6.0 Spekulationen: Die Republik als Quelle einer neuen Splittergruppe
Müssen die Imperialen immer die Bösen sein? Scheinbar, denn in der bisherigen Geschichte von SWTOR gab es nur sehr wenige Ausnahmen von dieser Formel. Da waren einmal Czerka, das sich der Verstaatlichung widersetzte, die Hutten die ihr eigenes Imperium aufbauen wollten und Kanzlerin Saresh die uns die Allianz abluchsen wollte. Aber all diese Konflikte waren vergleichsweise kleinkarätig. Von Makeb über CZ-198 bis zum Showdown auf Odessen wurden die alternativen Bedrohungen immer kürzer.

Zakuul war eine mit gestohlenen Mitteln des Sith-Imperiums finanzierte Schöpfung des Sith-Imperators, die Revaniter waren eine ehemalige imperiale Untergrundorganisation, die Schreckensmeister waren Sith-Lords und Darth Malgus versuchte sich zum neuen Sith-Imperator zu erklären. Selbst die Hutten waren durch die Schreckensmeister beeinflusst, welche zunächst Karagga und schließlich Torborro in den Wahnsinn getrieben haben. Kein Wunder also, wenn man in der Huttenkartell-Operation auf Darvannis einen Schreckensmeister antrifft der mit Hilfe der Hutten eine Söldner-Armee aufbauen wollte.

Über die Jahre hat sich im Fandom daher eine Gruppe etabliert welche die Ansicht vertritt die Republik könnte gar keine Bösewichte wie die abtrünnigen Sith-Lords der Vergangenheit beisteuern. Ich wage gegen diese Einstellung aber Widerspruch einzulegen und vielleicht liege ich nicht ganz falsch, da die am meisten verachtete Klassenstory womöglich den Schlüssel für eine republikanische Bedrohung enthält.

Ord Mantell ist das Korriban der Republik

Auf Korriban lernte man als Imperialer wie fehlerhaft das Sith-Imperium ist und welche Faktoren irgendwann zur Abtrünnigkeit von Sith-Lords wie Malgus führen werden. Sith, Jedi und Imperiale Tech-Klassen sind laut Umfragen deutlich beliebter als Schmuggler und Soldaten, vor allem als das Schlusslicht - der Soldat - und daher konzentrieren sich Diskussionen vor allem auf Erkenntnisse aus den populären Klassenstories.

Von Tython und Hutta kann man wenig lernen, außer dass die Hutten als Industriemacht umworben werden. Im Endeffekt ist das Huttenkartell also nicht lediglich ein kriminelles Syndikat das mit dem Diebstahl von Ressourcen handelt, sondern es ist in der Ära der Alten Republik wohl eher so etwas wie die Handelsföderation und die Industriemächte die in den Klonkriegen die Separatisten unterstützten. Die Hutten sind skrupellose Industrielle, die nebenbei mit Drogen handeln und all das verkaufen, was man in Republik und Imperium nicht legal erwerben kann. So treten die Hutten auch als Ordnungsmacht auf und beschäftigen Kopfgeldjäger um Schmuggler und Piraten los zu werden, die ihre Monopole oder Marktanteile bedrohen.

Ord Mantell ist anders, es ist ein republikanischer Militärstützpunkt und zudem ein sehr alter. Die Bezeichnung von Welten als "Ord" verweist auf eine frühere republikanische Ära, in der damit Ordnance Depots bezeichnet wurden, also zur Versorgung der Flotte eingerichtete Depots. Während der Pius Dea-Kreuzzüge erlebten diese "Ords" ihre Blütezeit. Seit dem Abschluss des Vertrages von Coruscant tobt jedoch ein Bürgerkrieg auf Ord Mantell, der vom Imperium angestachelt wurde. Als die Republik Ermittlungen gegen korrupte Regierungsmitglieder einleitete und als ein mantellianischer Admiral die Verteidigungsflotte des Planeten verhökerte schlitterte der Planet in eine innenpolitische Krise, welche die Republik an den Pranger stellte. Um die Ordnung wiederherzustellen verlegte die Republik Truppen nach Ord Mantell, wo man jedoch sehr schnell erkannte, dass sich die Separatisten längst bewaffnet hatten.

Am Anfang der Krise von Mantell steht also Korruption, von Regierungsmitgliedern und lokalen Militärs, welche den Planeten mutwillig für unerwünschte Elemente wie Söldner, Schmuggler und Piraten öffneten (einen Ruf den Mantell nie wieder los werden sollte). Die Republik reagierte zu spät und inzwischen hatten die Separatisten beschlossen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, wobei sie allerdings ihren moralischen Vorteil schnell verspielt hatten. Die Separatisten erwiesen sich rasch als nicht weniger korrupte Bande, die der Ermordung von Zivilisten nicht abgeneigt war. Die Republik hatte Ord Mantell geschaffen, weil sie hier versagt hat und rückwirkend versuchte durch ein Militäraufgebot für Ordnung zu sorgen, womit der Konflikt noch weiter verschärft wurde.

