Donnerstag, 28. Dezember 2017
Episode VIII: Die Tragikomödie des Franchise
Was ist falsch mit Episode VIII? Wen man sich die Schlagzeilen in den Sozialen Medien so durchliest, dann ist der Film zu links, hat zu viele Frauen in Führungspositionen, stellt Männer als unfähig hin und er hat das Idol Luke Skywalker nachhaltig ruiniert. Okay, ich habe ihn jetzt endlich gesehen und bin nicht mehr länger auf Youtube, Reddit und die im Netz verstreuten Spoiler angewiesen. Und nichts von den genannten Argumenten hat mich am Film gestört, wobei nach The Clone Wars, Rebels, Episode VII und Rogue One schon ziemlich klar ist woher der Wind weht. Man kennt die "Kritiker" doch schon seit Jahren und ihre Argumente sind nichts neues. Und auch die Rettet das Expanded Universe-Bewegung feiert den neuen Beitrag zum Franchise mit aufgewärmten Hass-Tiraden. Wobei ich dazu auch mal abfällig bemerken möchte, dass ich mir "mein" EU nicht von Leuten verteidigen lassen würde, die nicht mal das gesamte von ihnen als schützenswert beklagte EU (nach Endor) kennen. Da beklagen sich Leute über Kylo Ren, die von Darth Caedus gerade mal den Wiki-Eintrag gelesen haben. Und auch von Gestalten wie Brakiss oder Kueller wissen diese Leute vielleicht gar nichts. Also? Es gibt im Fandom eine steigende Zahl von Leuten die nicht mehr über ihren Tellerrand hinaus blicken wollen und die "das Neue" schon hassen, seit etwa 1999 die Buchrechte von Bantam zu Del Rey wechselten und Del Rey seine The New Jedi Order-Buchreihe mit insgesamt 19 Romanen damit startete Chewbacca einen Heldentod sterben zu lassen. Früher hat man gegen R.A. Salvatore gewettert, weil er Chewie umgebracht hat. Heute wettert man gegen J.J. Abrams und kritisiert ihn weil Han sterben musste. Es würde mich nicht wundern wenn jemand schreibt, "nach The Last Command ist Star Wars nur noch scheiße". Haters gonna hate. Früher hat man Dark Empire gehatet, heute stürzt man sich auf die Sequels.

Also wirklich, ich habe seit meinem Einstieg in das Erweiterte Universum derart viel gelesen, gehört und gesehen, das ich meine, mir am ehesten eine Meinung über das "Reyboot" bilden zu dürfen.

Was mich an Episode VIII stört sind die komödiantischen Elemente, welche wohl eher für den amerikanischen als für den europäischen Geschmack gedacht sind. Das ruiniert den Film in meinen Augen noch am ehesten, denn es lässt den grimmig-ernsten Grundtenor durch teils eher plumpen Humor auflockern. Ich würde behaupten der Film ist auf diese Weise echt bipolar, denn er schwankt zwischen Klamauk den man von Phil Lords und Christopher Millers Han Solo-Film erwartet hätte (ehe Lord und Miller "gefeuert" wurden) und einem Massensterben das sich fast mit 300 messen kann. Und der Film findet kein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Punkten, wie in etwa "Meine Frau, die Spartaner und Ich" darstellen würde, denn eine vollwertige Parodie darf man überhaupt nicht sein.

Und Lukes Mentor-Look aus den Rückblenden und seiner Macht-Erscheinung finde ich auch eher unpassend, denn so sieht Luke für mich eher aus wie ein typischer Parodie-Charakter oder ein Jedi-Meister aus einem billigen Fanfilm. Lukes Bart wirkt viel zu dunkel und daher wie gefärbt oder zumindest fake.

