freemaker Adventures lässt mich hoffen, dass sie Rogue One und Episode IV tatsächlich überlebt hat. Ich sehe in Hera einen Wedge Antilles für den neuen Kanon und ich warte nur darauf, dass es einen Phoenix Squadron Roman mit Generalin Syndulla und ihrer A-Wing-Staffel geben wird. In Rebels ist Hera höchstens 30, in der Sequel-Ära wäre sie höchstens 60. Es bestünde also sogar eine Chance eine ältere Generalin Syndulla im Kampf gegen die TIE-Fighter der First Order zu erleben. Genauso könnte dann auch eine ältere Sabine mit ihren Mandalorianern in die Schlacht ziehen, aber das sind Fanhoffnungen. Es besteht immer die Gefahr, dass die Ghost-Crew nach Rogue One nach Alderaan aufbrach und mit dem Planeten unterging.

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Mittwoch, 20. September 2017
Opfer des Reboots: Der Hohe Rat des Neuen Jedi-Ordens
So sehr sich Lucasfilm seit 2014 Mühe gibt Star Wars in allen Medien zum Teil des neuen Kanons zu machen, so offensichtlich ist auch die Schattenseite des Bestrebens jeden neuen Film und jede Animationsserie mit Comics, Romanen, Battlefront-Maps und Charakteren in neuen Star Wars-Games zu ergänzen. Was früher zum Teil den Reiz des EU ausmachte war dessen Eigenleben. Star Wars ging auch ohne und abseits der Filme und Serien weiter. So enstanden ganze Generationen von Charakteren, die nie auf einer Leinwand oder einem Fernsehbildschirm zu sehen waren. Und trotzdem genossen diese Charaktere hohes Ansehen und hatten ihre eigenen Fangemeinschaften.

Als Comic- oder Romanleser hatte man seine eigenen Star Wars-Helden, die nicht bloßes Beiwerk zu den Filmen oder Serien waren. Entsprechend frei konnten die Autoren dieser Geschichten neue Welten, Ereignisse und Persönlichkeiten ergründen. Und irgendwann führte die Popularität von Charakteren dazu, dass man sie mit anderen zusammenführte. Nicht im kommerzialisierten Stil eines jährlichen Marvel-Crossovers, sondern weil eine Geschichte sich so entwickelt hatte, dass es wirklich Sinn machte. Eine solche Entwicklung war die Gründung von Luke Skywalkers Neuen Jedi-Orden, dem Herzstück des Expanded Universe nach Endor, welches dem neuen Kanon völlig fehlt und dazu beiträgt, dass Episode VIII wohl der traurigste Sequel-Film werden wird. Luke Skywalker wirkte im Teaser-Trailer bereits so gebrochen, wie mancher Fan nach der Erkenntnis, dass Kylo Ren als verzogener Skywalker-Sprössling ohne echten Grund eine der besten Ideen des EU zerstört hat.

Die Idee, dass Luke Skywalker nach Endor auf der Suche nach alten Jedi-Relikten und potentiellen Jedi-Schülern sein wird fand bereits anfang der 90er in der Thrawn-Trilogie und Dark Empire Ausdruck. Beide Werke erschienen fast zeitgleich und es lag leider an Timothy Zahns Weigerung sich auf Dark Empire zu beziehen, dass die Thrawn-Trilogie chronologisch vor Palpatines Rückkehr angesiedelt ist. Dark Empire und die Thrawn-Trilogie verkörperten so etwas wie den Urknall des Expanded Universe, das uns so viele Dinge eingebracht hat die selbst EU-Hater nach 2014 gerne wiedersehen würden. Dark Empire II führte etwa nach Ossus und Dark Empire III spielte auf Onderon. Daraus ergab sich dann die Idee zum ersten Prequel der Star Wars-Geschichte – den Tales of the Jedi, welche auch die Geburt der Old Republic-Ära mit allem Drum und Dran (inklusive Mandalorianern, Sith und Jedi-Lore) mit sich brachten. Und die Tales of the Jedi wurden inspirierten schließlich die Jedi Academy-Trilogie, quasi als Sequel zu Dark Empire. Original > Prequel > Sequel ist also eine Vorgehensweise die man als Star Wars-Fan bereits kannte ehe Kathleen Kennedy die Sequel-Trilogie in Auftrag gab.

Sowohl Dark Empire, als auch die Thrawn-Trilogie beschäftigen sich mit Luke, der versucht einen neuen Jedi-Orden zu gründen. In der Thrawn-Trilogie spielen Leia, ihre Zwillinge und Mara Jade die Rolle der Hoffnungsträger auf eine Wiedergeburt des Jedi-Ordens. In Dark Empire ist dieses Bild diffuser. So bringt Luke in Dark Empire außer seiner Schwester und ihren Kindern (die Geburt von Anakin Solo steht da kurz bevor) mehrere Machtnutzer auf seine Seite, angefangen mit dem ehemaligen dunklen Jedi Kam Solusar, zwei Ureinwohnern von Ossus, einem Cyborg-Überlebenden von Vaders Jedi-Verfolgung, sowie der mysteriösen und steinalten Vima Da-Boda. Nur Solusar überlebte.

Kevin J. Anderson hatte in seiner Jedi Academy-Trilogie schließlich die Aufgabe die erste Generation der neuen Jedi vorzustellen und er griff neben bereits etablierten Charakteren (Kam Solusar und Mara Jade) auch auf Eigenkreationen zurück, wie Tionne, Cilghal und Kyp Durron. Leia hatte in den Legends nach der Thrawn-Trilogie nie die Zeit ihre Jedi-Ausbildung abzuschließen, bis ihre Kinder längst erwachsen waren und sie selbst all ihre politischen Ämter bereits niedergelegt hatte (während der Dark Nest-Trilogie ließ sich Leia schließlich von Meisterin Saba Sebatyne als Jedi-Padawan unterrichten). Die Solo-Kinder spielten in der Jedi Academy-Trilogie nur eine kleine Nebenrolle, ihr großer Auftritt kam schließlich in den Jugenbuchreihen Young Jedi Knights und Junior Jedi Knights.

Der Erfolg der X-Wing-Romane Michael Stackpoles sorgte schließlich dafür, dass auch Corran Horn unter dem Alias Keiran Halcyon in die Jedi-Akademie eintrat. Das geschah in einem der ersten Spinoffs des Universums, dem Roman „I, Jedi“. Später durfte auch der Videospielheld Kyle Katarn (wahrscheinlich der bekannteste Star Wars Videospiel-Charakter vor Revan) seine Jedi-Ausbildung auf Yavin 4 fortführen, was man passenderweise zu Jedi Knight II machte. In Jedi Knight III übernahm Katarn schließlich sogar die Mentoren-Rolle und unterrichtete Jaden Korr, der Jahre später mit zwei eigenständigen Star Wars-Romanen geehrt wurde.

Als es in den Legends zur Ernennung des ersten Jedi-Rats des neuen Jedi-Ordens kam setzten die Autoren vor allem auf bekannte Namen: Mara Jade, Kyle Katarn, Corran Horn, Kyp Durron, Kam Solusar, Tionne Solusar und Cilghal gehörten alle zu den Meistern des Ordens und diese Riege wurde später noch um andere Fan-Favoriten ergänzt, wie Meisterin Saba Sebatyne, die während der Yuuzhan Vong-Invasion mit ihren eigenen Jedi-Schülern um formelle Aufnahme in den Jedi-Orden ersuchte (Saba wurde durch eine leicht abtrünnige Jedi-Meisterin ausgebildet und bildete ohne formelle Zugehörigkeit zum Orden selbst Jedi aus). Saba wurde schließlich auch Leias Jedi-Meisterin und sie spielte eine sehr vokale Rolle in allem was nach den Vong kam, bis hinauf zu einer kurzen Phase als Großmeisterin des Ordens während Lukes Exil. Selbst die zweite Generation wurde später mit einer Aufnahme in den Rat geehrt, als Jaina Solo praktisch als Nachfolgerin Mara Jades zur Meisterin ernannt und in den Rat aufgenommen wurde. Im Jedi-Rat zu sitzen bedeutete für Legends-Charaktere wirklich an der Spitze angekommen zu sein. Schade, dass es so etwas im neuen Kanon nun nicht mehr geben wird.

