Dienstag, 3. Jänner 2017
Neue Hoffnungsträger (Rogue One Review - Episode IV)

Heldensterben

"So ein Scheiß, dass die alle gestorben sind." Normalerweise sage ich diesen Satz spöttisch, doch im Fall von Rogue One musste ich beim Verlassen des Kinosaals und passieren der nächsten Rogue One-Besuchergruppe darauf verzichten. Er war zu dicht an der Wahrheit. Gerade wer Spoilern zugeneigt ist, wie ich normalerweise auch, der dürfte schon vorab gelesen haben "es sterben alle". Das zu wissen verändert sicher wie man den Film sieht. Für mich bestand an jeder Wendung immer noch die Möglichkeit, dass jemand überlebt, um die Geschichte von Rogue One zu erzählen. Daher war es für mich auch geradezu selbstverständlich als Cassian Andor auf Scarif seinen Hero Shot auf Orson Krennic abfeuerte und Krennic selbst das Ende Scarifs miterleben musste. Doch Bodhi Rook, K-2SO, Baze Malbus und der humorigste Blinde der Galaxis hatten zuvor sehr eindeutig ihr Leben gelassen. Fest in der "die Helden sterben nicht"-Ansicht verzwurzelt argumentierte ich nach der Zerstörung Jedhas auch dafür, dass Saw Gerrera sicher irgendwie im letzten Moment entkommen war. Bis ich das Hörbuch "gelesen" habe glaubte ein Teil von mir auch weiterhin an diese Möglichkeit.

Rogue One wagt ein riskantes Experiment, denn der Standalone führt völlig neue Charaktere ein und bringt diese in seinem finalen Akt auch nacheinander um. Kann so etwas gut gehen? Ich bin mir bis heute nicht ganz sicher. Vom Merchandising-Wert bezweifle ich, dass in einigen Jahren noch jemand nach einem Orson Krennic oder gar einem Cassian Andor Comic oder Roman verlangen wird. Gerade als Star Wars-Fan bemisst man den Wert eines Charakters immer wieder danach, welche Rolle dieser in einem Expanded Universe über seinen Filmauftritt hinaus spielen könnte. Imo hat Rogue One daher das Tarkin-Problem. Das Tarkin-Problem? Ja, davon wird noch kaum einer gehört oder gelesen haben, aber es ist etwas, das mir seit Lucenos Tarkin-Roman durch den Kopf geht. Jahrzehntelang existierte Tarkin als genau so ein Rogue One-Charakter. Er hatte seinen Platz in der Handlung eines einzigen Films und dann starb er. Jahrelang kam da nichts, bis er in The Clone Wars als Captain auftauchte, zum Admiral befördert wurde, Ahsoka Tano den Prozess machte und schließlich seinen eigenen biografischen Roman samt Auftritt in Rebels erhielt. In Episode III war er auch, aber diesen Cameo zähle ich so gut wie nie. Tarkin existierte um zu sterben. Nun hat ihn James Luceno in seinem Roman jedoch zu einer Figur gemacht, die eine vollständige Hintergrundgeschichte und Motive besitzt. Der kanonische Tarkin hatte zwar keine Affäre mit Natasi Daala, doch dafür ist der Grand Moff im Kanon auch selbst deutlich interessanter als je zuvor. Tarkins Verteidigung von Sentinel Base im Luceno-Roman bezeugt etwa die Raffinesse des Moffs und warum dieser deutlich fähiger war als die meisten imperialen Bürokraten. Seine größte Schwäche wird jedoch in Catalyst enthüllt. Tarkin verbietet es sich jemals vor einem Gegner zurückzuweichen.

Unterm Strich finde ich die Entscheidung alle Protagonisten zu ermorden mutig und konsequent, also intellektuell richtig, aber gefühlsmäßig? Da fehlt mir etwas. Zu einigen Charakteren fiel es mir schwer eine Bindung aufzubauen und auch das Prequel Catalyst und das Buch zum Film konnten mir da nicht helfen. So konnte ich etwa eine stärkere Bindung zu Lyra Erso als zu ihrer Tochter Jyn aufbauen.