Die Macht-Technik an sich sollte den Verteidigern des EU aber schon bekannt gewesen sein. Die Fallanassi praktizierten eine Form davon, ebenso wie Darth Caedus Sith-Mentorin Lumiya. Lukes gesamtes Auftreten und sein Einswerden mit der Macht wirft überhaupt die Frage auf, inwieweit er schon bereits vorher schon Teil einer anderen Existenzebene gewesen sein könnte. Theorien dieser Art werden vor allem befeuert, seit Yoda in Star Wars Rebels aufgetreten ist und da zu einem Zeitpunkt wie ein Machtgeist agierte, als er eigentlich noch am Leben gewesen sein sollte. Wenn sich Jedi wie Yoda oder Obi-Wan jedoch ins Exil begeben haben und unter Anleitung Qui-Gon Jinns das Einswerden mit der Macht studierten, wie weit haben sie da vielleicht bereits das physische Leben hinter sich gelassen. Ist der finale Moment in dem man seine körperliche Hülle aufgibt, um nur noch ein "luminous being" zu sein, vielleicht nur noch das, ein letzter Übergang? Es war nicht Luke in dem die Macht erwacht ist und genau genommen spielte Luke im Gleichgewicht der Macht keine Rolle mehr, was auf seine Losgelöstheit innerhalb der lebendigen Macht hinweisen könnte. Luke Skywalker trat auf Crait mit der Verkörperung seiner Legende gegen Kylo Ren an und er beendete seine Karriere unbesiegt. Kylo konnte ihn nicht einmal niederstrecken und Luke schied freiwillig aus dem Leben. Was wir aus The Clone Wars wissen deutet darauf hin, dass die Macht den Jedi-Orden in einer nicht näher definierten Form bewahren wollte und zwar ohne die Fehler des alten Ordens aus den Prequels zu wiederholen. Dafür sollten einige Jedi-Mentoren als Geister erhalten bleiben und nun kann man sich die Frage stellen, ob Qui-Gon, Obi-Wan, Yoda, Anakin und Luke vielleicht als Machtgeister damit beginnen werden die aus Rebels bekannten "Kinder der Macht" in Richtung des neuen Jedi-Ordens zu steuern. Ein Orden der weniger auf Dogmen und fixen Regeln, sondern auf Idealen und Legenden aufgebaut ist. Für Anakin Skywalker waren die realen Jedi seiner Zeit höchst enttäuschend und auch Luke wurde durch Yodas anfänglich dogmatische Denkweise anfangs vergrault. Luke hingegen? Der wollte die Jedi und sich selbst als Jedi-Meister zerstören, um dieses Problem aus der Welt schaffen.

Dass sich Rey in Episode VIII als Niemand entpuppt könnte J.J. Abrams in Episode IX jederzeit rückgängig machen, ebenso wie andere Plot-Entwicklungen. Ein Zeitsprung könnte den Widerstand zum Erstarken bringen und Kylo Ren könnte ganz gezielt gelogen haben. Abrams ist nicht verpflichtet Johnsons Erzählung zu würdigen, denn die Filmemacher dürfen sich erzählerisch bei ihren Filmen fast völlig frei bewegen. Interessant ist Reys Enthüllung jedoch allemal, denn genauso wie der mysteriöse Stalljunge ist sie ein Kind das mit der Legende von Luke Skywalker und idealisierten Vorstellungen der Jedi-Ritter aufgewachsen ist. Frei von imperialer Propaganda, Jedi-Dogmen oder trister Zeitgeschichte, welche die Jedi zu Gehilfen einer korrupten Republik machte. Rey hat ohne nennenswerte Ahnengalerie weniger Probleme damit sich eines großen Namens würdig erweisen zu müssen und sie muss sich daher nicht auf den Erhalt einer Legende konzentrieren, sie kann sich eine neue schaffen. Rey ist eine Jedi wie sie Anakin Skywalker hätte sein sollen, eine Jedi die Kindern und Jugendlichen aus allen Schichten und Regionen Hoffnung gibt. Die Jedi hatten immer ein Problem Welten wie Jakku oder Cantonica zu erreichen, denn der Orden konzentrierte sich schlussendlich doch auf Welten welche der Republik am nächsten standen. Dadurch wurde man genauso elitär wie die Senatsbürokratie.