The Clone Wars versuchte seinerzeit mit den Mitgliedern des Jedi-Rats der Prequels auf ähnliche Weise Fangemeinden zu kreieren, nur geschah das eben umgekehrt, denn anstatt einen populären Jedi in den Rat zu befördern versuchte man durch die Filme bekannte Ratsmitglieder in der Serie zu verwenden, um ihre Popularität zu steigern. TCW-Mastermind Dave Filoni war etwa ein enormer Fan von Plo Koon, weshalb dieser neben Yoda und Mace Windu die meisten Einsätze erlebte. Fast unerklärlich blieb manchen wohl die Begeisterung für Kit Fisto, der schon nach Episode II eine Fangemeinde aufbauen konnte, die zu einigen Auftritten in Comics, sowie mehreren TCW-Folgen führte.

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Freitag, 15. September 2017
From a Certain Point of View

Die bedeutendste Kurzgeschichtensammlung des neuen Kanons

Als die Veröffentlichung von Star Wars-Romanen noch in den Händen des Bantam Spectra Verlages lag (während der 90er-Jahre) gab es mehre Kurzgeschichtensammlungen zu ikonischen Szenen aus allen drei Filmen:
Tales from the Mos Eisley Cantina
Tales of the Bounty Hunters
Tales from Jabba’s Palace

Sowie die beiden Sammelbände:
Tales from the New Republic
Tales from the Empire

Kurzgeschichten standen damals hoch im Kurs und wurden sehr häufig im offiziellen Fan-Magazin Star Wars Insider veröffentlicht. Als die Lizenz für Star Wars-Romane später zu Del Rey wechselte wurden Kurzgeschichtensammelbände ziemlich rar.

Die Star Wars-Kurzgeschichten hatten einen besonderen Reiz, denn oft erzählten sie Hintergrundgeschichten, die von den selben Autoren in ihren Romanen nur gestriffen worden waren. So trugen die Kurzgeschichten auch dazu bei, das Star Wars-Universums noch dichter und lebendiger erscheinen zu lassen, da es auch abseits der Romane neue Geschichten zu entdecken gab. Nun gab es allerdings auch nach 2014 neue Kurzgeschichten, die kanonischen Status erhielten, die allerdings exklusiv nur im Star Wars Insider veröffentlicht wurden. Als Fan hat man es schwer an diese Geschichten zu kommen, wenn man sich etwa nur auf die Romane und nicht auch die Sammlung von US-Fanzines konzentriert.

Del Rey kündigte zu From a Certain Point of View bereits an, dass gute Verkaufszahlen des Sammelbands dazu beitragen könnten, weitere Kurzgeschichtensammlungen anzustoßen. Die Qualität der Geschichten ist natürlich sehr unterschiedlich, denn immerhin sind es ja sehr verschiedene Autoren. In From a Certain Point of View finden sich viele, aber noch nicht alle Autoren die bisher zum neuen Kanon beigetragen haben. Und manche Autoren wurden wohl auch eher aufgrund ihres Celebrity-Status ausgewählt, wobei dieser auch nicht dem Uneingeweihten bekannt sein dürfte. Künftige Sammelbände könnten allerdings auch Größen wie James Luceno und Timothy Zahn (der in den 90ern viele Kurzgeschichten beigesteuert hat) oder alte Bekannte wie Michael Stackpole, Kevin J. Anderson und Matthew Stover zurückholen.

Neben der Hoffnung auf neue Kurzgeschichten und mehr Geschichten von bestimmten Lieblingsautoren bringt From a Certain Point of View jedoch auch einige Gefahren mit sich, denn einige der neuen Kurzgeschichten decken sich mit alten. Ein Beispiel wäre da etwa Zoraida Córdovas “You Owe Me a Ride” über die Zwillingsschwestern Brea und Senni Tonnika in der Mos Eisley Cantina. Deren Geschichte wurde in den Legends als „Hammertong: The Tale of the ‚Tonnika Sisters‘“ von Timothy Zahn bearbeitet, nur waren es dort die Mistryl Kriegerinnen Shada D'ukal and Karoly D'ulin, die sich als die Tonnika Schwestern ausgaben. In der neukanonischen Geschichte dürften es wohl die echten Tonnika-Schwestern sein.

Interessant wird dafür Chuck Wendigs Wuher-Geschichte (über den droidenfeindlichen Barkeeper von Tatooine) „We don’t serve their kind here“, welche sich dem Vergleich mit „Be Still My Heart: The Bartender's Tale“ von David Bischoff aus den Tales from the Mos Eisley Cantina stellen darf. In den 90ern wusste man noch nichts von den Klonkriegen und den Droidenarmeen der Separatisten, sodass Wuhers Hass auf Droiden vielleicht auf eine entsprechende Erfahrung während der Prequel-Zeiten zurückzuführen sein könnte.

Eine genaue Übersicht über Autoren, Beiträge und Protagonisten findet sich unter: http://starwars.wikia.com/wiki/From_a_Certain_Point_of_View

So wie es aussieht könnte der Kurzgeschichtenband auch einige relativ bedeutende Geschichten enthalten, wie Whills von Tom Angleberger (Guardians of the Whills, Disciples of the Whills, Journal of the Whills). Und auch Paul Dinis (der Autor hinter den Batman Arkham Games in denen Mark Hamill den Joker vertonte) Added Muscle über Boba Fett könnte interessant sein, wenn die Geschichte auf Fetts Rückkehr nach Episode VI anspielt: "I'd be lying if I said I didn't enjoy the whispers of surprise when I walked onto the scene. That's right, boys. Fett's here." Von Interesse hinsichtlich des größeren Ganzen wäre auch Time of Death von Cavan Scott über die letzten Momente Obi-Wan Kenobis bei seinem finalen Duell mit Darth Vader.

Auch das Hörbuch wird etwas ganz besonderes

https://jedi-bibliothek.de/2017/09/prominenter-hoerbuch-cast-from-a-certain-point-of-view/

[falls das Hörbuch via audible beziehbar wird würde ich mir den Kauf schon überlegen]

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Donnerstag, 14. September 2017
Disneys Star Wars: J.J. Abrams ist nur ein Symptom
George Lucas Star Wars (1977-2014)
Disneys Star Wars (2014-)

2014 markierte in der Geschichte des Franchise nicht bloß die “Ungültigerklärung” des gesamten Beiwerks zu den Filmen, sondern auch den Beginn der Remake-Ära. Unter der Führung von Kathleen Kennedy hat sich Lucasfilm nun nicht mehr mit einem launischen Künstler als Eigentümer herumzuschlagen, sondern einem gewinnorientierten und groben Konzern. Ein Konzern zu dem auch das Wunder-Franchise Marvel gehört, wo alle Jahre wieder mit einem Reboot der Comics zu rechnen ist (neue Origin Stories jahrzehntealter und verehrter Charaktere oder Experimente wie deren Nachbesetzung inklusive). Während die Verkaufszahlen der Comics im Vergleich ja bescheiden wirken stehen die Filme einem Millionenpublikum offen, das bestenfalls oberflächlich über die Originale Bescheid weiß. Trotzdem waren die Comics zuerst da und ohne sie gäbe es heute keine Avengers.