Jyn Erso

Die Tochter des Superlaser-Architekten Galen Erso ist die nominelle Heldin Rogue Ones und sie erfüllt diese Aufgabe mit Bravour. Jyn ist am Beginn von Rogue One bereits eine Gefangene des Imperiums, nachdem sie sich die letzten Jahre als Kleinkriminelle durchgeschlagen hat. Dabei könnte Jyn eigentlich zum Adel der Rebellion gehören. Ihr Vater sorgte für die Konstruktion eines ganz bestimmten Reaktorschachts im ersten Todesstern, ihr Ziehvater war einer der kampferprobtesten Anführer der Rebellion und ihre machtsensitive Mutter zeichnete sich schon früh durch ihr Unbehagen über die Veränderungen der Republik aus. Dass Lyra Erso nicht selbst zu einer der ersten Rebellinnen wurde war nur möglich weil sie sich für Jyn und Galen dazu entschied ein bürgerliches Leben zu führen. Dass Jyn in Catalyst und Alexander Freeds Rogue One-Roman mehrmals als Ebenbild ihrer Mutter beschrieben wird ist kein Zufall, auf gewisse Weise führte Jyn das Werk ihrer Mutter fort.

Dass Jyn auf Scarif stirbt beraubt sie zwar der Möglichkeit die Mutter Reys zu werden, aber die in Rogue One 21jährige könnte in den Jahren zwischen Catalyst und Rogue One ein sehr bewegtes Leben geführt haben, bei dem sie nach ihrem Abschied von der Rebellion auch einige Zeit als Schmugglerin aktiv gewesen sein könnte. Ein Cameo im Han Solo-Film oder anderen Werken über die Dark Times (zwischen Episode III und IV, der Begriff könnte ja irgendwann auch auf eine andere Periode angewesendet werden, solange er nicht kanonisch ist) ist im Falle Jyns nicht völlig auszuschließen.

Was Jyn interessant macht ist die Frage ihrer möglichen Machtsensitivität und ihres womöglich von Galen Erso geerbten Intellekts. Außerdem war sie eben die "Tochter" Saw Gerreras und wenn der Befreier Onderons kinderlos geblieben sein sollte, dann war Jyn wohl auch sein Vermächtnis. Oder es gibt irgendwo eine nach ihrer Tante benannte Steela Gerrera, die womöglich einen friedfertigeren Weg als ihr Vater eingeschlagen hat. Eine Gerrera-Tochter im Alter Lukes und Leias wäre auch in Hinsicht auf den Frieden zwischen Episode VI und VII bzw. den Aufstieg von Leias Widerstand ein interessanter Charakter und manche Medien hätten endlich ihre schwarze Mittfünfzigerin in einer tragenden Rolle. Eine Steela II. könnte auch gewisse Züge Mace Windus tragen und es wäre ein netter Callback von Saws Tod für seinen Traum zu sprechen, womit man auch an das berühmte Martin Luther King-Zitat anknüpfen könnte. Kanzlerin Gerrera... aber ich träume wohl selbst schon.

Cassian Andor

Schon die Erkenntnis, dass Cassian ein Captain innerhalb des Rebellen-Geheimdienstes ist verdeutlicht die enorme Mobilität innerhalb der Rebellen-Allianz. Cassian ist laut den verfügbaren Quellen erst 26, aber wenn man bedenkt, dass Luke in Episode V mit 22 bereits Commander ist? So jung beförderte das Imperium seine Offiziere erst nach dem Verlust des Ersten Todessterns.

Was Cassian neben seiner Rolle in Rogue One interessant macht ist all das was im Film nur eine Nebenrolle spielt und selbst im Roman nur nebenbei erwähnt wird. So stammt Cassian aus einer Familie von Dissidenten. Sein Vater wurde bei Protesten gegen die Militärakademie auf Carida erschossen. Cassian selbst wurde bereits mit 6 Jahren Teil einer separatistischen Terrorzelle auf Fest, wo er als Kindersoldat eingesetzt wurde um Steine und Flaschen (Molotovcocktails?) auf Klonsoldaten und Walker zu werfen. Die Ewoks hatten wohl deutlich mehr Erfolg als der 6jährige Cassian. Somit ist Cassian Andor wohl der erste bekannte Separatist auf Seiten der Rebellion, sieht man von Sergeant Hizram Namir aus Battlefront: Twilight Company einmal ab. Wobei ja eigentlich Namirs Vater für die Separatisten kämpfte und der Sohn nur einigen lokalen Warlords die Gefolgschaft schwor, bis er nach einer Schlacht für die Imperialen ins Lager der Twilight Company geriet. Das Imperium hat nicht nur Jyn Ersos Leben zerstört, auch Cassian Andor wurde quasi zum Rebellen erzogen. Nur anders als Jyn blieb er dabei und machte sich wie in Rogue One auch die Hände schmutzig. Cassian ist auch der erste kaltblütige Mörder den wir auf Seiten der Helden bestaunen durfte. Nach der ganzen Han shot first-Debatte um George Lucas Änderung an Episode IV ist zumindest eines klar, Cassian shot first. Ob Cassian vielleicht Geschwister oder Kinder hatte?

