Welcher Exploit?
Es gibt Tage, an denen sorgen SWTOR News auch für Unruhe der besonderen Art. So eben auch gestern, als CM Eric Musco einen jüngst aufgeblühten Exploit-Thread wieder schloss und Bestrafungsmaßnahmen in der kommenden Woche für alle Nutzer verkündete. Nur wurde eben auch mit keinem Wort erwähnt, welcher Exploit das sein soll. Auf reddit wurde das Rätsel nun geklärt, es scheint einen Exploit in der Wüter Operation zu geben und ich kann wieder beruhigt schlafen.

Kavaliersdelikt oder Kapitalverbrechen?

Exploits sind ein Problem und doch verlaufen die Grenzen bei diesem Thema manchmal fließend. Jeder Glitch kann einem theoretisch als Exploit angelastet werden, jeder epische Erfolg aufgrund von Serverlag könnte belastendes Datenmaterial erzeugen, dass einen in eine Reihe mit Speedhackern stellt. Sich manche Eigenheiten der Mechanik zum eigenen Vorteil nutzbar zu machen ist in Zocker-Kreisen allerdings auch ganz legitim und definiert den Skill, den man sich durch entdecken, austesten und üben erarbeiten musste.

Exploiten bedeutet im Grunde auch nur etwas auszunutzen und auszubeuten, die Kontonation ist klar negativ. Doch eine günstige Situation zu erkennen und auszunutzen bestimmt eben auch oft das Können einer Person. Manchmal können Entwickler mit radikalen Bannmaßnahmen aber eben auch über die Stränge schlagen und ein Klima der Furcht erzeugen, indem sogar loyale und engagierte Spieler ausgeschlossen werden. In meiner Laufbahn als Gamer fürchte ich solche Momente, in denen der Login mit einem hinterlistigen "Verbindungsfehler" oder "Ihr Account wurde gesperrt" endet. Temporäre Bans sind ein gutes Mittel Täter zur Einsicht ihrer Fehler anzuhalten und als Fans zu erhalten, aus permanenten lernt man jedoch gar nichts und muss wohl notgedrungen mit neuem Account und Usernamen anfangen.

Das Problem mit meiner Exploit-Erfahrung ist, dass man es manchmal eben gar nicht bemerkt, keine Möglichkeit hat sein Tun zu sühnen und von Wochen zurückliegenden Vergehen eingeholt werden kann. Glitches passieren und dass man sie nutzt lässt sich für semitalentierte Core Gamer wie mich kaum vermeiden. Theoretisch ist jede Möglichkeit eine Spielmechanik zu umgehen ein Exploit und ob man dafür bestraft wird hängt ganz von der Einschätzung der schwere des Delikts seitens der Entwickler ab. Natürlich kann jeder Shitstorm dazu führen, dass Strafmaßnahmen eingeführt werden und die dafür nötige Empörung und Aufregung kann auch mit großen Mengen weinerlicher und neidischer Spieler erreicht werden. Trash skippen, Bossmechaniken außer Kraft setzen - für die einen ein Bug, für die anderen ein Exploit und daher bestrafungswürdig.

Strafmaßnahmen

Die Kernaufgabe der Entwickler ist es eigentlich Lücken zu schließen und zu vermeiden, dass es zu missbräuchlichen Verwendungen von Spielmechaniken kommen kann. Die Ohmacht der Entwickler einen Glitch jedoch innerhalb einer Woche oder außerhalb der in Stein gemeißelten Patch Termine zu beseitigen kann zu Kompensationsversuchen via Bans führen. Bioware übte sich in den letzten Jahren diesbezüglich noch in diskreter Zurückhaltung, aber Managementwechsel, neue studio- und konzerninterne Reglungen oder eben eine temporäre Überempfindlichkeit könnten das jederzeit wieder ändern. Wer Denunziantentum Tür und Tor öffnet oder mit modernen Worten "institutionalisierte Feedbackkreisläufe etabliert" darf sich nicht wundern, wenn Teile der Community die Jagd auf alles vermeintlich unfaire eröffnen. Doch jeden anonymen Exploit-Vorwurf oder Glitch-Hinweis zu prüfen und zu beseitigen ist doch etwas zu aufwendig, selbst das dichteste Netz hätte Lücken.

Wenn man Spieler schon bannen muss, dann neige ich bei meiner Empfehlung zu eher kurzen Bannfristen zwischen 6h und 24h. Schon ein 6h Bann bedeutet für gewöhnlich, dass man einen ganzen Abend lang nicht einloggen kann, damit geht berufstätigen Spielern zugleich der ganze Tag verloren. Wer außerdem vorwiegend an Raidtagen einloggt fällt plötzlich auch für die Operation aus. Sinnvoll als Erziehungsmaßnahme wäre es natürlich einen Hinweis auf den Banngrund zu geben, was meiner Erfahrung nach praktisch nie geschieht. Man muss sich meistens schon selbst zusammenreimen warum man wahrscheinlich gebannt wurde.