Im Fall von Star Wars begann alles mit den drei Filmen, ehe sich anfang der 90er explosionsartig ein Expanded Universe zur Ära nach Episode VI entwickelte. Der Erfolg dieses Merchandising spülte Lucas genügend Geld in die Kassen und regte ihn auch kreativ ausreichend an, dass er das Franchise schließlich um die Prequel-Trilogie erweiterte. Ohne den Bantam-Verlag, der Timothy Zahns Thrawn-Trilogie veröffentlichte und Dark Horse Comics, wo Dark Empire erschien hätte es wohl weit weniger Material gegeben, um Star Wars in den 90ern anzufachen. Videospiele wie Shadows of the Empire waren mutlimediale Ereignisse, mit Comic- und Romanadaptionen, sowie einer Comicfortsetzung. Rogue Squadron, X-Wing vs. TIE Fighter oder X-Wing Alliance wurden um die X-Wing Comics und X-Wing Romane ergänzt. Das originale Rogue Squadron schloss seine „Story-Kampagne“ sogar mit der Schlacht von Mon Calamari ab, wie sie in Dark Empire gezeigt wurde. Dark Forces und Jedi Knight führten Jedi-Ritter Kyle Katarn ein, der später zu einem fixen Bestandteil der Romane über den neuen Jedi-Orden wurde. Katarns Schüler Jaden Korr aus Jedi Knight III erhielt sogar zwei eigene Romane.

Dann verkaufte Lucas sein Franchise an Disney und man holte sich Berater von Marvel an Bord. Was folgte war der Reboot im Jahre 2014 und die Ankündigung einer neuen Trilogie. Das Problem mit Neuerungen ist natürlich immer, dass viele Fans sie ablehnen werden. Zugleich wird einem jedoch vorgeworfen bei den gleichen Neuerungen zu sehr auf das Originalmaterial zuzugreifen, sodass man ja nur abgekupfert hat.

Episode VII

Im Gegensatz zu anderen Medien des Franchise kann man bei den Filmen nicht behaupten, man würde diese nur deshalb wie Remakes betrachten weil man das Original kennt und irgendwie zu sehr an diesem hängt, auch wenn es jetzt für ungültig erklärt wurde. Zumindest da wird dieses Argument einmal ad absurdum geführt. Ich habe auch schon gefragt, ob mein Urteil über Episode VII vielleicht unfair ist. Zugleich habe ich wenigstens einen Freund der schon vor Jahren vehement für Remakes der OT eingetreten ist, mit aktuellen Special Effects, um die Saga für eine neue Generation zu öffnen. Genau das ist die Sequel Trilogie ja eigentlich und Disney-Lucasfilm kommuniziert das auch sehr gerne, wenn man auf die Heldin der neuen Saga zu sprechen kommt. Rey ist der Luke Skywalker für eine neue Generation und so ist das ganze eigentlich keine direkte Fortsetzung, sondern der Versuch die Essenz von Star Wars (in Form eines halben Remakes) neu zu verpacken. Geben wir uns also keinen Illusionen hin, die ST ist ein Remake, das sich als Fortsetzung ausgibt. J.J. Abrams wählte für seinen zweiten Beitrag zum Star Trek Franchise ein offensichtliches Remake von Der Zorn des Khan.

Darum mag J.J. Abrams für Kathleen Kennedy und Disney auch als Idealbesetzung erscheinen, denn er ist der Remake-und-Reboot-Experte für Milliarden-Franchises wie Star Trek und Star Wars. Wie gesagt, es geht beim neuen Star Wars weniger darum die Story schlüssig weiterzuentwickeln, als viel mehr darum die kulturell und finanziell erfolgreichste Version von Star Wars (die OT) neu zu erzählen. Die „Essenz“ von etwas zu erfassen wird so auch pervertiert, denn aus der intellektuellen Aufgabe wird ein grobschlächtiger Kopierversuch. Darum hat Episode VII nun einen Super-Todesstern, den Untergang des Senats als letzten Rest der Republik, eine auf einem Wüstenplaneten lebende Heldin, einen Maskenträger als Bösewicht, eine ermordete Mentorenfigur und einen entstellten Oberbösewicht. Und natürlich viele Sturmtruppen und designmäßig keinen Deut weiterentwickelte Sternenzerstörer und TIE Fighter. Alles sieht so aus, als hätte man die OT eben mit Mitteln des 21. Jahrhunderts nacherzählt. Für den Erfolg muss die Geschichte auch nicht innovativ sein. Neue Fans gewinnt man so auf jeden Fall und einige der alten bleiben einem auch treu, weil man dem Original so nahe gekommen ist bzw. doch einige Abweichungen eingebaut hat.

Als Fan stand ich nach Episode VII auch vor dem Problem, dass mir von Episode VII vor allem einige visuell imposante Szenen in Erinnerung blieben (der Nachtangriff auf das Dorf auf Jakku, X-Wings über dem See auf Takodana) und dass man für den shock value Han Solo sterben ließ. Die Raumschlacht über Starkiller Base war mir zu gehetzt und unpersönlich, einige der visuellen und Sound-Effekte passten in meinen Augen und Ohren außerdem eher zu Star Trek oder eher, dem Stil den Abrams in seinen beiden Star Trek-Filmen pflegte. J.J. Abrams wirkt für mich als Drehbuchautor und Regisseur zwar wie ein Star Wars-Fan, aber einer der sich sehr stark auf Oberflächlichkeiten konzentriert, die heutzutage allerdings hoch im Kurs stehen.

Remakes statt Fortsetzungen

Battlefront ist ein weiteres Beispiel dafür wie Disney-Lucasfilm zu kopieren versucht was erfolgreich war. Doch wie Gender Mainstreaming-Wissenschaftler gerne sagen, Sprache definiert die Wirklichkeit. In diesem Fall bedeutet dass, das das neue Battlefront wieder als Battlefront I geführt wurde. Mit diesem Wirrwarr schafft man es auch die Leute daran zu hindern genauer über das nachzudenken, was wirklich vorgefallen ist. Kurzum, bei den Star Wars-Games ist man beinhart darauf aus Reboots durchzuziehen, egal wie erfolgreich oder beliebt das Original war. Battlefront I und II waren Kultspiele, die auch Jahre später noch populär waren. Das neue BF I und II sind hingegen typische Produkte ihrer Zeit. Massenware, die nach ca. 2 Jahren durch eine Fortsetzung ersetzt werden muss, weil sie dem wirtschaftswissenschaftlichen Produktzyklus unterworfen ist. Wir schreiben 2017 und demnächst wird Battlefront II erscheinen, mit Content und DLC der bereits die letzten drei Filme einbezieht. 2018 wird man dann wohl auch noch einen Han Solo-DLC nachschieben. Und anlässlich von Episode IX 2019 dürfte es dann Battlefront III geben. BF I und II sind dann wieder obsolet und die Spielerschaft zieht brav weiter. Und wer weiß, vielleicht legt EA ja einige der populärsten Maps aus den Vorgängern als DLCs nach.

Wer es immer noch nicht glauben will, KotOR III kommt in Form eines Remakes von KotOR I und das erste offizielle KotOR III käme dann einige Jahre später, wenn sich mit KotOR II DLC kein Geld mehr machen lässt. Und die Story wird ganz anders, denn es gilt ja zu verschleiern, dass wir es mit KEINEN Remakes zu tun haben. Zudem wird das Remake dann auch kürzer und mit Addons angereichert, wobei ein ausbleibender Hype dann vielleicht auch zur Einstellung führt, wie bei Mass Effect Andromeda.

Erklärungsbedarf

Eines der interessantesten Phänomene des Star Wars-Universums war immer, dass so ziemlich jedes irgendwann erwähnte Ereignis und jeder Charakter irgendwo und irgendwie beschrieben wurde. Von 1977 bis 2014 gab es soviel Material, dass man die Lebensgeschichten eines jeden Besuchers der Mos Eisley Cantina nachlesen konnte. Es gab Fakten zu jedem Droidenmodell, jedem Raumschiff und Planeten. Autoren versuchte alle Lücken zu schließen, die existierten, vor allem zwischen den Filmen. So entstand ja auch Shadows of the Empire, denn das Videospiel beschrieb zum Teil den Versuch Han Solo aus den Händen Boba Fetts zu befreien.