Jyn Erso hat Cassian Andor wieder so etwas wie Hoffnung gegeben, nachdem dieser längst jene Ideale aufgegeben hatte, welche die Rebellion nach Rogue One verkörpern sollte. Ohne die Jedi oder selbst nur jedihafte Figuren scheinen die Helden kaum in der Lage zu sein sich wirklich als die moralisch überlegene Fraktion zu behaupten. Wenn man bedenkt wie Cassian aufgewachsen ist, dann kann man ihm sein skrupelloses Verhalten wohl noch eher verzeihen als Saw Gerrera. Cassian hatte keine andere Chance als gegen das System zu rebellieren.

Ich kann mich für Cassian Andor wirklich begeistern und ich gehe davon aus, dass sein separatistischer Hintergrund und seine lange Dienstzeit für die Rebellion ihm noch irgendwann eine Rolle in einem Dark Times-Werk verschaffen könnten. Cassian hat durch seine Insubordination die Operation auf Scarif überhaupt erst ermöglicht und man könnte die Geschichte so schreiben, dass Captain Cassian Andor der Mann war, der den Rebellen die Todessternpläne verschaffte. Zusammen mit Sergeant Jyn Erso, eine "Beförderung" die Jyn allerdings nur im Roman ausgesprochen erhält, um sie zu einer offiziellen Rebellin zu machen. Müsste man eine offiziöse Geschichte der Rebellion schreiben, so wäre man wohl gezwungen dem Offizier Andor den Löwenanteil der Lorbeeren zuzusprechen.

K-2SO

Für The Clone Wars-Fans könnten die KX-Droiden ein höchst interessantes Modell sein, denn wie aus einigen Äußerungen K2s hervorgeht ist er scheinbar in der Lage Chancen und Strategien zu berechnen. Fast wirkt K2 daher wie einer der Tactical Droids oder Super Tactical Droids aus TCW, die dort als Kommandeure oder zumindest Offiziere der Droidenarmee hervortraten. Dennoch waren diese Droiden auch mit einigen Selbstverteidigungsprotokollen ausgestattet, was wohl der Selbstverteidigungsausbildung republikanischer Offiziere oder Klon-Offiziere entsprechen sollte. K2 ist jedenfalls mehr als ein einfacher Sicherheitsdroide, er kann sogar Cassians U-Wing steuern und defekte Bordsysteme reparieren, was entweder auf eine umfangreiche Reprogrammierung oder bereits standardmäßig vorhandene Programme der KX-Serie hindeutet. Nachdem K2 keine eingebauten Waffensysteme besitzt und auch sein Chassis nicht unzerstörbar wirkt (auch wenn es in seiner Färbung an Superkampfdroiden erinnert) lässt sich wohl davon ausgehen, dass die KX-Serie nicht primär als Kampfdroiden entwickelt wurde, wobei auch die B1 Kampfdroiden der Handelsföderation von externer Bewaffnung abhängig waren. Die einzigen imperialen KX-Einheiten die man in Rogue One trifft laufen allerdings unbewaffnet und eher wie administrative Beamte umher. Was K2 besonders macht ist seine Reprogrammierung. Wie der Roman zum Film betont sind KX-Droiden dazu bestimmt stets ehrliche Antworten zu geben, sodass K2 in Rogue One erhebliche Probleme damit hat im Auftrag Cassians zu lügen. Für einen taktischen Berater mag das ein Feature sein, für den Partner eines Agenten der Rebellen-Allianz ist es eher ein Nachteil. Doch so ist K2 zumindest witzig.