Die Schwere des Vergehens

Wiederholungstäter die denselben Exploit immer und immer wieder nutzen sollte man sich genau ansehen, vor allem weil sie ja offenlegen, dass eine Lücke innerhalb der Spielmechanik fortbesteht. Man sollte allerdings zwischen zwei Gruppen unterscheiden, den talentierten Beta-Testern und den wirklichen Cheatern. Der talentierte Beta-Tester ist eben jemand der ein Gespür für Glitches und Bugs besitzt und diese immer und immer wieder aufstöbert. Der eher klassische Cheater will betrügen und sich einen Vorteil verschaffen, allerdings ohne die Voraussetzungen dafür mitzubringen. Speedhacks, Trainer, Aimbots – kurzum third party applications sind das Werkzeug eines Cheaters, dem gegenüber sich der verhinderte Beta-Tester seinen Skill mühsam aneignen musste. Wer wiederholt auf Hilfe von außen zurückgreift sollte auch mit den schärfsten Konsequenzen zu rechnen haben, denn auch zwischen Betrug und sich nur betrogen fühlen existiert doch ein Unterschied.

Dataminer bewegen sich als Nutzer anderer third party applications hier in einem Graubereich. Sie verschaffen sich ja eigentlich keinen handfesten Vorteil, können aber effizienter manche Dinge austesten, die der Bug-Finder nur schwer beweisen kann. Wie bei Exploits ist es allerdings auch hier schwer eine klare Grenze zwischen lobenswerten und verwerflichen Verhaltensweisen zu ziehen. Seine Kenntnisse mit großen Personenkreisen zu teilen kann ebenso ein Problem sein wie es nur einer verschworenen Gruppe mitzuteilen. Nehmen wir das Beispiel Hybridspecs zur Hand. Je größer die Gruppe der in den FotM-Hybridspec eingeweihte wurde, desto größer wurde das Problem, das man als „ehrlicher“ Tank, DD oder Heiler benachteiligt war. Hätte man die Kenntnis dieses op Specs allerdings im kleinen Kreis behalten wäre das Problem deutlich kleiner gewesen, hätte aber langfristig das Misstrauen und die Vorwürfe der Gegner geweckt: „Cheater!“ Biowares offizielle Doktrin ist einfach, wer etwas gefunden hat, das ihm oder ihr einen Vorteil verschafft sollte es für sich behalten, dafür wird wohl auch von Bans Abstand genommen. Wird man jedoch geoutet behält sich Bioware das Recht vor abzustrafen.

Selbst Kisten-Camper bewegen sich einer ausgedehnten Grauzone, mit Credits kann man sich nicht bloß irgendwelche Ingame-Waren kaufen, sondern auch Items aus dem Kartellmarkt für die irgendjemand auch einige Dollar oder Euro bezahlt hat. Natürlich könnte man jetzt argumentieren „ ist doch gut wenn mehr Kartellmarkt-Zeugs im AH verkauft wird“, aber mehr Credits in Umlauf zu bringen treibt auch die Inflation an, obwohl der gewöhnliche Spieler nichts von diesem gestiegenen Einkommen sieht, weil nur die Superfarmer plötzlich 500k oder mehr in der Stunde erreichen. 1 wird reich, 99 andere tragen die Konsequenzen. Zugleich ruft jede Möglichkeit eine Währung zu erfarmen auch dubiose „Profis“ auf den Plan. Farmbots & Co. überschwemmen auch so schon gerne mal den Flottenchat, sie zu fördern ist eher nicht so sinnvoll. Bisher wurden Kisten-Farmer jedoch noch nie gebannt und das ist auch gut so, denn eine prall gefüllte Schatzkiste mit 10-20k stehen zu lassen fällt mir schwer und plötzlich wäre ja fast jeder schuldig schon einmal eine solche Kiste angeklickt und geöffnet zu haben. Für Bioware sind Kisten oder Lootglitches tendentiell einfach zu fixen, da hier einfach nur Spawnzeiten und Zahlen verändert werden müssten. Natürlich trifft hier auch der Fall zu, dass je mehr Leute davon wissen, desto weniger hat der Einzelne davon. Wenn 8 Kisten von 8 Leuten belagert werden, dann bekommt jeder auch nur noch sein Achtel der Gesamtbeute ab. Wenn wie im Sommer 2014 also Spieler ihre Farmrouten im Flottenchat zum Verkauf anbieten, dann ist das bereits ein Versuch zur Abzocke. Je mehr Leuten dieselbe Route verkauft wird, desto geringer fallen die Anteile an einer Farm-Route über Makeb mit 360k pro Stunde aus. Mal kommt man zu spät, mal läuft man gleich zwei anderen über den Weg, der einzige der hier wirklich profitiert ist der Verkäufer dieser Information.

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