Der Kampf zwischen den Rebellen und der Neuen Ordnung (wenn sich der Widerstand nun wieder in Rebellion umbenennt, dann sollte sich die Erste doch auch ruhig in Neue Ordnung umbenennen, denn deren Wiedereinführung strebt man doch an) verpasst beiden Seiten erhebliche Rückschläge. Die Ordnung verliert ihren Geschütz-Dreadnaught und die Supremacy ist schwer angeschlagen, wenn nicht sogar zerstört. Dafür wird die gesamte Rebellenflotte nahe Crait zerstört und verglichen mit den Rebellen der imperialen Ära kann man wohl kaum von mehr als einer Zelle oder einem Geschwader sprechen. Die Führungsriege der Rebellen wird auf rund 20 Leute reduziert, unter denen sich bis auf Poe und Leia keine hohen Offiziere mehr befinden dürften. Die Leia treu ergebenen Helden der Rebellion sind fast ausnahmslos alle tot. Aber so wie die Ordnung sich sicher Nachschub verschaffen kann, so ist das Feuer der Rebellion dafür verantwortlich, dass sich ausgerechnet das Outer Rim sicher bald wehren wird. Wir sprechen hier von den Regionen die einst von Tarkin verwaltet und unterdrückt wurden, nachdem sie in den Klonkriegen entweder neutral geblieben waren oder sich den Separatisten angeschlossen hatten. Welten und Systeme die unter der Alten Republik vernachlässigt wurden und sich um sich selbst kümmern mussten. Tarkins Heimatwelt hatte sich nicht umsonst eine eigene Miliz samt Flotte aufgebaut. Wenn man sich daran orientiert, dass Rian Johnson für Claudia Grays Roman Bloodline explizite Hinweise für die Organisation der Galaxis hinterließ, dann denke ich natürlich an Welten wie Ryloth, die sich der Neuen Republik nicht anschlossen, obwohl sie einst dem Imperium angehört hatten. Die demilitarisierte Neue Republik dürfte so einige Randsysteme verloren haben und hierhin zogen sich wohl auch einige Gruppen zurück, die dem Imperium Kriegsmaterial abgenommen hatten. Einer der letzten Supersternenzerstörer endete etwa im Besitz einer Piraten-Crew. Wieso sollte das republikferne Outer Rim sich jedoch für einen Krieg gegen die Neo-Imperialen mobilisieren lassen? Vielleicht weil die Neo-Imperialen sich weniger für den Galaktischen Kern interessieren. General Hux Rekrutierungsprogramm sah Raubzüge gegen Outer Rim-Welten vor, wo Kinder gestohlen und Familien ausgelöscht wurden, nur um neue Sturmtruppen zu gewinnen. Und Rose Ticos Hintergrundgeschichte verrät, dass die Neo-Imperialen generell wie Räuber über die ungeschützten Outer Rim-Welten hergefallen sind. Während den Kernwelten das Schicksal armer Bergbaukolonien egal sein dürfte, so dürfte sich im Outer Rim doch einiger Groll gegen die Erste Ordnung gesammelt haben. Und der Sieg einer erheblich unterlegenen Streitmacht gegen die besten Schiffe der Neo-Imperialen dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreiten, ebenso die Aussicht, das sich aus dem Nichts eine neue Jedi erhoben hat und dass Luke Skywalker womöglich immer noch da draußen ist. Der Widerstand gegen die Neo-Imperialen könnte schon dann sehr verbissen werden, wenn bei einem der nächsten Raubzüge auf einmal Widerstand geleistet wird und vielleicht machtsensitive Dorfbewohner durch die Macht gestärkt werden. Finn kam sehr wahrscheinlich aus einem solchen Dorf das überfallen und zerstört wurde, weshalb das Erwachen der Macht sich in Episode VII womöglich auch auf ihn bezieht. Es ist die helle Seite die ihm Gewissensbisse bereitete und dazu führte, dass er schlussendlich dabei mitwirkte die Karte zu Luke Skywalker an Leia zu überbringen. Dörfer und Kolonien die das neo-imperiale Joch bisher ertrugen könnten sich schon bald wehren und die Rebellion begann einst damit, dass sich schlecht ausgerüstete Gruppen zusammenschlossen und gegenseitig stärkten. Die Hightechflotte der Ersten Ordnung ist nett, aber im Outer Rim gibt es sicher noch dutzende corellianische Korvetten, ausrangierte Raumjäger der Rebellion und Neuen Republik, sowie den einen oder anderen Planeten der sich einmal geschworen hat nie wieder eine imperiale Invasion zuzulassen. Eriadus Erfolg könnte Schule gemacht haben, dass sich jetzt Welten wie Ryloth eine eigene Militärmaschinerie beschafft haben. Und seien wir doch ehrlich, die Twi'leks hätten es wirklich verdient sich einmal so richtig wehren zu dürfen. Wir wissen mittlerweile, dass Hera Syndulla auf Endor anwesend war und den Rang einer Generalin der Rebellen-Allianz bekleidete. Ryloth wurde kein Mitglied der Neuen Republik und einige Veteranen der Rebellion kehrten nach Ryloth zurück. Episode IX einige Twi'lek-Kreuzer und womöglich eine Admiralin Syndulla zu bescheren wäre in meinen Augen nicht die schlechteste Idee. Hera wäre nur eine Ex-Generalin die Leia zur Hilfe eilen könnte. Auch General Lando Calrissian dürfte im Kanon der Rebellion treuer ergeben gewesen sein als in den Legends. So diente Lando in Battlefront 2 wohl mindestens bis Jakku noch als General. Lando wäre in-universe eine kluge Wahl für eine Führungsfunktion, denn er kommandierte in der Schlacht von Endor die Raumjäger-Geschwader, eine durchaus nennenswerte Funktion, die an General Antilles in den Legends oder General Merrick in Rogue One erinnert. Man könnte Lando auch mit General Skywalker in den Klonkriegen vergleichen. Auf jeden Fall wäre Lando jemand der Poe Damerons und Snap Wexleys Vorschlägen gegenüber sehr aufgeschlossen sein sollte. Und vielleicht lebt ja auch Wedge Antilles noch.