Chirrut Îmwe und Baze Malbus

Auch ohne die Jedi drückt die Macht Rogue One ihren Stempel auf und es wird noch lange dauern bis sich die Diskussionen, um die mögliche Machtsensitivität der Guardians of the Whills oder Jyn Ersos beruhigt haben. Es wirkt jedenfalls so, als würde die Macht durchaus durch die Wächter des Kyber-Tempels laufen und das würde seit den Prequels eigentlich die Frage aufwerfen, wie es mit deren Midichlorianer-Werten aussieht. Aber seit Disneys Übernahme des Star Wars-Franchise wissen Fans von einer allgemeinen Stimmungslage zu berichten, dass die Prequels nicht mehr als das Maß aller Dinge zu gelten scheinen. So wurde auch von offizieller Seite her bestätigt, dass das sehr engstirnige Midichlorianer-Konzept mit Rogue zumindest stark aufgeweicht wurde. Nicht jeder der für die Macht empfänglich ist könnte also wohl ein Jedi werden, aber die Macht zu fühlen oder an sie zu glauben und so mit ihr zu kommunizieren schafft erzählerisch gänzlich neue Möglichkeiten. Man ist wohl bemüht die Midichlorianer vergessen zu machen und der Macht ihre unergründbare Mystik zurückzugeben.

„You must unlearn what you have learned.“
- Yoda

Halten wir es wie Yoda und vergessen wir alles was wir über die Macht zu wissen glaubten, dann erscheint es auch glaubwürdig, dass die jahrzehntelange Gegenwart der Kyber-Kristalle auf Jedha die Wächter des Kyber-Tempels irgendwie verändert hat. Kyber-Kristalle sind ein Bindeglied zwischen der physischen Welt und der Macht, sie wachsen und sind selbst so etwas wie Lebewesen im Einklang mit der Macht. Ständig von der Macht umgeben zu sein und durch Korridore zu wandeln, in denen jede Erschütterung der Macht praktisch die Deckenleuchter wackeln lassen könnte, könnte die Wächter durchaus geprägt haben. So wie die Jedi-Tempel könnte auch der Kyber-Tempel auf einem Machtnexus errichtet worden sein, in ihm wird alles verstärkt und jeder Sinn geschärft. Interessanterweise gibt es eine derart beschriebene Szene in einem der Jugendromane der Journey to the Force Awakens. Im Luke Skywalker-Roman The Weapon of a Jedi besucht Luke den Jedi-Tempel auf Devaron und kann dort für geraume Zeit Machtfähigkeiten mobilisieren, die ihm von seinem Trainingsstand her eigentlich noch nicht dauerhaft zur Verfügung stehen. In Catalyst wiederum meditiert Lyra Erso während der Klonkriege gerne in der Nähe des Jedi-Tempels, einem bekannten Machtnexus. Lyra kann die Macht fühlen, aber nicht wirklich nutzen (via Telekinese bspw.) und sie genießt die Natur. Als Höhlenforscherin hat sie auch schon einige mystische Machtorte besucht und war zweifelsfrei bereits in Kontakt mit Kyber-Kristallen. Wiederum auf Devaron können normale Devaronier fühlen, dass der ehemalige Jedi-Tempel irgendwie unheimlich ist und manche sprechen in diesem Zusammenhang sogar von spukenden Geistern. Seit Savage Opress Massaker und der Verwüstung durch die Imperialen hat sich das Gleichgewicht der Macht hier verändert und dieser Wandel macht sich auch für normale Lebewesen bemerkbar.

Meiner Meinung nach verfügt Chirrut Îmwe über eine Art Macht-Sicht, wie man sie aus den Legends von den Miraluka kennt. Im neuen Kanon ist auch der erblindete Jedi-Ritter Kanan Jarrus ein Beispiel dafür wie man ohne Sicht nur mit Hilfe der Macht kämpfen kann. Chirruts übersinnliche Fähigkeit geht imo zweifellos auf die Macht zurück bzw. seine Daredevil-haft verstärkten Sinne. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Chirrut als ehemaliger Wächter Kyber-Kristalle erspüren kann, so etwa den an Jyns Halskette oder die Kyber-Kristalle im Herzen des Todessterns. Diese Fähigkeit mag sehr nützlich gewesen sein, wenn es früher darum ging Diebe von Reliquien mit Kyber-Kristallen aufzuspüren. Das Beste an Chirrut ist jedoch, dass er beweist wie fähig selbst ein „schwacher“ Machtnutzer sein kann, der weder X-Wings aus Sümpfen heben oder über meterweite Abgründe springen kann. Ich denke bei Chirrut und Baze immerzu an die Korunnai aus Matthew Stovers Shatterpoint, diese Nachfahren gestrandeter Jedi (ähnlich den Hexen von Dathomir aus den Legends) nutzten die Macht ähnlich intuitiv.

