Lore-Spotlight: Freedon Nadd

Star-Schüler Matta Tremaynes, Erbe Naga Sadows, Herrscher über Onderon, Sith-Lord - die vielen Gesichter des Freedon Nadd

Freedon Nadd

In der Geschichte der Sith-Lords gibt es wohl kaum einen der in Hinsicht auf seine persönlichen Ambitionen derart bescheiden geblieben ist wie Freedon Nadd. Zeit seines Lebens reichten die Ambitionen des ehemaligen Jedi-Schülers nicht über dessen Königreich auf Onderon hinaus. Die weite Galaxis schien auf den Sith-Lord keinen Reiz auszuüben oder war es auch Nadds Bedürfnis nach Selbstbestrafung, die ihn dazu zwang sich ein Exil zu schaffen?

Dabei begann Freedon Nadds Karriere mit vielen Parallelen zu späteren Ex-Jedi die den Mantel des Sith-Lords anlegten. Wie Exar Kun galt auch der junge Freedon Nadd als einer der größten Jedi-Ritter der kommenden Generation. Nur wurde Nadd beim Ritterschlag übergangen. Der Hoffnungsträger hätte seine Fähigkeit zur Einsicht und Selbsterkenntnis beweisen müssen, doch stattdessen rebellierte er gegen die Zurückweisung durch seine Meister. Nadd war zur Ansicht gelangt, der Ritter-Rang würde ihm aufgrund seiner Talente schlichtweg zustehen, was ihm fehlte war die innere Reife und wohl auch Ruhe.

Rat suchend wandte er sich daher an seine Meisterin Matta Tremayne, die damalige Schwertmeisterin des Jedi-Ordens. Tremayne wieß Nadd darauf hin, die Antwort darauf, warum er übergangen worden in sich selbst finden zu müssen. Nadd bedrängt sie, doch blitzte zunächst ab. Daraufhin erklärte sich Nadd selbst zum vollwertigen Jedi-Ritter, wurde jedoch von seiner Meisterin aufgefordert ihr dies zu beweisen. Es kam zum Kampf und Nadd streckte seine Mentorin nieder.

Der Star der Jedi-Akademie auf Ossus war gefallen. Zwar hatte Nadd wohl richtig erkannt, dass er aus sich heraus erkennen musste, dass er bereits ein Jedi-Ritter war, doch der Zorn hatte ihn dennoch vom Weg abgebracht. Ein interessanter Fakt ist auch, dass Freedon Nadd als einer vielversprechendsten angehenden Jedi-Meister galt, besaß er doch ein tiefgreifendes Verständnis der Macht, in die er sich wie kaum ein anderer zu vertiefen verstand. Nadd war wohl durchaus ein Anhänger der Lebendigen Macht, ließ also seine Handlungen über alle Maße von der Macht leiten. Zwar war er damit kein Meister der Macht-Techniken, sehr wohl aber ein williges Werkzeug der Macht. Und die Macht hatte wohl auch seinen Weg auf die dunkle Seite entschieden.

Voller Zorn und auch Enttäuschung flüchtete Freedon Nadd nach dem Mord an seiner Meisterin von Ossus. Es trieb ihn in das Herzland des ehemaligen Sith-Reiches, wo er in den Bann alter Sith-Relikte geriet. Welche Motive Nadd auch immer nach Welten wie Korriban oder Ziost getrieben haben mag, sei es nun sein Verlangen nach Rache oder größerer Macht, er wurde dort nicht fündig.

Stattdessen wurde Nadd reich und durch sein Verständnis der dunklen Seite auch immer mächtiger. Eine Lebensgeschichte die ihn schon fast dafür prädestiniert hätte in irgendeiner Form sein eigenes Videospiel gewidmet zu bekommen. Ein KotOR im Skyrim-Stil, das einem die Möglichkeit einräumt entweder Wächter eines Planeten oder dessen Herrscher zu werden.

Nadds Schicksal wendete sich abermals als der Abenteurer auf Yavin 4 stieß. Der damals noch von den Masssassi, mutierten Abkömmlingen der Sith, bevölkerte Planet wieß gigantische Tempelanlagen auf, die Nadd an sehr ähnliche Bauten im ehemaligen Sith-Territorium erinnerten. Eine nähere Untersuchung führte Nadd in die Katakomben der Tempelanlage, wo ihm die Gestalt Naga Sadows erschien. Ob Sadow als Angehöriger der an sich ja sehr langlebigen Sith-Spezies nun in Fleisch und Blut gegenübertrat oder als Macht-Geist ist ungeklärt. Selbst wenn Sadow derart lange auch körperlich überlebt haben dürfte ist es wahrscheinlich, dass seine Gestalt durchaus bereits degeneriert war und Sadow mumienhafte Züge aufwies.