Landos Vergangenheit als Geschäftsmann könnte auch dazu führen, dass sich die neuen Rebellen mit neuen Raumjägern eindecken können, denn Lando war schon zu einer Zeit aktiv, als sich die Rebellen mit ausgemusterten Y-Wing-Bombern aus den Klonkriegen versorgten. Die Neue Republik rüstete nach Jakku dramatisch ab, was bedeutete, dass all dieses Kriegsmaterial irgendwohin verschwunden sein könnte. Battlefront 2 Resurrection zeigt die Miliz von Vardos im Besitz von Schiffen der Klonkriegs- und Rebellen-Ära. Der in Episode VIII angekündigte Krieg ist jedoch keine Rebellion wie in der OT, sondern ein bereits territorial verankerter Krieg. Das Outer Rim wurde von der Ersten Ordnung geplündert und mehrfach angegriffen und es hat sich bisher nicht gewehrt. Das sollte sich nun ändern, denn die Feuchtfarmer träumen wohl nicht mehr nur von einer Zukunft fernab von Tatooine, sondern auch davon keine Überfälle durch die Erste Ordnung fürchten zu müssen. Die Gefahr die in der Ära des Imperiums im Outer Rim noch fern wirkte, ist in dieser Phase des neuen Krieges bereits seit mehreren Jahren evident. Die Neue Republik hat nichts unternommen und nun ist sie erledigt, doch der Widerstand hat mit nur einigen Schiffen massive Kriegsschiffe der Ersten Ordnung zerstört. Widerstand ist nicht nur möglich, er kann auch erfolgreich sein.