Baze Malbus als rauer Gefährte Chirruts ist nicht weniger interessant als der blinde Mönch selbst. Baze wird als vom Glauben abgefallener Wächter dargestellt, doch Chirrut nennt ihn den einst hingebungsvollsten von allen Wächtern. Was Baze Malbus dazu geführt hat die Macht derart abzulehnen? Wir werden es hoffentlich irgendwann erfahren. Im Gegensatz zum spirituellen Chirrut zeigt Baze seine Gefülle nicht und ist weit emotionaler, er weist nicht die geringste Ähnlichkeit zu einem Jedi oder Kriegermönch auf. Dennoch ist Bazes Zielgenauigkeit mit einer plumpen Waffen unglaublich. Womit mich Baze Malbus an einen anderen Star Wars-Roman des neuen Kanons erinnert, Kevin Hearnes Heir to the Jedi. Auch wenn ich diesen Roman nicht mochte, er weist für die Lore bedeutende Szenen auf. So gibt es auch in Heir to the Jedi eine Strandszene in der es zum Gefecht zwischen Luke und einigen Söldnern kommt. In einem Anfall von Wut über den Tod seiner Gefährtin Nakari Kellen spürt Luke zum ersten Mal die dunkle Seite und er beschreibt das Gefühl als eines der Unverwundbarkeit. Luke fühlte sich in der Lage alle Söldner im Alleingang auszuschalten und mit Präzisionsschüssen aus dem Weg zu räumen. Etwas ähnliches kennt man vielleicht aus dem Legends-Roman Darth Bane: Path of Destruction, in welchem Sergeant Dessel die Macht für ähnliche „Glückstreffer“ einsetzt. In Alexander Freeds Rogue One-Roman liest sich diese Terminator-Szene auch so, als würde Baze sich auf seine Emotionen und damit die dunkle Seite einlassen. Er stirbt trotzdem, aber sterben müssen in Rogue One eh alle und auch die getroffenen Death Trooper hätte es später noch erwischt, wenn Tarkin auf Scarif feuern lässt. Für mich ist jedenfalls eines klar, bei den Wächtern ist definitiv die Macht im Spiel.

Bodhi Rook

Es hat für mich das Hörbuch zu Rogue One gebraucht, damit ich mich mit Bodhi Rook anfreunden konnte. Im Film geht dieser Charakter praktisch unter, denn seine Motive spielen kaum eine Rolle. Bodhi ist der imperiale Deserteur der Truppe und stammt von Jedha, als Erklärung muss das reichen. Dass die Befragungsmethode Saw Gerreras bei ihm Spuren hinterließ und er fortan nicht mehr derselbe ist kommt erst im Hörbuch richtig ins Spiel, wenn andere Charaktere sich die Frage stellen, wie Bodhi wohl früher gewesen sein könnte. Bodhi ist Pilot und Erinnerungen an seine Vergangenheit spielen nur im Buch eine Rolle, aber faktisch ist Bodhi ein reuiger Sünder. Er hat als Imperialer mitgeholfen seine Heimat zu zerstören und Kyber-Kristalle ausgeflogen, die zuvor Jahrtausende ungestört auf Jedha lagerten. Um eine Superwaffe zu bauen, die schließlich dazu eingesetzt wurde alles und jeden zu vernichten der ihm auf Jedha je nahe stand. Leias Alderaan-Trauma erhält durch Bodhi Rook, Baze und Chirrut eine völlig neue Bedeutung. Es war Tarkin egal auf Jedha oder Scarif sogar Imperiale zu töten, nur um einige Rebellen los zu werden. Neben Auslandsalderaanern stellt sich nun auch die Frage, was wohl aus den Auslandsjedhanern wurde oder wie Tarkins Opferbereitschaft der eigenen Leute manchen Imperialen nach der Schlacht von Yavin und im Zuge des Vorstoßes der Rebellion (wie in Twilight Company beschrieben) zum Deserteur gemacht haben könnte. Wenn eine Stationierung auf Scarif tatsächlich als Belohnung angesehen wurde, dann dürften die Geschwister oder Kinder einiger derart hochverdienter Imperialer nicht mehr allzu gut auf Tarkin zu sprechen gewesen sein. Wenn sie jedenfalls von den tatsächlichen Ereignissen erfuhren. Bodhi Rook könnte nicht der einzige Imperiale mit Gewissensbissen gewesen sein, der von der dunklen Seite seines Arbeitgebers abgestoßen gewesen sein dürfte. Interessant ist auch die Frage, wann und wie man im Kanon mit dem Bau des zweiten Todessterns umgehen wird. Dessen Technologie würde ja auch auf das Werk Orson Krennics zurückgehen und Kyber-Kristalle sollten neuerlich den Kern der Superlasertechnologie darstellen. Ein Rogue Two über die Aktion der Bothaner und Palpatines Falle würde voll in die heiße Phase der Rebellion fallen und könnte auch die Gastauftritte zahlloser bekannterer Charaktere beinhalten. Der erste Todesstern befand sich knapp über 19 Jahre im Bau. Der zweite soll nach vier Jahren zumindest teilweise einsatzfähig gewesen sein?