In Nadd sah Sadow jedenfalls einen geeigneten Kandidaten für seine Nachfolge und unterwies den gefallenen Jedi in den Künsten der Sith-Alchemie. Sadows Unterweisung Nadds wirft allerdings die Frage auf, warum der ehemalige dunkle Lord überhaupt soweit gegangen war, hätte doch die Möglichkeit bestanden eventuell einfach den Körper des Ankömmlings in Besitz zu nehmen. Doch Nadds durchaus gereifte Machtfähigkeiten und sein Einklang mit der Macht könnten das verhindert haben. Es bleibt die Frage warum Sadow doch soweit ging Nadd einzuweihen. Es ist möglich, dass der gealterte Naga Sadow in Freedon Nadd bereits ein Werkzeug sah, sich an der Galaxis zu rächen. Doch Sadow wurde enttäuscht. Nadd ermordete ihn und setzte sich nach Onderon ab.

Anstatt wie von Naga Sadow vielleicht erhofft eine galaktische Eroberungskampagne in Angriff zu nehmen, gab sich Freedon Nadd ganz bescheiden mit einem Planeten zufrieden.

Der Sith-Lord Freedon Nadd stürzte das herrschende Königshaus und gründete seine eigene Dynastie, was für Sith durchaus ungewöhnlich scheinen mag. Doch Leidenschaft und der Wille zur Macht ebneten ihm wohl auch den Weg zu leiblicher Nachkommenschaft. Nur verlangte es Nadd nie nach mehr.

Der ehemalige Jedi-Ritter, der so eins mit der Macht zu sein schien war wohl doch ein Gefangener der lebendigen Macht geworden. Er schuf sich zwar seinen eigenen Kult, herrschte als Despot und band seinen Geist an seinen Körper, sodass er auch nach seinem Tod noch als geisterhafte Erscheinung Einfluss auf seine Nachkommen nehmen konnte, doch er unternahm nichts weiter. Nadd starb und sein Geist wartete scheinbar darauf, eines Tages eine wichtigere Aufgabe zu erfüllen. Nadd handelte wohl auch hier gemäß des Willens der Macht. Eine Macht die scheinbar auch dafür verantwortlich ist, 400 Jahre später zu einem Aufwiegen der dunklen Seite beigetragen zu haben.

Es ist irritierend wie Nadd wohl seine eigenen Ambitionen im Zaum zu halten vermochte und auf seltsame Weise doch als Instrument der Macht agierte, die 400 Jahre nach seinem Tod womöglich die Balance wiederherzustellen versuchte, indem sie die Sith zurückkehren ließ. Zu welchem Zweck? Man könnte mutmaßen, damit eine ganze Menge an Sith-Relikten, die bis dahin herumlagen und von Kulten wie den Krath genutzt wurden, doch zerstört oder unter Verschluss gebracht wurden.



Was von Nadd blieb ist sein Geist. Kein Machtgeist im Sinne des Jedi-Ordens sondern eine Art Schlossgespenst, eine dämonische Präsenz, die auch körperliche Gestalt anzunehmen und Besitz von willigen Dienern ergreifen konnte.

Für Jahrhunderte führte Nadds Geist die Naddisten-Bewegung an. Doch sein größter Moment sollte am Ende seines spirituellen Lebens erfolgen. Die Naddisten-Krise hatte sowohl das Interesse Exar Kuns als auch der Krath geweckt. Beide Gruppen eilten nach Onderon, um vom kurz vor seiner Niederlage stehenden Geist Nadds noch Instruktionen zu erhalten. Diese entscheidenden Momente waren wohl der große Sinn im (Nach-)Leben des Freedon Nadd gewesen. Ein Werkzeug der Macht.

Ohne Nadd wären die Krath wohl nie zur Macht gelangt und die Ereignisse des Sith-Krieges wären anders verlaufen. Ulic Qel-Droma wäre nie in die Fänge der Krath gelangt, hätte sich nicht mit Exar Kun verbündet und keine Allianz mit den Mandalorianern beschlossen. Und wenn der Eroberungswille der Mandalorianer unangetastet geblieben wäre hätte es auch keine Mandalorianischen Kriege und damit den Aufstieg Revans gegeben.