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Neujahrsvorsätze
Am Ende des Jahres sieht man viel zu oft zurück, doch es lohnt sich meistens eher nach vorne zu sehen. Während 2017 langsam ausklingt, habe ich noch schnell das größte Investment des Jahres gewagt und einen neuen PC in Auftrag gegeben - nach drei Jahren mit einer damals nur als Notnagel gedachten Maschine wäre es ja auch höchste Zeit, zumindest aus Gamersicht. Und schuld daran ist? Es gäbe jetzt eine Menge Faktoren die ich aufzählen kann, mit meinem Notnagel hatte ich bis zuletzt nur ein einziges Spiel am Laufen - Star Wars: The Old Republic. Ein Spiel das mich vor 6 Jahren dazu verleitet hat einige andere Spiele aufzugeben und irgendwie den Anschluss zu verlieren. Meine Probleme mit SWTOR sind vielfältig, denn lange hatte ich kein Problem damit dem Spiel treu zu bleiben, gerade weil ich ohne Gilde und abseits von Twitter eher isoliert unterwegs war. Selbst Foren unterscheiden sich von Social Media Plattformen wie Twitter und Foren als Zentrum einer Spieleleidenschaft sind etwas mit dem ich als Gamer aufgewachsen bin. Man konnte Foren immer auch wechseln und so in einen neuen Teil der Community eintauchen. Auf zentralisierten Plattformen wie Reddit oder Twitter ist man schon zu global vernetzt und kann einmal etablierten Pressure Groups kaum noch entkommen. Es gibt Tage da bereue ich es mal den Traum gehegt zu haben einen Abschluss in Marketing anzustreben, denn irgendwie macht mich das ganze Wissen um Word of Mouth, Social Engineering und Meinungsbildung im Allgemeinen manchmal echt paranoid. Naja, SWTOR wurde jedenfalls seit 2011 nachgesagt es wäre schon längst angezählt und irgendwie läuft der Countdown immer weiter. Aber es ist nicht die Entwicklung des Spiels die mich derzeit frustet, denn das habe ich eigentlich schon hinter mir. Ich habe die 4.0 Ära gehasst und auch 5.0 hat das Spiel für mich irgendwie ruiniert, so sehr, dass ich nicht mehr daran denke auch nur einen einzigen Char hochzuleveln, was ja in SWTOR gewissermaßen den eigentlichen Sinn und Zweck des Spiels darzustellen scheint. Seit 5.2 läuft es etwas besser, auch was die Story betrifft, aber ich habe damals auch beschlossen mich einer Gilde anzuschließen - mit allen Nebenwirkungen die das so mit sich bringt. Ich bin unter Drama Queens mit Neigungen zu Egotrips gelandet und irgendwie ließ sich da für einen einfachen Soldaten so gar nichts bewegen. Das hat meine Motivationskurve wohl endgültig unter die rote Linie gedrückt, vor allem als dann das ganze Drama um den Verrat eines populären männlichen Love interests aufkam. Die Anfeindungen und die Empörung darüber ging mir gelinde gesagt immens auf den Sack. Und ich sehe ein Problem auch damit verbunden wie diese Ingame-Romanzen für manche ausgeartet sind. Da wurden über Monate lang Sims mit den Gesichtszügen von NPCs und Spielercharakteren angelegt und Babies gemacht, was die Beziehungen deutlich vertieft haben dürfte. Und in manchen Fällen ging das für meinen Geschmack wirklich zu weit.

Wie ich außerdem immer wieder festgestellt habe, ich bin im Herzen kein PVEler. Ich farme ja gerne, aber ich bin deutlich mehr PVP orientiert und das war in meiner Gilde regelrecht verpönt. Zugegeben, ich habe Sims 2 auch gespielt, doch da war ich noch Teenager und das intakte Sozial- und Familienleben virtueller Charaktere gab mir etwas. Vielleicht ist das heute genauso für manche Sims 4-Spielerinnen, man holt sich etwas aus dem Spiel, das man im realen Leben gerade vermisst. Ich finde das ist nichts schlechtes, aber um es mit einem Ratschlag aus Inception zu halten, man sollte nichts aus dem realen Leben einbauen - denn so eine Vermengung lässt viel zu oft die Grenzen verwischen. Was im Fall der militanten Verehrung für einige SWTOR-NPCs eben vielleicht zum Problem geworden sein könnte.