Standalones

Rogue One wird als genuin neue Geschichte und Experiment im Star Wars-Franchise gehandelt, doch Geschichten über die Todessternpläne gab es vor 2014 einige. Eine davon handelte von Kyle Katarn und wurde im Videospiel Dark Forces erzählt. In der schlussendlich zusammengestückelten Geschichte wirkte es dann so, als wären die Pläne von einer Rebellen-Zelle zur nächsten gereicht worden, gerade rechtzeitig bevor das Imperium zuschlagen konnte. Was ironischerweise dem Ende von Rogue One entspricht, als die Todessternpläne buchstäblich die Hände wechseln, während Darth Vader jeden zwischen ihm und den Plänen stehenden Rebellen ermordet.

Rogue One und Han Solo könnten übrigens beide mit der gleichen Legends-Quelle verglichen werden, der Han Solo-Trilogie von A.C. Crispin. Band 3 beschrieb nämlich wie Hans Ex-Freundin und große Liebe, Rebellen-Commander Bria Tharen, bei der Übertragung der Todessternpläne an Leias Tantive IV starb. Jyn Erso als Han Solos Ex? Das wär doch was gewesen.

Kyle Katarns Rolle als Rebellen-Agent in den Legends wird gerne mit der Jyn Ersos verglichen, denn Katarn begann seine Karriere als Sturmtruppler, ehe er Söldner wurde. Er kooperierte schließlich mit Rebellen-Offizierin Jan Ors, die man wohl mit Cassian Andor vergleichen kann.

Was für Standalones würden denn hoch im Kurs stehen? Ein Obi-Wan-Film, ein Vader-Film, ein Maul-Film, ein Boba Fett-Film... doch jeder dieser Filme würde sich wie im Fall von Marvel irgendwo beim Legends-Material bedienen und uns eine Geschichte erzählen wie sie sich der Drehbuchautor (nachdem er vielleicht einige Stückchen der Legends kennt oder kennen gelernt hat) vorstellen würde. Der Übergang zur Fan Fiction ist fließend, nur dass diese Form von Fan Fiction eben offiziell ist und Fans mit abweichenden Meinungen oder mehr Buchstabentreue auf die Palme bringt. Andererseits können sich Autoren, die versuchen Legends-Charaktere inhaltlich und namentlich in ihre Kreationen einzubauen, darauf freuen für ihr Vorgehen bejubelt zu werden. Nur wer es eben besser zu wissen meint, Geschlecht, Name und einige Details auswechselt, der macht sich eben unbeliebt. Wobei man im Zweifel für den Angeklagten auch davon ausgehen sollte, dass manche gar nicht wissen können, dass ihre Schöpfung vielleicht etwas ähnelt, das es bereits einmal gegeben hat.

Eine ähnliche Geschichte unter einem neuen Buchdeckel

Schon vor 2014 gab es Geschichten die wie eine Wiederholung von älteren Geschichten wirkten. Mein persönliches Ärgernis waren da etwa die unzähligen Han Solo-Geschichten, die damit begannen, dass Han Solo irgendetwas für die Rebellion erledigen musste, weil er als Schmuggler vielleicht entsprechende Kontakte oder Erfahrung hat, wobei er auch auf keiner Fahndungsliste als Rebell vermerkt ist. Nun gibt es solche Han Solo-Geschichten auch im neuen Kanon und mit dem neuen jungen Han Solo könnte man auch weitere Standalones über Hans Zeit als Rebell produzieren.

Die Schlacht von Jakku wurde im Umfeld von Episode VII zur großen Entscheidungsschlacht nach Endor aufgebaut und es stimmt schon, dass es eine solche in den Legends nicht gab. In den Legends kollabierte das Imperium aber auch nicht so einfach und es gab vehementen Widerstand durch allerlei Imperiale Kriegsherrn. Und auch das Scheitern von Lukes Jedi-Akademie ist eine völlig neue Entwicklung, sowie der Umstand, dass Leia tatsächlich nie zur Nachfolgerin Mon Mothmas als Integrationsfigur und Kanzlerin der Neuen Republik aufstieg. Doch all das sind keine unwesentlichen Bestandteile des Expanded Universe gewesen. Lukes Jedi-Akademie wurde etwa zu einem sehr populären Motiv, das nach einer Romantrilogie, einem Comic und einem eigenen Corran Horn-Spinoff-Roman zum Schauplatz von Jedi Knight II und Jedi Knight III wurde, zwei in den Jahren vor KotOR relativ populären Star Wars Games mit Jedi-Ritter, später Jedi-Meister, Kyle Katarn. 2014 hat Katarn genauso aus der offiziellen Timeline getilgt wie Revan und KotOR. Der Verlust beliebter Charaktere und ihre Nichtigkeitserklärung treffen Fans natürlich hart. Ich war ja einer dieser Katarn-Fans, die auch durchaus davon angetan waren, als Paul Kemp zwei Romane über dessen Ex-Padawan Jaden Korr schrieb. Qualitativ standen die Bücher Kemps kanonischen Roman Lords of the Sith über Vaders und Palpatines sabotierten Staatsbesuch auf Ryloth in nichts nach, wobei der beste Kemp-Roman in meinen Augen immer noch The Old Republic: Deceived ist, über die Plünderung Coruscants und die Tage danach (teilweise aus der Perspektive von Darth Malgus geschrieben). Nur weil Kemp nun kanonische Werke schreiben darf sind diese nicht unbedingt soviel besser und im Gegenteil, einige Autoren haben es unter den strikteren Anweisungen von Lucasfilm nach 2014 sogar schwieriger, weil sie weniger kreative Freiheiten besitzen.

Kemps Lords of the Sith steht in meinen Augen etwa in Konkurrenz zu James Lucenos Legends-Roman Dark Lord: The Rise of the Darth Vader, wobei dieser Luceno-Roman nun durch eine neue Marvel Comic-Reihe über Vader direkt nach Episode III überschrieben wird. Es ist wirklich eine Ironie des Schicksals, denn Lucenos Roman entstand nach Episode III noch auf Basis von Notizen George Lucas, während Kemps Roman und die Comic-Serie von der Story Group und den auserwählten Autoren getragen werden. Kemp widersprach Luceno etwa darin, dass Vaders Anzug für ihn eine Behinderung sei. Während Luceno auf Lucas aufbauend davon berichtete, dass Vader durch seinen Anzug eingeschränkt sei und Machtblitze ihn der Gefahr eines Erstickungstodes durch den Defekt des Beatmungssystems aussetzen würden, machte ihn Kemp mit Segen der Story Group zum quasi unverwüstlichen Cyborg-Krieger. Die neue Comicreihe will wohl etwas abschwächen und erklären, Vader sei am Anfang doch nicht so imba gewesen, wie 5 Jahre später in Lords of the Sith.

