Mittwoch, 25. Dezember 2019
Snoke und die Zerstörung von Lukes Jedi-Akademie im Vergleich
Supreme Leader Snoke wurde in einem der kanonischen Romane zur Sequel-Ära einmal als unerwarteter Kandidat für die Führung der Ersten Ordnung bezeichnet, da er andere Führungsfiguren wie Rae Sloane überraschenderweise aus dem Rennen geworfen hatte. Wer oder was Snoke genau ist werden wir jedoch erst in der nahen Zukunft erfahren, da dieser Enthüllung nun kein Film mehr im Weg steht. Der Comic zu Kylo Rens-Vorgeschichte (The Rise of Kylo Ren von Charles Soule) ist jedenfalls bereits sehr aufschlussreich und er erlaubt sich sogar einen markanten Retcon zur Zerstörung von Lukes Jedi-Akademie - es ist Snoke oder eine andere dunkle Macht, welche den Tempel in Brand steckt. Ben Solo wird von dieser Macht sogar mittels eines Telekinese-Angriffs vom brennenden Tempel weggestoßen, als er sich scheinbar eines besseren besinnen will und in diesen laufen will, um vielleicht seine Mitschüler zu retten. Ben und selbst die wenigen überlebenden Jedi-Schüler glauben jedoch Luke Skywalker sei tot und Ben fühlt sich dafür verantwortlich. Anstatt jedoch von seiner Reue übermannt zu werden zeigt sich Ben zunächst weiterhin wütend, immerhin hatte Luke aus seiner Sicht kurz zuvor versucht ihn zu ermorden und wir wissen nicht inwieweit Ben zuvor von Snoke beeinflusst worden war. Bens Wandlung zu Kylo Ren ist ohne die nötigen Details so verstörend wie die Erkenntnis, dass Anakin Skywalker zu Darth Vader wurde, wenn man Episode I-II und alles bis zu Windus Konfrontation mit Palpatine weglässt. Was uns gegenwärtig fehlt ist all diese Backstory die angedeutet, aber noch nicht konkret zu Papier gebracht wurde. Selbst wenn es soweit ist gäbe es aber zu bedenken, dass Anakin bzw. Vader selbst nach drei Filmen für nicht wenige Fans immer noch unverständlich blieb und erst The Clone Wars konnte durch die intensive Charakterarbeit dafür sorgen, dass Anakins Verwandlung glaubwürdig wurde.

Lassen wir dieses Problem aber einmal außer Acht und stellen uns die Frage, wieso (und nicht unbedingt wie oder mit welchen Folgen) Snoke den Jedi-Orden auslöschen wollte. Er handelte wohl im Auftrag des gestürzten Imperators Darth Sidious bzw. ganz im Sinne der Acolytes of the Beyond. Für das Erstarken der dunklen Seite war es notwendig die Jedi aus dem Verkehr zu ziehen.

Dass Ex-Imperiale oder Sith-Kultisten versuchen die Jedi-Akademie zu zerstören ist jedoch auch etwas, das wir schon aus den Legends kennen. Als Lore-Enthusiast möchte ich daher einige dieser (gescheiterten) Komplotte aus den Legends vorstellen und vielleicht wird ja das eine oder andere sogar für den Kanon recycelt, immerhin können es Snoke und seine Hintermänner ja schon vor ihrem finalen Erfolg mehrmals probiert haben.