Vor langer Zeit habe ich einmal festgestellt, dass sich meine Hobbies ungefähr nur 5-6 Jahre halten, manchmal weniger, niemals länger. SWTOR und ich, wir waren echt lange zusammen, vielleicht sogar länger als Total War und ich. Total War war eine meiner großen Gaming-Lieben, bis ich mit Napoleon das Interesse verlor. Von Rome, über Medieval II bis Empire war ich ein begeisterter Total War-Spiel, vor allem weil meine vorige Liebe Command and Conquer damals das Leben aushauchte und von seelenlosen Fortsetzungen wie C&C 4 zerstört wurde. Keine Frage, EA hat über die letzten Jahre viel verkackt. Als Kind war ich ein unverbesserlicher Sim City-Fan, doch das Remake? Zum Vergessen. C&C habe ich schon erwähnt. Da wurden Franchises zerstört die zu meinen frühsten Gaming-Erfahrungen gehören.

Aber es gibt noch Hoffnung. Anfang bis Mitte zwanzig hatte ich eine neue Leidenschaft entdeckt - Shooter. Ich habe Battlefield 2 gemocht, mangels leistungsfähiger Internetverbindung konnte ich jedoch erst mit Battlefront I-II (den Originalen) so richtig in die Action einsteigen. Also wieder mal ein Hoch auf Star Wars! Später liebäugelte ich eine Weile mit Bad Company 2 und Call of Duty: Modern Warfare 2. Letzteres hatte einen hochgenialen Soundtrack, aber das CoD-Franchise servierte darüber hinaus jedes Jahr nur irgendwie dasselbe. Bad Company 2 war hingegen so eine Art Platzhalter zwischen Battlefield 2 und 3, nachdem es dem SciFi-Ableger des Franchise nicht so gut ergangen sein dürfte. Bad Company 2 hatte sogar einen Vietnam-DLC und das hieß natürlich - Flammenwerfer! Ich muss sagen ich vermisse dieses unbekümmerte durch das Dickicht laufen und drauf los ballern, anstatt von einer Premade einer PVP-Gilde im Gangbang-Stil niedergeknüppelt zu werden. In Shootern hatte man die Möglichkeit mit Campern regelrecht aufzuräumen und verdammt habe ich das geliebt, selbst wenn es manchmal hieß mich mit C4 oder Granaten mitten in einem Sniper-Nest in die Luft zu jagen, nur um möglichst viele Camper mit in den Tod zu reißen.

Als Battlefront I als DICE Remake erschien hielt ich mich noch zurück, immerhin war SWTOR da für mich noch die Eine wie keine. Aber Battlefront II hat sogar Raumkampf und noch dazu einen mit den Original-Raumjägern und einem besseren Design als es GSF in SWTOR je haben wird. Wann immer ich Battlefront II-Ausschnitte sehe denke ich an die gute alte Zeit mit einem Jetpack-Trooper, Schwebepanzern und natürlich meine Massaker als Superkampfdroide. Das sind Momente denen ich als Fan nachtrauere. Ist es wirklich schon 12 Jahre her seit das Original erschienen ist?

Ein neuer PC nur für Battlefront II? Und das obwohl das Spiel durch das Mikrotransaktions-Desaster in den Augen mancher angezählt ist? Wieso auch nicht? Bis es Battlefront III geben kann wird es wohl bis 2019 dauern, selbst wenn es bis dahin nur sehr wenig DLC geben wird, es bedeutet auch, das BF II aufgrund seiner Marktstellung bis 2019 laufen wird. Und selbst wenn nicht, es wäre kein Problem auf BF I umzusteigen, für das man die DLCs mittlerweile nachgeworfen bekommt. Oder ich steige dann auf Battlefield I um, denn von einem Setting im Ersten Weltkrieg habe ich mit meiner alten Crew sogar mal geträumt.

