Montag, 27. Mai 2019
Exar Kun kommandierte im Grunde auch nur eine Allianz
Eine Gruppe von 20-40 loyalen Sith-Akolythen und die gesamte Massassi-Bevölkerung von Yavin 4, größer war Exar Kuns Hausmacht eigentlich nicht und abseits seines Hauptquartiers auf Yavin 4 war er auf seine Verbündeten angewiesen. Diese waren die mandalorianischen Clans unter der Führung von Mand'alor den Unbezähmbaren (welche Kun sogar halfen zwei erfolgreiche Angriff auf Coruscant zu unternehmen) und das gesamte von den Krath kontrollierte Teta-System mit seiner Flotte, seiner Armee und seinen allerdings etwas angestaubten Waffenfabriken. So bescheiden das auch klingen mag (eine Kolonie von primitiven Steinzeitkriegern auf Yavin 4, eine handvoll Möchtegern-Sith, ein einzelnes Sonnensystem, das schon bessere Tage gesehen hat und eine Horde von Kriegernomaden, die bisher nur am Rande der Republik nagen konnten), durch Kuns Führung gelang es diesem Zusammenschluss ungleicher Partner die Republik mehrfach in Bedrängnis zu bringen. Kun hätte den gesamten Senat ermorden können und er hat tatsächlich die Heimatwelt des Jedi-Ordens zerstört. Exar Kuns großer strategischer Erfolg ging nicht auf eine erfolgreiche Kriegsführung zurück, sondern seinen Willen seine Kräfte möglichst gebündelt auf die lohnenswertesten Ziele zu richten. Man kann auch argumentieren, dass Kun für einen echten Krieg schlicht und ergreifend die Mittel fehlten. Das Teta-System war seine einzig bekannte Basis und konnte leicht blockiert werden. So gesehen war es praktisch, dass er die Mandalorianer als Kriegernomaden auf seiner Seite hatte und dass Yavin 4 völlig unbekannt war. Kuns Strategie konzentrierte sich also darauf seine begrenzten Kräfte nicht in einem erschöpfenden Krieg zu verbrauchen, sondern gleich gegen die Köpfe der Republik und des Jedi-Ordens zu richten. Sein Kalkül ging jedoch nicht auf, denn der Versuch die prominentesten Jedi-Meister durch seine Akolythen ermorden zu lassen scheiterte vorwiegend daran, dass die dunklen Jedi trotz ihres Machtzugewinns ihren ehemaligen Meistern meist immer noch unterlegen waren. Dennoch überlebten einige dunkle Jedi und halfen schlussendlich Revan seine Sith-Akademie auf Korriban aufzubauen. Die Invasion Coruscants scheiterte zunächst an Aleema Ketos Verrat und schließlich an den gestärkten Verteidigern, selbst wenn es Kun gelungen wäre bei seiner Befreiung Ulic Qel-Dromas ein Massaker an allen versammelten Würdenträgern anzurichten.

Kuns Allianz war durchaus mächtig und sie hätte helfen können einen verfrühten Angriff des Sith-Imperiums unter Vitiate abzuwehren, vor allem weil man als Verbündeter der Republik dann doch wieder einen vereinten Jedi-Orden, die gesamten Clans der Mandalorianer und einiges an nützlichem Sith-Knowhow aufgeboten hätte.

Spanend wäre aber auch die umgekehrte Frage, wie hätte Exar Kun davon profitiert, wenn ihm das Sith-Imperium zu Hilfe gekommen wäre? Angenommen es hätte eine zweite Front gegen die Republik eröffnet, so wäre Kun womöglich einer Offensive des Jedi-Ordens entkommen. Man muss sich jetzt allerdings die Frage stellen, zu welchem Zeitpunkt das Sith-Imperium aufgekreuzt wäre - vor oder nach Ulic Qel-Dromas Inhaftierung? Exar Kuns Sith wären für die Imperialen Häretiker gewesen, Anhänger einer nützlichen, aber dauerhaft nicht tolerierbaren Sekte. Zur gleichen Zeit hätte Kun wohl kaum sein Anrecht auf die Rolle des obersten dunklen Lords aufgegeben, zumal er im Gegensatz zu Vitiate von den Geistern der alten Sith als solcher auserwählt und anerkannt worden war. Für Kun wären Vitiates Sith Häretiker gewesen, wenn auch deutlich besser trainierte und kompetentere. Das mag jetzt feindselig gegenüber Kuns Sith-Bruderschaft klingen, aber trotz seiner Bemühungen seine Anhänger mit Sith-Amuletten (in meiner Vorstellung schlicht und ergreifend Gadgets) und einigen hilfreichen Machttechniken auszustatten, waren Kuns Akolythen bestenfalls Anfänger im Gebrauch der Dunklen Seite. Zusammen mit Ulic Qel-Droma hätte Exar Kun ein dynamisches Führungsduo repräsentiert, das wohl durchaus dank ihrer Amulette vor Vitiates Gedankenkontrolle geschützt gewesen wäre. Beide hätten sich also anders als Revan und Malak dem Einfluss des Sith-Imperators zu widersetzen vermocht und es wäre meiner Meinung nach zu keinem echten Bündnis zwischen beiden Seiten gekommen. Im besten Fall wäre man sich gegenseitig aus dem Weg gegangen und hätte versucht bei der Eroberung der Republik einen möglichst großen Vorsprung gegenüber der anderen Fraktion aufzubauen. Für Kuns Bruderschaft hätte allerdings gesprochen, dass er durchaus bereitwillig Ex-Jedi angeworben hätte, um seine Truppen zu verstärken. Kun stellte sich ja im Rahmen der klassischen Sith-Ideologie dar, wobei es ihm darum ging, dass das Fundament seines Ordens auf altem und mittlerweile verbotenem Jedi-Wissen beruhte. Vitiates Sith entsprangen jedoch dem Völkermord der Republik und der Jedi nach Ende des Großen Hyperraumkrieges. Die Rachsüchtigkeit der Neo-Sith Vitiates ist anders als die bittere Feindseligkeit der Sith-Bruderschaft, welche sich noch eher an Ajunta Palls dunklen Jedi orientierte. Für Exar Kun waren Pall und dessen Kollegen jene Sith denen er nacheifern wollte und er hoffte ihr Wissen durch die Überlieferung durch die dunklen Lords der Sith anzapfen zu können. Vitiates Sith hatten sich von diesen Wurzeln bereits abgewandt und sie waren eine radikalere Gruppierung, die keinen gemeinsamen Boden mit der Republik oder den Jedi anerkennen wollte. Kun ging es nicht um die vollständige Vernichtung der Republik und des Jedi-Ordens, sondern um einen möglichst großen Machtgewinn und die Möglichkeit zu herrschen. Ideologisch war Exar Kun damit flexibler und pragmatischer als das Sith-Imperium.

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