Die Republik schafft sich ihre eigenen Feinde, oft in der Form von Separatisten und diese Bewegungen können schnell über einen einzelnen Planeten hinaus wachsen. Ord Mantells Lage lässt sich mit Balmorra oder Alderaan vergleichen. Die Republik versucht die legitime Regierung zu unterstützen, bringt dabei aber auch die Opposition dazu sich zu bewaffnen, sodass der Weg zum Verhandlungstisch über die Gräber von tausenden unschuldigen Opfern führt. Die Opposition demokratisch einzubinden oder zum Teil einer Einheitsregierung zu machen wird aber wohl oftmals durch die "legitimen" Regierungen abgelehnt, welche ja "ihren" Senator nach Coruscant entsandt haben und dem Senat daher auch "ihre" Version der Geschichte darbieten können. Was es wohl eher bräuchte wäre neutrale Vermittler - wie die Jedi!

Für die Korruption!

Während man in den Sith-Klassenstories auf Korriban Akolythen begegnet die einem für Macht und Einfluss nach dem Leben trachten, so begegnet man als Trooper auf Ord Mantell einer Gruppe von Soldaten die wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption angeklagt werden könnten. Doch nachdem man einen Whistleblower bei seinem Vorhaben gut zugeredet hat wird man von den Kameraden dieses "Verräters" bedroht. Die moralischen Grundsätze der Republik sind auf Ord Mantell soweit degeneriert, dass korrupte Soldaten ein Mitglied von Havoc Squad mit dem Tod bedrohen, sollten sie für begangene Straftaten angezeigt werden.

Korruption heißt auf Ord Mantell nicht bloß Bestechung, sondern Militärmaterial für den eigenen Profit zu verwenden oder zu verkaufen. Korrupte Soldaten auf Mantell fordern Schutzgeld, sie erpressen Zivilisten und Kameraden und sie verkaufen wohl auch Ausrüstung an Schwarzmarkthändler. Womöglich gibt es sogar einzelne die Kriegsflüchtlinge an Sklavenhändler weitervermitteln. Man könnte unter diesen Umständen wohl bereits davon sprechen, dass die Republikanische Armee eine Vorfeldorganisation des Hutten-Kartells sein könnte.

Auf jeden Fall verfehlt die republikanische Armee jeden Anspruch Recht und Ordnung durchzusetzen, was sie als potentielle Besatzungstruppe tun müsste, um Aufstände zu vermeiden. Würde man die republikanische Armee von Ord Mantell auf eine gerade von den Sith befreite Welt los lassen, so würde man schnell einen pro-imperialen Aufstand erleben, ohne dass die Sith viel dafür tun müssten. Die Zivilisten würden erpresst (manche wohl sogar missbraucht), Kriegsgefangene würden zum revanchistischen Vergnügen gefoltert und die Kriegsbeute würde an Kriminelle verkauft, während unter dem Imperium noch eine totalitäre Law and Order Politik herrschte - da wünscht man sich wohl das berechenbare alte Regime zurück. So entstünde eine neue Separatistenbewegung, die sich womöglich von der Republik und vom Sith-Imperium fern halten möchte. Was die Republik jedoch nur selten toleriert.

Überraschenderweise bekennen die Syndikate der galaktischen Unterwelt auf Ord Mantell noch keine Farbe. Aber es ist durchaus vorstellbar, wie es durch Bestechung oder sogar die Rekrutierung von kleinkriminellen Soldaten der Syndikate gelingen könnte die Republikanische Armee noch tiefer hinab zu ziehen. Militärpolizeidirektor Fideltin Rusk führte etwa auf Nar Shaddaa eine republikanische Legion an, die aus auf Coruscant verurteilten Kriminellen bestand. Zwangsrekrutierung könnte im Fall der Republik eine ganz schlechte Idee sein.

Coruscant und die Justikare

Die Justikare entstanden nach der Plünderung Coruscants als die Republik vertraglich gezwungen wurde ihre Streitkräfte reduzieren. Zur gleichen Zeit erlebten die Syndikate in Coruscants Unterwelt eine Blütezeit und verdienten sich mit der Kontrolle des Schwarzmarkts und der Erpressung neu nach Coruscant gekommener Migranten eine goldene Nase. Die nun gekündigten Ex-Soldaten, welche auch nicht von der Coruscant Security Force aufgenommen wurden, beschlossen die Dinge in ihre eigenen Hände zu nehmen. Man bewaffnete sich und übte Selbstjustiz, wobei es ihnen gelang ganze Stadtsektoren von den Syndikaten zurückzuerobern. Dieser Zugewinn an Macht und die nun aus Schutzgeldern finanzierte Entlohnung für die Ex-Soldaten (welche von der erschöpften Republik wohl auch kein Entgelt mehr enthielten) ließ die Justikare jedoch von einer Lösung des Kriminalitätsproblems zu einem neuen Problem werden.

Die Justikare sind also eine weitere Erscheinungsform der Armee der Republik, die uns eine weitere Schattenseite der republikanischen Militärpolitik aufzeigt - die mangelhafte Veteranenversorgung.