George Lucas hatte James Luceno einen Blick in seine Notizbücher erlaubt, als dieser die Vorgeschichte zu Episode I (Cloak of Deception) und Episode III (Labyrinth of Evil, wobei der Romane viele Dinge enthielt die Lucas später in The Clone Wars verankern ließ) schrieb. Aber Luceno schrieb auch den Roman Darth Plagueis und eben den Epilog zu Episode III Dark Lord: The Rise of Darth Vader. Was Luceno zum Expanded Universe beitrug hatte vor 2014 den Segen von George Lucas und auf gewisse Weise waren seine Romane durch diese engere Zusammenarbeit (Luceno durfte Lucas Fragen zukommen lassen und erhielt so einen Einblick in Lucas Notizen) auch höherwertig als viele andere, die ohne Unterstützung von oben zustande kamen. Auch The Clone Wars basierte auf dieser Zusammenarbeit zwischen George Lucas und den eigentlichen Autoren. Wobei Lucas bei der Animationsserie noch häufiger lenkend eingriff. Das ist nun auch eine der Wahrheiten mit der man als Star Wars-Fan umgehen muss. Einige der Dinge die Lucas genehmigt hat wurden aufgehoben, weil man in Bausch und Bogen alles auf Papier gedruckte vor 2014 ungültig erklären ließ. Und die Story Group ist keineswegs an so etwas wie Lucas Vorgaben gebunden. Wenn Anakin nicht der Auserwählte war, dann ist es eben Rey, weil das mehr Geld einbringt oder aus anderen Gründen gerade opportun ist. Star Wars besitzt kein visionäres Mastermind mehr, sondern nur noch Bürokraten und daher wirkt das neue Star Wars auch irgendwie bürokratisch. Das neue Star Wars wird wohl kaum noch Risiken eingehen, wie es Lucas mit den Prequels oder einigen Story-Arcs in The Clone Wars getan hat. Für die Masse ist das auch besser so, denn eine Episode ganz ohne Sturmtruppen war ja unerträglich. KotOR wurde schon kritisiert weil es Sith-Truppen und einen vage an Sternenzerstörer erinnernden Kreuzer verwendete. Bei SWTOR fiel die Kritik wegen offensichtlicherer Anleihen weit harscher aus. Es musste aber wie Star Wars aussehen, um sich auch zu verkaufen, so jedenfalls das Kalkül. In der Lore selbst gaben die Tales of the Jedi eigentlich einen weit archaischeren Look vor.

Der große Ärger mit George Lucas entstand vor 2014 oft, wenn sich Lucas nicht an Geschichten des Expanded Universe gebunden sah. So erlaubte er es The Clone Wars ein völlig neues Mandalore zu entwerfen, als jenes, das zur gleichen Zeit in den Romanen beschrieben wurde. Und Lucas ließ auch die Hintergrundgeschichten einer Charaktere verändern. So schuf er Satine Kryze als Jugendliebe Obi-Wan Kenobis, während er in den Jugendbüchern der Jedi Apprentice-Reihe noch unglücklich in eine andere Padawan (Siri Tachi) verliebt war. Die Klonkriege selbst fielen anders aus, als sie Timothy Zahn in der Thrawn-Trilogie noch angedeutet hatte. Und mancher Charakter aus dem EU spielte in den Prequels überhaupt keine Rolle, obwohl er angeblich eine tragende Rolle bei Palpatines Aufstieg gespielt hatte. Die Disney-Ära begann mit der Versprechung, dass es nie wieder zu solchen Widersprüchen kommen sollte. Allerdings existiert das Problem, dass jedem Filmemacher bisher enorme Freiheiten eingeräumt werden und jeder etwas hinzufügen will, das nachher gewissenhaft in jedes künftige Werk eingebaut werden muss. Entweder würgt man irgendwann die Kreativität von Regisseuren und Drehbuchautoren ab oder man wiederholt die Fehler der Lucas-Ära.

Was sich seit 2014 aufgetan hat ist eine für Lucasfilm grandiose Situation, in der man einige der populärsten Geschichten aus dem Bestand des Expanded Universe neu verkaufen kann. Nicht neu, im Sinne von Neuauflagen oder Remastered Editions von Spielen wie Jedi Knight. Sondern eben neu im Sinne von Kampfpiloten die auch undercover Einsätze als Agenten abschließen, Imperiale die Korruption innerhalb des Imperiums bekämpfen und dabei an das Gute in Palpatines Regime glauben. Man nehme also eine Brise Wraith Squadron oder Rogue Squadron und kombiniere das mit Mara Jade und den Sturmtruppen der Hand of Judgement – fertig ist Inferno Squad. Oder man nimmt jene Kurzgeschichte in der Rae Sloane nach der Explosion des zweiten Todessterns die Imperiale Flotte in den geordneten Rückzug schickt, etwas das in den Legends eine der Heldentaten des späteren Großadmirals Gilad Pellaeon gewesen ist. Und siehe da, auch Sloane wird später Großadmiralin und arbeitete für einen mysteriösen Flottenadmiral, der ein neues Imperium in den Unbekannten Regionen errichten wollte. Pellaeon nennt sich nun Sloane und Thrawn spielte keine Rolle, dafür aber die Neukreation Gallius Rax, der nur in der Aftermath-Trilogie in Erscheinung trat und auch starb. Als Antagonist liegt Rax meilenweit hinter Thrawn und genau wie Pellaeon im Expanded Universe wurde der Erfüllungsgehilfe zum heimlichen Helden oder eher zum gefeierten Anti-Helden. Während Sloane als Frau dargestellt wird die mit ihrem Job verheiratet war entpuppte sich Pellaeon als Offizier aus den Klonkriegen, den seine zahlreichen Affären am beruflichen Aufstieg hinderten, wobei er allerdings einige Kinder in die Welt gesetzt haben könnte, die später selbst erfolgreiche und loyale imperiale Offiziere wurden (wie Admiral Vitor Reige oder Captain Mynar Devis). Illegitime Söhne als Anführer des Imperiums? So einen gibt es auch in Gestalt von General Armitage Hux, dem Sohn von Kommandant Brendol Hux. Beide spielten eine Rolle in der Aftermath-Trilogie und Hux senior diente an der Seite von Großadmiralin Sloane als Gründungsmitglied des First Order Regimes. In Episode VII wirkt General Hux wie der militärische Anführer der First Order, vergleichbar mit Tarkin oder eben Admiral Reige und Großadmiral Pellaeon, die beide in den Legends zu militärischen Anführern des Rest-Imperiums wurden. Reige diente etwa als Admiral unter Staatschef (und künftigem Imperator) Jag Fel und Pellaeon selbst unterstand nominell der zivilen Regierung in Form des Rats der Moffs.

Schön und gut, dass man EU-Charaktere unter neuem Namen und mit leichten Veränderungen wiederverwertet. Doch nach drei Jahren haben diese oft noch sehr wenig etablierten Background und mal ehrlich, sympathisch sind viele dieser Figuren nun auch nicht wirklich. Gleiche Chancen für alle, doch es ist fraglich, ob der aktuelle Kanon 2051 noch bestehen wird. Man hat 37 Jahre Content weggeworfen, um neues vermutlich weit weniger haltbares Material nachzuschieben. Ich bin der #GiveUsLegends Bewegung gegenüber durchaus aufgeschlossen, die sich im Marvel-Stil wünscht, dass man unter dem Legends-Banner einfach neue Geschichten veröffentlichen soll, die mit dem neuen Film-Universum nichts am Hut haben. Ob sich das verkaufen würde ist allerdings eine andere Frage. Wie will man auch eine Sword of the Jedi-Reihe über Jaina Solo vermarkten, wenn diese nichts mit Rey oder Kylo Ren zu tun hat? Also bin ich dafür bestimmte Werke aus der Legends-Verbannung zu entlassen und in den Kanon aufzunehmen, den Darth Plagueis-Roman etwa. Oder man soll sich doch bitte auf Ereignisse aus den Legends beziehen und diese so kanonisieren, ohne das jeweilige Material vom Legends-Banner zu befreien. Alles ist besser als Chuck Wendig nach der Thrawn-Trilogie noch einen Klassiker ruinieren zu lassen. Vielleicht dürfte sich Wendig diesmal die Darth Bane-Trilogie oder die X-Wing-Romane vorknöpfen? Immerhin hat Wendig mit Gallius Rax ja schon einmal einen Charakter beschrieben, der sich aller potentiellen Rivalen entledigt hat, was auch ganz gut zu Darth Bane passen würde. Wendig ist in meinen Augen nicht ganz so schlecht wie sein Ruf, aber er hatte die undankbare Aufgabe Zahns Thrawn-Trilogie zu ersetzen und er hat sich so gar nicht demütig an diese Aufgabe herangewagt.