Es gibt aber auch andere Spiele die mein Interesse geweckt haben. In meinem Freundeskreis war ich seinerzeit der erste der die Story von GTA IV durch und so ziemlich alles freigeschaltet hatte. Open World Games sind durchaus mein Ding und ich habe es immer geliebt mal in einen schnittigen Sportwagen einzusteigen, die Polizei abzuhängen und Autos zu klauen. Bis auf GTA IV konnte ich nur GTA II mein Eigen nennen, zumal mir Konsolen nach meinem Nintendo 64 in meiner Jugend verwehrt waren. Nun da es aktuell ist, fasziniert mich Assassins Creed Origins. Weil da auch so ziemlich alles zusammen kommt, was mich vor SWTOR an Games heiß gemacht hat. Open World, Ägypten als Setting (für jemanden der Pharao geliebt hat einfach traumhaft), Missionen die mich an die Arkham Games erinnern und eine Dosis römisch-ägyptischer Geschichte (Ägypten war in Rome II eine meiner bevorzugten Fraktionen).

Und weil es ohne Strategiespiel kaum geht - seit kurzem gibt es auch noch Rome II Empire Divided, ein Addon zum vor vier Jahren erschienenem Rome II. Wieder etwas wo ich zu einem Kauf verleitet bin, aber mein PC war vor drei Jahren schon nicht stark genug Rome II auf hohen Einstellungen fließend zum Laufen zu bringen. Was Empire Divided besonders reizvoll machen würde wäre die Ära. Ich besitze ja im Grunde auch Attila, weil ich Barbarian Invasion einst so geliebt habe, aber ich wurde mit Attila nie wirklich warm. Dafür wechselte ich immer wieder zu Rome II zurück. Das Hauptspiel wirkte mit allen Ergänzungen durch die Addons fast perfekt. Empire Divided ist kein Attila, aber es spaltet das römische Reich ebenfalls - in Gallisches, Römisches und Palmyränisches Imperium, die Epoche des Zerfalls und der Wiedervereinigung unter Kaiser Aurelian. Die Soldatenkaiser sind für mich höchst faszinierend, ebenso die Spaltung des Imperiums unter diesen. Und eine Aurelian-Biografie war das erste Buch welches ich dieses Jahr auf meinem Kindle gelesen habe. Fast ist es so, als würde mir die Spieleindustrie mit dem Zaunpfahl winken.

In der Jedi-Philosophie heißt es man solle nicht das tun, was man denkt, dass richtig ist, sondern das was sich richtig anfühlt. Also was fühle ich im Moment? Wenn ich an SWTOR denke finde ich nichts was ich tun will. Meine Finger und Hände sehnen sich jedoch nach etwas. Danach an Wänden entlang zu klettern und Wachen aus dem Weg zu räumen und durch ein Zielfernrohr Headshots zu verteilen oder Legionen beim Erstürmen einer Festung zuzusehen. Ich hätte gerne etwas zum Erfarmen und Erlernen, weil mir ansonsten wirklich langweilig ist.

Was mich bestärkt ist die Gewissheit, dass es für manche Entscheidungen wirklich langwierige Einflüsse benötigt. Also sei soviel dazu verraten. Vor etwa vier Wochen bin ich mäßig schwer erkrankt und als es mir langsam besser wurde aka als ich mehr als genug Zeit hatte mir Beschäftigungsmöglichkeiten zu überlegen, da reizte mich SWTOR kein bisschen. Nach drei Wochen Krankheit war mir klar, soweit es Gaming betrifft herrscht bei mir tote Hose. Flash Forward zum ersten Tag nach den Feiertagen - die Order für einen neuen Gaming-PC ist aufgegeben und die Wunschliste an Titeln ist aufgestellt - fehlt nur noch der PC und dann können die Downloads beginnen.

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