Der Vertrag von Coruscant zwang die Republik abzurüsten, woraufhin neben die Justikaren auch die Regulatoren entstanden, welche Kriegsveteranen als Söldner anwarben, um auf Welten wie Makeb militärische und polizeiliche Aufgaben wahrzunehmen. Das können ja durchaus rentable Karrierewechsel gewesen sein, aber es stellt sich auch die Frage, ob die Republik ihre Soldaten überhaupt je angemessen entlohnt hat und wie man mit den zu entlassenden Soldaten verfahren ist. Allem Anschein nach lässt der Senat seine Soldaten ja gerne mal im Stich, wie Havoc Squad oder auch Felix Iresso bewiesen haben. Und Sareshs Regime war da nicht anders (Beispiel: Felix Iresso).

Zwangsausmusterung kann in der Republik also durchaus bedeuten, dass man von heute auf morgen seinen Lebensunterhalt verliert. Und nach dem Friedensschluss mit Arcann passierte das ganze noch einmal. Ich bin daher geneigt diese Abrüstung mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zu vergleichen, als von der Front heimkehrende Verbände aufgefordert wurden ihre Ausrüstung und vor allem ihre Waffen abzugeben - wobei sie es jedoch nicht taten, woraufhin in der Zwischenkriegszeit Wehrverbände und Milizen entstehen konnten, welche oftmals von Veteranen angeführt wurden.

Saresh versetzte ihre Soldaten wohl nicht in den Ruhestand... sie entließ sie, was einer unehrenhaften Entlassung gleich kam. Dementsprechend wurden wohl auch viele Veteranen in ihrer Ehre gekränkt, was im Fall des Kriegs mit dem Ewigen Imperium jedoch genutzt werden konnte, um jene Senatoren zu beschuldigen, welche den Friedensvertrag GEGEN Sareshs Willen abgeschlossen hatten. Saresh nutzte die Chance wohl um der Angelegenheit den nötigen Dreh zu geben. Womöglich wurde der eine oder andere Senator dann wohl auch Opfer eines "Einzeltäters" der sich mit tödlichen Schüssen für den Verlust seiner Lebensgrundlage revanchierte.

Dass die Allianz Zulauf unter den republikanischen Truppen fand ist wohl kein Wunder mehr. Man konnte den Sold anbieten, der einem von der Republik nicht mehr gewährt wurde. Fragt sich bloß was aus den anderen "Opfern" der Abrüstung geworden ist. Saresh oder ihre Verbündeten könnten sich ja auch enorme Privatarmeen oder (anti-imperiale) Milizen aufgebaut haben, welche in der 6.0 Ära eine Rolle spielen könnten.

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rommery, Donnerstag, 7. Juni 2018, 18:13
Bleibt eigentlich nur noch die Frage zu stellen, ob der Senat nicht nur das moralische Feigenblättchen galaxisweiter halblegaler Sydikate ist. Im Zweifelsfall, oder wenn die Republik ernsthaft gefährdet war, haben sich die Hutten und/oder die Exchange (Goto) immer auf die Seite der Republik gestellt. Goto hatte ja mal auf die Frage nach dem warum mit sinngemäß "the show must go on" argumentiert. Was mich zu dem Schluss führt, dass die Unterwelt ein elementarer Bestandteil des republikanischen Systems ist. Und Moral nur die hübsche Fassade um ein durch und durch marodes Haus ist.

pfannenstiel, Donnerstag, 7. Juni 2018, 18:29
Goto hatte einen verständlichen Standpunkt, immerhin war er als künstliche Intelligenz am Wiederaufbau der Republik beteiligt. Es war für die Republik sicher nützlich sich die Verteilungskanäle von Syndikaten zu Nutze zu machen, da man selbst ja kaum große Frachterflotten und dergleichen besitzt. Die Syndikate hingegen - das waren die Supranatrionalen die Frachter, Rohstoffe, Arbeiter und Sicherheitskräfte beisteuern konnten. Auf gewisse Weise funktionierte die Exchange ja quasi wie ein Multikonzern, der aber auf die klassische Bezahlung verzichtete. Palpatine griff ja auch auf Prinz Xizor zurück, um den Zweiten Todesstern zu bauen und selbst die "guten" Kriminellen der Schmuggler-Allianz funktionierten in den Legends auch nur so gut, weil die großen Syndikate (Black Sun und die Hutten) nach Xizors und Jabbas Tod massiv an Macht verloren hatten. Talon Karrde nannte man sogar mal den Nachfolger Jabbas und wenn man bedenkt wie eng die Republik mit diesen "Schmugglern" zusammengearbeitet hat:
Booster Terrik erhielt seinen eigenen Sternenzerstörer, während Lando Calrissian wurde trotz krimineller Aktivitäten nie angeklagt und von der Republik als Waffenhändler während des Yuuzhan Vong-Krieges eingespannt wurde.

Ich würde daher sagen, dass es die Republik immer schon verstanden hat die kriminelle Unterwelt als Teil ihres politischen Systems zu kultivieren. Demnach war der Hutten-Sektor ja mit dem Korporationssektor vergleichbar, beides waren Gebiete die speziellen Interessensgruppen zugewiesen worden waren, in denen sich die Republik nicht einmischt. Später kam da auch das Rest-Imperium hinzu.