Ein Teil von Star Wars ist nun schlicht und ergreifend tot und nachfolgende Generationen kreieren aus den Relikten dieser Ära irgendwelche Geschichten die einfach nur falsch und schlecht ausgedacht wirken, wenn man ursprünglich dabei gewesen ist.

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Donnerstag, 7. September 2017
Phasma, Kylo Ren und Snoke: Neo-Imperiale ohne imperiale Vergangenheit


Keine Frage, die First Order sieht gut aus, was ja auch daran liegt, das man sich designmäßig bei Apple orientiert hat und quasi ein durchgestyltes Imperium für das 21. Jahrhundert haben wollte. Und visuell war das in Episode VII auch wirklich beeindrucked. Doch immer mehr stellt sich heraus, dass die angeblich in die Unbekannten Regionen geflüchteten Imperialen nun doch keine Imperialen sind.

Der erste Fall dieser Art war Kylo Ren. Kylo entpuppte sich als Ben Solo, der gefallene Jedi-Schüler, mit zwei Helden der Rebellion als Eltern. Wenn ihm Persönlichkeiten wie General Hux misstrauen, dann vielleicht auch wegen seiner Herkunft, an der auch Rens Vader-Verehrung nichts ändern kann. Bis auf Anakin ist Bens Stammbaum mit Rebellen gespickt, selbst seine Großmutter wäre eine solche geworden, hätte sie Episode III überlebt.

Supreme Leader Snoke wiederum ist vermutlich ein humanoider Alien und die imperialen Streitkräfte waren fast ausschließlich menschlich besetzt. Allein das Genie Thrawn konnte die gläserne Decke für Aliens durchbrechen. Wir wissen noch nicht wer Snoke ist, doch er soll kein Mensch sein und er wurde bisher auch nicht in der Literatur etabliert, sodass er wohl bestenfalls irgendwo als diskriminierter Außenseiter innerhalb des Imperiums lebte. Das die First Order einen Alien als Supreme Commander akzeptiert ist überraschend, zumal man sonst bisher noch keine Aliens in ihren Rängen finden konnte und auch die Literatur hat aus der FO bisher keine kanonische Hand von Thrawn gemacht. Snoke mag in den Köpfen mancher Fans wie Thrawn in den Legends erscheinen, doch Snokes Megasternenzerstörer und die übergroßen neuen Sternenzerstörer lassen die FO als größenwahnsinnige Erben des Imperiums erscheinen. Starkiller Base war ja auch so ein Beispiel – dritter Todesstern in Planetengröße, mit genug Feuerkraft um ein Sonnensystem zu vernichten. Bigger, better, Supreme Leader Snoke! Dieses irgendwie sehr amerikanisch angehauchte Imperium nervt nicht wenige Fans der Legends, in denen die Erben des Imperiums weit cleverer dargestellt wurden. Thrawn etwa, der hatte zahlemäßig nur Nachteile, konnte aber mit seinem strategischen Geschick Schlachten gewinnen, indem er seine 4:1 oder 2:1 überlegenen Gegner gekonnt ausmanövrierte. Und die Resistance ist keine Rebellion, sie hat weit weniger Ressourcen, da wirkt das Neo-Imperium als würde man auf totalen Overkill setzen. Fight harder, not smarter – dürfte die Snoke’sche Devise sein. Snoke löschte die Hauptstadt der Republik und die dort stationierte Flotte aus, aber was tat die FO daraufhin? Es gibt in Episode VII keinen Hinweis darauf, ob sich nun dutzende imperiale Schläferzellen erhoben oder ob die FO plötzlich auf breiter Front in die Neue Republik einmarschierte. Wie konnte Großadmiralin Rae Sloane je zustimmen, dass ihr Snoke die Führung der FO abnahm? Sloane, diese eingefleischte Imperiale, die als Charakter erstmals eine dunkelhäutige ältere Frau als Ober-Imperiale gewesen wäre. Nachdem sich Lucasfilm ja ohnehin Diversity auf die Fahnen geschrieben hatte, wäre sie in meinen Augen die Idealbesetzung als De facto-Imperatorin gewesen und ihr Großadmirals-Rang hätte an Thrawn und Daala angeknüpft. Stattdessen kramt man ein obskures Alien hervor und verpasst ihm Palpatine-artige Narben, womit man nicht bloß Fans der Legens vergraulte, sondern auch den Vorwurf begründete man hätte sich visuell und erzählerisch bei Prequels und Sequels bedient, also quasi nichts neues geliefert, sondern nur einen Aufguss der alten Geschichten geliefert.

Captain Phasma ist ein weiteres Beispiel dafür wie wenig imperial die Neo-Imperialen sind. Phasma wurde als Barbarenkriegerin geboren und mordete sich in den inneren Zirkel von General Brendol Hux, als dieser auf ihrem Heimatplaneten gestrandet war. Später opferte sie sogar noch den älteren Hux, womit sie sich nahtlos in den engeren Kreis von Brendols Alleinerben, General Armitage Hux, hocharbeiten konnte. Ich stimme Captain Cardinal aus dem Roman Phasma zu, dass sie es in Wahrheit nicht verdient hat auf den FO-Propaganda-Plakaten abgebildet zu sein. Phasma wie Ren und wohl auch Snoke sind Kreaturen die zu Verrätern an den überlebenden Imperialen werden könnten, um irgendwelche persönlichen Ziele zu erreichen und sei es nur ihr nacktes Überleben. Vor Phasma wirkte Captain Phasma wie eine geborene Imperiale, die sich deshalb in einer verchromten Rüstung zeigte, weil sie so imperial ist, dass sie Teile von Palpatines alter Naboo-Yacht einschmelzen ließ. Die Phasma aus der Episode VII-Promotion ist nicht die Phasma die laut dem ihr gewidmeten Roman unter der Rüstung steckt.

Verglichen mit den Legends nach Endor ist die kanonische Sequel-Ära in meinen Augen bisher sehr enttäuschend. Aftermath ist der lachhafteste Ersatz für die Thrawn-Trilogie. Bloodline ist zwar besser als das meiste, was in den 90ern über Leias politische Karriere geschrieben wurde, doch so ganz kann der Roman auch nicht überzeugen. Die Comicreihe Poe Dameron ist der bisher beste Ansatz, doch sie ist auch kein Ersatz für die X-Wing-Romane und Comics, wenngleich sie sicherlich einen guten Job leistet. Poe Dameron erzählt wirklich neue Geschichten und Poe ist de facto die Reinkarnation von Wedge Antilles und den legendären Mitgliedern der Rogue Squadron. #ProPoe

Die Klonkriege dauerten nur drei Jahre, der Untergang des Imperiums dauerte lediglich ein Jahr. Kanonisch sind die Zeiträume immer kürzer als alles was den Autoren der Legends eingefallen ist, wobei es so wirkt als hätten sich diese mehr Gedanken gemacht als die Lucasfilm Story Group oder George Lucas selbst, als er Episode III so dicht auf Episode II folgen ließ. In den Legends dauerte der Kampf gegen das Imperium fast 15 Jahre (5 bis Thrawn, 6 bis Palpatines Rückkehr, 7 bis Daalas Wiedervereinigung der imperialen Fraktionen und 15 bis zum Friedensvertrag mit dem Rest-Imperium), ehe es zu einem wirklichen Ende des Kriegs kam. Und etwa 100 Jahre später gelang es den Nachfahren der Imperialen ein neues Imperium zum Sieg über die Republik zu führen, was zur Herrschaft der Fel-Dynastie führte. Ein Jahr Krieg gegen das zerfallende Imperium entspricht aber dem Trend, der uns auch schon Megasternenzerstörer, Starkiller Base und die Sternenzerstörer der Resurgence-Klasse eingebrockt hat. Neben größeren und längeren Kriegsschiffen haben wir es also auch mit noch kürzeren Konflikten zu tun. Imo ist die verkürzte Nachkriegszeit deshalb auch unklug, weil man in ihr ja auch einige Ablegerfilme und sogar Trilogien anzusiedeln vermocht hätte. Diese Option fällt nun weg, denn nach Jakku gibt es ca. 25 Jahre Frieden. Also ein Film über Han Solo wie er seine eigene Speeder-Mannschaft trainiert? Episode I Podracer trifft Rush: Alles für den Sieg? Man könnte ja so argumentieren und Episode I Podracer war mal ein nicht ganz unpopuläres Spiel. Selbst die Option für einen Jedi Academy-Film oder ein neues Jedi Academy für verschiedene Gaming Plattformen ist nun womöglich ausgeschlossen. Irre wenn man bedenkt, dass Disney Star Wars explizit wegen des wertvollen Merchandising-Geschäfts kaufte.