Exar Kuns Geist

Eine kanonische Neuauflage der Jedi-Akademie-Trilogie wäre ja durchaus möglich, immerhin beschäftigten sich diese Romane mit Lukes Suche nach möglichen Jedi-Kandidaten, sowie dem Beginn der Ausbildung dieser. Doch selbst Legends-Luke wurde von einem Sith-Lord geplagt, der ihm seine besten Schüler abspenstig machen wollte. Exar Kuns Geist hatte es sogar auf Luke abgesehen und für kurze Zeit konnte er den jungen Jedi-Meister sogar von dessen Körper trennen. Dass am Ende alles gut ausging lag unter anderem an Lukes Neffen, Jacen Solo. Bis dahin war es Kuns Machtgeist allerdings gelungen zwei von Lukes besten Schülern in seine Fänge zu bekommen. Der erste war Lukes Top-Schüler Gantoris, welchem Kun dazu verhalf alle anderen Jedi-Schüler zu übetreffen, indem er als erster ein voll funktionsfähiges Lichtschwert konstruieren konnte. Gantoris lehnte sich jedoch gegen Exar Kun auf und wurde von dessen Machtgeist ermordet. Kun versuchte zwar noch andere Schüler zur dunklen Seite zu führen, doch er legte sich schließlich auf den extrem mächtigen Kyp Durron fest. Durrons Hass auf das Imperium und seine traumatische Vergangenheit als Sklavenarbeiter in den Minen von Kessel machten ihn zum perfekten Opfer. Kyp fing sich jedoch, nachdem er bei der Zerstörung des Carida-Systems mittels einer gestohlenen imperialen Superwaffe auch mitansehen musste wie sein totgeglaubter Bruder schlussendlich durch seine Hand ums Leben kam. Und zusammen gelang es Lukes Schülern Exar Kuns Geist zu bezwingen. Es scheint Parallelen zwischen Kyp Durron und Ben Solo zu geben, wobei Snoke die Rolle des vermeintlich hilfreichen Förderers zukommen würde.

Admiral Daalas Flotte

Weniger esoterisch gestaltete sich der Angriff Admiralin Daalas auf Yavin 4, da sie aus Rache für Kyp Durrons Angriff auf das Imperium mit einer Flotte Sternenzerstörer schlicht und einfach die gesamte Akademie ausradieren wollte. Ihr Plan scheiterte jedoch als Lukes Jedi-Schüler ihre Kräfte bündelten und mittels einer gewaltigen Telekinesewelle die angreifende Flotte aus dem Orbit fegten. Daalas Flaggschiff wurde dabei in den Gasriesen Yavin gestürzt und man nahm an, sie wäre dabei ums Leben gekommen. Es müssen nicht immer Machtnutzer sein die Luke und seinen Jedi-Schülern nach dem Leben trachten, es würden schon einige imperiale Hardliner reichen, die sich für die Ermordung Palpatines rächen wollen. Diese muss es ja auch gegeben haben, wobei ich mich auch für eine kanonische Fassung von Crimson Empire (einer der Leibwächter Palpatines arbeitet eine Kill-Liste all jener Personen ab, die für den Tod seines Meisters verantwortlich waren, wobei Luke Skywalker natürlich nicht fehlen darf) interessieren würde.

Brakiss, Kueller und die Schattenakademie

Lukes Jedi-Akademie war in den Legends eine relativ offene Einrichtung und Luke hatte auch keine Probleme damit ehemalige Imperiale aufzunehmen, zumal seine spätere Frau Mara Jade und sein Lehrassistent Kam Solusar eben solche waren. Sogar Kyle Katarn hatte seine Karriere eigentlich als Sturmtruppler begonnen (ist Finn vielleicht der im Kanon wiedergeborene Kyle Katarn?). Solusar ist sicher ein interessanter Charakter, auch wenn seine als Comic angelegte Hintergrundgeschichte "Lightsider" nie veröffentlicht wurde. Solusar diente dem Imperium jedenfalls als dunkler Jedi und wurde durch Luke zur hellen Seite bekehrt. Da Solusar bereits von seinem Vater als Jedi ausgebildet worden war, kehrte er als vollwertiger Jedi-Ritter zur hellen Seite zurück und Luke sah sich berechtigt fortan den Titel eines Jedi-Meisters zu führen. Wann immer sich also angebliche Ex-Imperiale in Lukes Akademie einschrieben ließ Luke dies zu, da er die Hoffnung hebte selbst die als Saboteure eingeschleusten dunklen Jedi oder Inquisitoren bekehren zu können. Ein solcher war dann auch der junge Brakiss, der von einer imperialen Hinterbliebenen-Fraktion nach Yavin 4 geschickt wurde. Brakiss entsagte der dunklen Seite jedoch nicht und verließ Yavin 4 wieder, um sich einem anderen Ex-Jedi-Schüler anzuschließen. Brakiss war auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass die Inquisition selbst nach Palpatines Fall noch aktiv war, was im Kanon bisher nicht bestätigt ist. Es scheint sogar so, als hätten die Inquisitoren nach dem Tod des Großinquisitors langsam aber sicher allesamt das Zeitliche gesegnet. Doch wie lässt sich das damit vereinbaren, dass Palpatine Machtsensitive einsammeln ließ und den Inquisitoren außerdem aufgetragen hatte gefangene Jedi zu brechen und zu rekrutieren? Jemand wie Brakiss, der als Kleinkind von den Inquisitoren entführt und indoktriniert wurde hätte auch im Kanon existieren können. Genauso wie Brakiss späterer Mentor Kueller, der zunächst als Dolph bekannt war. Kuellers Verwandlung zum dunklen Jedi begann als er während seiner Jedi-Ausbildung von den Massakern auf seiner Heimatwelt erfuhr und zu dieser aufbrach, um eine Widerstandsbewegung aufzubauen. Kuellers Erfolg beim Sturz des für die Massaker verantwortlichen Regimes führte ihn jedoch auch auf die dunkle Seite. In seiner Rolle als Warlord und dunkler Jedi zog er schließlich Brakiss an, der von Kueller inspiriert nach dessen Tod mit einer neuen Idee zum zerfallenden Imperium zurückkehrte - der Gründung einer Akademie für dunkle Jedi! Dabei wurde Brakiss von einer Gruppe einstiger Leibwächter des Imperators manipuliert, die mittels ausgefeilter Hologrammtechnik vortäuschten der Imperator wäre noch am Leben und hätte Brakiss den Befehl erteilt für das Imperium einen dunklen Jedi-Orden aufzubauen. Brakiss gelang es mit Unterstützung durch eine Nachtschwester von Dathomir tatsächlich seine Schattenakademie aufzubauen und machtsensitive Kinder und Jugendliche zu sammeln. Brakiss Pläne scheiterten jedoch, als er die Solo-Zwillinge in die Finger bekam. So manche Snoke-Theorie sah ihn ja auch als einen Ex-Inquisitor, der mit den Rittern von Ren eine neue Machtnutzerorganisation schaffen wollte.