Es ließe sich sogar argumentieren, dass es deshalb auch umso leichter für den Sith-Imperator gewesen wäre die Republik zu bezwingen. Immerhin gelten Revans Maßnahmen als Sith-Lord als einer der Gründe, warum die Republik dem Imperium Jahrhunderte später nicht völlig unvorbereitet gegenübertrat.

Zugleich hätte es auch sein können, dass der Imperator und Revan auch schon früher aufeinander getroffen wären, hätte es anstatt der Mandalorianischen Kriege gleich eine imperiale Invasion gegeben. Der junge Revan hätte diesen Kampf dann wohl verloren und die Republik wäre gefallen. Immerhin scheiterte Revan auch in seiner ersten Begegnung mit dem Imperator daran sich dessen Willen zu widersetzen.

Selbst dann wäre es vielleicht noch möglich gewesen Revan einen Rest seiner Persönlichkeit bewahren zu lassen, doch der Vorkriegs-Revan war nicht der Nachkriegs-Revan, der als gefeierter Kriegsheld auszog und an den Imperator verloren ging, um Darth Revan zu werden.

Nadds Erbe spielte auch in KotOR II noch eine Rolle, wo sich um dessen neue Grabstätte auf dem Mond Dxun eine neue Kultistengruppe zu versammeln drohte. Nadds Geist mag gebannt sein, doch seine Relikte hinterlassen immer noch eine intensive Aura der dunklen Seite.

Zugleich ist die politische Lage auf Onderon nachwievor labil. Und das wird sie bis in die Klonkriege wohl auch bleiben. Konflikte innerhalb des Herrscherhauses, Usurpationsversuche und Spannungen zwischen den Hauptstadtbewohnern in Iziz und der Bevölkerung des Dschungels - sie sind das andere Vermächtnis des Freedon Nadd.

Bemerkenswert an Nadds historischer Bedeutung ist auch, dass der Sith-Lord und König selbst zum Sturz seiner Anhänger beigetragen hat. Über Jahrhunderte verbannten Nadd und seine Nachfolger widerspenstige Adelige, Rebellen und Unruhestifter in die Wildnis Onderons. Vor den Mauern Iziz begannen sich diese jedoch irgendwann zu den Bestienreitern zu formieren. Egal wie stark die Stadt dann noch befestigt wurde, hinter dem undurchdringlichen Dickicht des Dschungels wuchs eine Widerstandsarmee, die eines Tages auch im blutigen Ringen um Onderon die Oberhand behalten hätte. Nur warum konnte das ein vermeintlich weitsichtiger König wie Freedon Nadd nicht erkennen? War es gar der Wille der Macht, dem er sich einmal mehr unterworfen hatte? Oder hinderte ihn ein letzter Rest der Jedi-Moral daran wie Palpatine und Vader zu versuchen auch die letzten Widerstandsnester mit brutaler Gewalt auszuheben? Man könnte sogar darauf verweisen, dass Sith-Herrscher tendentiell dazu neigten weit pragmatischer zu agieren, als Emporkömlinge und aus Gründen des Machterhalts lieber Exile verhängten als Todesstrafen, solange die Person insignifikant erschien.

Was Freedon Nadd im gesamten Zeitraum seiner Existenz auch angehängt ist war seine Abwesenheit in den Quellen. Außer als Geist kommt er in den Jedi-Chroniken/Tales of the Jedi nämlich gar nicht vor. Auch in anderen Comics und Romanen war Nadd kein besonderes Nachleben gegönnt. In vielen Sith-Romanen wird bestenfalls noch auf Naga Sadow und Exar Kun Bezug genommen, nie jedoch auf Nadd. Eine Fußnote in der Geschichte der Sith? Freedon Nadds Bedeutung als Bindeglied sollte niemals unterschätzt werden, er war ein besonderes Phänomen, dem man auch den Aufstieg Exar Kuns zu verdanken hat. Ohne gefallene Jedi wie Nadd hätte sich wohl kaum derart viel an Relikten der alten Sith über die Jahrhunderte retten lassen.

Man hätte im Erweiterten Universum jedenfalls mehr mit Nadd anstellen können, als getan wurde. Doch so ganz hat sich der Reiz des Tyranns von Onderon wohl keinem der Verantwortlichen erschlossen.

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