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Faszination Thrawn: Seine Einführung in Heir to the Empire
Warum fasziniert Thrawn immer noch derart viele Star Wars-Fans? Nachdem die Lore um Thrawn jahrelang stark erweitert wurde lohnt es sich doch einmal zurück zu blicken, ganz auf den Anfang, seinen ersten Auftritt im Star Wars Universum.

Thrawn ist am Beginn von Heir to the Empire kein wirklicher Bösewicht. Gerade sein Überfall auf Obroa-skai symbolisiert Thrawns Andersartigkeit. Er hält seinen Sternenzerstörer bewusst zurück und greift anstatt auf eine Strategie der verbrannten Erde auf einen chirurgischen Präzisionsangriff zurück. Thrawn kommandiert in der Schlacht von Obroa-skai auch nur einen einzigen Sternenzerstörer, obwohl er von vier Fregatten der Neuen Republik angegriffen wird. Selbst die Feuerkraft eines Imperialen Sternenzerstörers könnte nicht ausreichen diese Frontstellung zu überwinden. Captain Pellaeon wollte deshalb auch den Rückzug beordern, denn eine schwer angeschlagene und vielleicht sogar manövrierunfähige Chimaera wäre das zu erwartende Resultat gewesen. Doch Thrawn? Der erkennt, dass es sich beim feindlichen Kommandeur um einen Elomin handelt. Und diese Spezies denkt und agiert auf eine ganz bestimmte Weise, was er sich zu Nutze macht. Thrawn schlägt die Task Force mit einer Strategie, die das Vorstellungsvermögen seines Gegners überfordert und zu Fehlern verleitet. Nicht durch eine Superwaffe, Ressourcenverschwendung oder eine zahlenmäßige Übermacht wie andere typischere bad guys.

In Heir to the Empire handelt Thrawn zunächst sehr mysteriös. Er verfolgt einen Masterplan und er lässt auch Captain Pellaon zunächst im Dunkeln tappen. Wäre da nicht Thrawns stranger Alien-Leibwächter Rukh, dessen Spezies dem Imperium als Killerkommandos dient, man würde Thrawn vielleicht sogar noch weniger als Bösewicht erkennen. Thrawn steuert nach Myrkr und dann nach Wayland. Die Ysalamiri erweisen sich schließlich als Thrawns Superwaffe gegen den dunklen Jedi Joruus C’baoth. Thrawn marschiert auch nicht mit einer Legion Sturmtruppen auf Wayland oder Myrkr ein, sondern bedient sich weit kleinerer Einheiten. Auf Wayland landet er sogar persönlich, mit Pellaeon an seiner Seite. Und Thrawn bezwingt den wahnsinnigen Jedi-Meister C’baoth indem er dessen Machtkräfte mit Hilfe seines Ysalamiri-Schilds außer Kraft setzt.

Wie sich herausstellt ist Thrawns Imperium fast geschlagen. Die besten Offiziere sind tot und Heir to the Empire offenbart, dass viele der jungen und nicht unbedingt ideal ausgebildeten Rekruten sogar zum Militärdienst eingezogen wurden. Die Imperiale Flotte ist kein Freiwilligenverband, man muss schon auf die Jungen und ganz Jungen zurückgreifen, um offene Stellen zu besetzen. Da merkt man wohl, dass sich Timothy Zahn seine Inspiration beim Deutschen Reich des Jahres 1945 geholt hat. Und genau deshalb ist Thrawn auch Großadmiral, genau wie Karl Dönitz, das letzte Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs. Zahn wollte Thrawn wohl als einen Wundermacher darstellen, der ein bereits fast geschlagenes Staatengebilde mit Jungrekruten wieder aufrichten konnte. Thrawns Leuten mangelt es an allem und das wird einem vielleicht bereits klar, wenn man bedenkt, dass er nur einen einzigen Sternenzerstörer kommandiert. Den Imperialen fehlen Truppen, vor allem qualifizierte. Und Schiffe. Heir to the Empire beginnt mit den Imperialen in der Rolle der Underdogs und das macht Thrawn zu einem ganz besonderen Bösewicht, denn er muss erst zur Bedrohung aufsteigen. Auch später ist Thrawns größter Machtfaktor seine strategische Brillanz. Er kann die zahlenmäßig überlegene Republik mittels innovativer und kostengünstiger Strategien auf Abstand halten. So hält er etwa Coruscant mit nur einigen getarnten Asteroiden in Schach, wofür er sonst eine gewaltige Belagerungsstreitmacht brauchen würde.

Thrawns Waffe ist sein Intellekt, er ist klüger als alle Helden und während diese noch nicht einmal seinen Namen wissen arbeitet er bereits daran sie zu stürzen.

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Mittwoch, 6. September 2017
Journey to Thrawn


Seit Thrawns Auftritt in Star Wars Rebels und der Ankündigung des Thrawn-Romans von Timothy Zahn ist der legendäre Großadmiral wieder in aller Munde. Auch wenn ich Rebels nur beiläufig verfolge (Amazon Prime bietet die Animationsserien nur mit deutscher Synchro an und maxdome komprimiert sie derart stark, dass ca. 1 Minute Laufzeit fehlt und manche Sprecher klingen als hätte man ihnen Helium zugeführt) und dabei meistens auf Youtube zurückgreife, Thrawns Rückkehr aus dem Reich der Legends hat mich stark bewegt. Da ich dazu neige Star Wars-Romane nicht nur einmal zu lesen will ich das auch irgendwann mit Thrawn tun. Doch seit ich den Roman gelesen haben versuche ich auch die Legends-Werke über Thrawn durchzuackern. Ich bin allerdings ein Hardcover-Fan, sodass mir da gewisse Grenzen gesetzt sind, da die meisten Romane nur noch als Taschenbücher verfügbar sind. Ich habe sie zwar, aber ich bin kein Fan des amerikanischen Taschenbuchformats und ich lese sie ja bevorzugt ohne Übersetzung. Also greife ich auch sehr häufig auf Audible zurück, was den Vorteil hat, dass man so auch erfahren kann wie manche der Namen wirklich ausgesprochen werden. Nur lässt sich via Audible auch nicht jedes Hörbuch beziehen, wie etwa Survivor’s Quest. Bei älteren Werken verstehe ich das zwar, aber aus welchem Grund audible.de keine Hörbücher zu THRAWN, Bloodline oder Aftermath 2-3 verkaufen kann ist mir schleierhaft. Geben soll es sie zwar, aber eben nicht auf audible, was höchst seltsam ist, wenn man bedenkt, dass Amazon sonst alles zu bieten hat.