Desann und das Tal der Jedi

Der Haupt-Antagonist aus Jedi Knight 2 hat sogar einiges an Backstory zu bieten, die nicht im Spiel thematisiert wurde. Etwa, dass er sich mit dem einstigen Vader-Schüler Lord Hethrir verbündet hatte, dessen Hinterbliebenen-Fraktion durchaus über einige machtsensitive Rekruten verfügte. Desann fand seinen Weg auf die dunkle Seite scheinbar ganz von selbst, nachdem er ebenfalls seine Jedi-Ausbildung abgebrochen hatte. Als Hethrirs Handlanger entwickelte Desann zusammen mit Galak Fyyar jedoch seinen eigenen finsteren Plan und suchte nach Wegen Sturmtruppen und vergleichsweise machtschwache Rekruten zu dunklen Jedi oder zumindest für den Kampf gegen echte Jedi einsetzbare Kampfmaschinen zu machen. Dafür sammelte er Kristalle und suchte das Tal der Jedi, welches Machtsensitivität massiv verstärken konnte. Desann schuf sich so eine Armee dunkler Jedi und Machtnutzer, welche er gegen Lukes Jedi-Akademie einsetzen wollte. Es gelang ihm sogar auf Yavin 4 einzumarschieren und die Akademie anzugreifen, doch seine dunklen Truppen wurden schließlich zurückgeschlagen. Die Überreste von Desanns Anhängern fusionierten schließlich mit den Jüngern von Ragnos und versuchten den legendären dunklen Lord der Sith wiederauferstehen zu lassen. So ginge es also auch, Lukes Jedi könnten eine Gruppe besiegen, die sich schließlich zurückzieht und Palpatines Sith-Kultisten anschließt. Die Rolle des Tals der Jedi als Ort der Machtfähigkeiten verleihen kann könnte vielleicht ein Macht-Nexus wie Mortis oder irgendein anderer alter Tempel einnehmen. Anstatt der Kristalle von Artus Prime könnte man als Machtverstärker oder Kernbestandteil der Bewaffnung schlicht und einfach auf Kyber-Kristalle zurückgreifen.

Der Zeitraum

Lukes Jedi-Akademie bestand einige Jahre bevor sie durch Snoke und Ben Solo zerstört wurde. Da kann also einiges passiert sein und nicht zu vergessen ist auch, dass Luke schon auf der Suche nach vergessenen Schätzen der Jedi auf einige vergessene Anhänger der dunklen Seite gestoßen sein könnte.

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