Bisher habe ich es weit gebracht, auch wenn der Sommer nun definitiv vorbei ist und ich meine Wiederholung der Thrawn-Werke zu einem Sommerprojekt erklärt hatte. Survivor’s Quest musste ich notgedrungen als Taschenbuch lesen und Choices of One war nicht als Hörbuch erhältlich, doch

Outbound Flight
Allegiance
Specter of the Past
Vision of the Future

konnte ich erfolgreich abschließen, womit mir nur die legendäre Thrawn-Trilogie selbst übrig bleibt, ehe ich mich meinem Thrawn-Hardcover widmen darf. Nebenbei liefen mir allerdings noch andere Romane über den Weg, etwa Karen Traviss No Prisoners, Inferno Squad und zuletzt auch Phasma. Mit dem Erscheinen von Leia: Princess of Alderaan könnte sich das gesamte Projekt noch etwas verschieben, aber ich bleibe lieber mal am Ball.

Einer der Gründe warum ich mir derart viel Zeit gebe Thrawn noch einmal zu lesen liegt an der Natur des Buchs. Es soll Thrawn in den neuen Kanon bringen, wobei es dessen Hintergrundgeschichte jedoch nicht pauschal für kanonisch erklären darf. Das schürt immer noch viel Ärger in der Community und es sorgt dafür, dass sich der Roman notwendigerweise auch mit Outbound Flight widerspricht. Dort rekrutierte Doriana Kinman bereits Thrawn, während Thrawn in Thrawn Palpatine als Fremder gegenübertritt und nur auf eine in Legends wie Kanon unbekannte gemeinsame Mission mit General Skywalker verweisen kann. Der kanonische Thrawn ist auch interessant, aber er ist eben nicht mehr das Original, fast so als wäre er der Klon der in der Hand von Thrawn-Duologie „vermutlich“ gestorben ist. Vermutlich, weil Luke und Mara am Ende von Survivor’s Quest ja spekulieren, dass die Ereignisse dieses Romans von einem Genie wie Thrawn angezettelt worden sein könnten. In den Legends bestand ja die Möglichkeit, dass Thrawns abtrünnige Household Phalanx/das Empire of the Hand sich als Haus Nuruodo durchgesetzt und dabei Haus Mitth gestürzt haben könnte. Baron Fel selbst wurde so etwa ein Assistant Syndic und stieg so in den Chiss-Adel auf. Mehr dazu dürfte sich in den New Jedi Order- und Dark Nest-Romanen nachlesen lassen, von denen es allerdings nur gekürzte Hörbücher geben dürfte.

Im Vordergrund steht für mich jetzt erst einmal THRAWN und dann habe ich natürlich die gesamte NJO als E-Books. Ich scheue meinen Kindle fast so stark wie amerikanische Taschenbücher, aber er ist mir durchaus sympathisch, zumindest in seinem bisher eher schadenlosen Zustand. Eines meiner Ärgernisse über Taschenbücher ist auch wie schnell diese abgegriffen wirken, man merkt ihnen regelrecht an, dass sie nicht für die Ewigkeit gedruckt wurden und dazu kommt dann auch der Druck, der mich immer wieder an alte Groschenromane oder Zeitungen auf Billigpapier (mit denen ich beruflich einiges zu tun hatte) erinnert. Deutsche Taschenbücher setzen weit stärker auf hochwertiges Papier und ein ansehnlicheres Schriftbild. Mit der Ausnahme von Hardcovern. Ein Grund warum ich diese so schätze ist auch, dass sie immer noch versuchen etwas von der alten Drucker-Tradition zu bewahren, indem sie etwa schicke Zierleisten, Kapitel-Zwischenseiten und sogar das eine oder andere Bild in Verbindung mit der Titelseite vorweisen können. Wer einmal sehr alte und aufwendig kolorierte Wälzer in der Hand hatte spürt da eine ganz besondere Verbindung. Wenn man in seiner Entwicklung als Leser an dem Punkt angelangt ist, an dem man das Bedürfnis verspürt Bücher wieder zu lesen (eine Abkehr von Prinzip der Wegwerfgesellschaft, in der man Bücher nur einmal liest und dann entweder zurückgibt, verschenkt oder verstauben lässt), dann ändert sich vieles. Wobei diese Wandlung für mich nichts völlig neues, denn ich hatte seinerzeit schon eine illustrierte Sonderausgabe von Dan Browns Sakrileg, quasi meine erste Spezialausgabe. Cineasten und Zocker können diese Begeisterung vielleicht durch etwas aus ihrem Genre verstehen, Steelcase Editions, Special Editions und Remastered Editions. Die Thrawn-Trilogie hätte es fast zu einer HD Edition mit Autorenkommentaren geschafft, wenn sich das erste Werk dieser Art (eine Special Edition zum 20. Geburtstag von Heir to the Empire) besser verkauft hätte. Und wie es das Schicksal so will, es gibt 2017 eine Art Special Edition der Han Solo-Trilogie, welche gesammelt alle drei Bände als Hardcover neu auflegt, allerdings nur für den US-Markt und nicht via Amazon. Sollte man sich als Leser irgendwann mit derartigen Editionsfragen beschäftigen, kann man auch Cineasten besser verstehen, die bestimmte Filme via Import beziehen müssen, weil ihnen auf dem deutschen Markt Grenzen gesetzt sind. Manchmal muss man als Sammler jedoch nehmen was man kriegen kann, in meinem Fall die Kindle Ebooks der NJO-Reihe. Nur einige Bände wurden als Hardcover veröffentlicht und sind mittlerweile vergriffen. Der Rest liegt nur im mir verhassten US-Taschenbuch-Format vor.

Im Herzen bin ich Star Wars Connaisseur, aber ich musste lernen meine Grenzen hinsichtlich Lagerung und Beschaffung anzuerkennen. Mein Griff zu modernen Medien liegt nicht nur an deren günstigen Preis, sondern auch weil ich als Sammler irgendwann lernen musste, wie schwer es wird hunderte Comics oder Romane zu lagern, wovon man einige vielleicht sogar nie wieder lesen wird, weil sie doch grottenschlecht oder völlig belanglos sind. Es gibt nun im neuen Kanon auch bereits einige Hardcover bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie es wert sind. Manche Geschichten brauchen Zeit sich zu entfalten und sich als wichtiger Bestandteil eines Universums zu etablieren. Wenn sie das tun ist das gut, denn es bestätigt den Wert des neuen Kanons. Wenn sie es nicht schaffen stehen sie da wie nur zu viele Werke des abgewürgten Expanded Universe, denn dort gab es viele lose Fäden und lose in den Raum geworfenen Geschichten. Manches war Jeff Grubbs SCOURGE war wirklich wenig mehr als eine Art von legitimierter Fan Fiction, die so gut wie gar nichts zur Saga beitrug. Was zur Saga beitrug waren Werke auf die sich andere Autoren beziehen konnten. Charaktere und Ereignisse, die von Belang waren, weil sie als Anknüpfungspunkte genutzt wurden. Das erhoffe ich mir vom neuen Kanon, doch ich sehe auch die Gefahr die lose Geschichten mit sich bringen können. Zumindest starteten die Standalone-Filme mit Rogue One sehr vielversprechend, was die in-universe Querverbindungen betrifft.

Womit wir wieder einigermaßen beim ursprünglichen Thema wären, ich will THRAWN auch deshalb noch einmal lesen, weil der Roman eben zum neuen Kanon gehört. Inwieweit steckt da noch die DNA aus den Legends drin? Ist das noch der gute alte Thrawn oder ein völlig neuer, bei dem mit neuer Rezeptur ein bitterer Nachgeschmack für Fans des Originals entsteht? Der Rechercheaufwand einer Lektüre sämtlicher Legends-Werke über und mit Thrawn ist da nicht wenig, aber er erscheint mir gerechtfertigt, auch wenn die meisten THRAWN-Rezensionen schon bei Veröffentlichung lässig aus der Hüfte geschossen wurden. Bevor ich mich dann der NJO-Lektüre widme ist mein Ziel also wohl eine ausführliche und für manche Gemüter sicher höchst ärgerliche „Buchbesprechung“ über ein Buch das schon vor Monaten erschienen ist und Themen berührt, über die sich das Fandom innerlich zerfleischen kann.

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