General Syndulla

Rebels ist noch lange nicht abgesetzt, auch wenn eine neue Serie bereits gerüchteweise in der Entwicklung ist. Die Auftritte der Ghost auf Yavin 4 und in der Schlacht von Scarif, sowie Choppers in der Yavin-Basis sind ein starker Hinweis, dass zumindest ein Teil der Seriencharaktere überleben könnte. Auf Yavin 4 kommt zumindest in der Originalfassung des Films ein Aufruf für General Syndulla vor, die nach einer offiziellen Bestätigung tatsächlich Hera Syndulla sein soll. Chopper, Hera und die Ghost überleben also, auch wenn Kanans und Ezras Schicksal als Jedi ein Problem für Episode IV darstellen würde. Aber vielleicht reisen sie ja zum Serienschluss allesamt nach Alderaan, um dort auf Obi-Wan Kenobis Rückkehr zu warten. Von Interesse ist im Fall der Rebels, dass es angeblich Überlegungen gibt, die Schlacht von Scarif irgendwann aus Sicht der Ghost und ihrer Crew darzustellen. Dass es Hera bis zur Generalin gebracht finde ich indessen nicht verwunderlich. Als Tochter des legendären Cham Syndulla und jemand der in Rebels wohl die Auseinandersetzung mit Thrawn und Tarkin überstehen wird ist sie sicher eine Ikone des Widerstands gegen das Imperium. Mit Hera verbunden ist meiner Meinung nach auch das Schicksal Sabines und der Mandalorianer. Sabine Wren entwarf wohl das bekannte Allianz-Symbol und nach allem was Mandalore in den Klonkriegen erlebt hat könnte sie auch die beste Chance sein die Mandalorianer zu einem Teil der Rebellion zu machen. In Rogue One wäre Sabine bereits 21 und nachdem die Jedi schon Satine Kryze halfen zur Herzogin Mandalores aufzusteigen könnten Kanan und Ezra ja hinter dem Aufstieg Sabines zur neuen Mand’alor stehen. Außer man entscheidet sich für Bo-Katan Kryze oder Corkie Kryze. Ein Bündnis der Mandalorianer mit der Rebellion würde auch ein bisschen an Knights of the Fallen Empire erinnern.

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Saw Gerreras Rache (Rogue One Review - Episode III)


"Save the Rebellion! Save the Dream!"
- Saw Gerrera

Der Rebell der ersten Stunde

Disneys Star Wars ist ein Star Wars von Fans für Fans und so mancher Eingriff der Story Group lässt sich auch so darstellen, als hätte man schlicht und ergreifend die Gebete dieser oder jener Fangruppe erhöht. Das gewaltige Reservoir an Legends-Charakteren und Figuren aus kanonischen Comics, Serien und Romanen macht es leicht Charaktere für Gastauftritte zu finden, die sofort auf jeder Fansite publiziert und verbreitet werden. In Rogue One sind das einige, sowohl für Filmkenner, als auch für Fans der beiden Serien und alten Legends-Material. In Star Wars Rebels wurde es vorgemacht, denn dort hat man einige The Clone Wars-Charaktere bereits in eine neue Serie übernommen und dabei das Star Wars-Universum sinnvoll ausgebaut. Anstatt in jeder Serie, jedem Film und jedem anderen Ableger sein eigenes Süppchen zu kochen verbindet man nun diese ganzen Einzelteile, sodass es sich auch ganz so anfühlt, als gäbe es nur diese eine große GFFA und nicht verschiedene Universen oder Zeitlinien. Spannend wird es nun, da Rogue One neben dem Cameo Choppers (auf Yavin 4), der Ghost (in der Schlacht über Scarif), der auf in Rebels gekaperten Schiffe (die Hammerheads über Scarif) und „General Syndullas“ (Hera Syndullas, die in Rebels bisher nur Commander ist) sogar einen ehemaligen Seriencharakter als zentrale Figur verwendet. Man hätte sich in früheren Zeiten ja vorzustellen gewagt Saw Gerrera in Rebels zu sehen, immerhin war er ein Seriencharakter, doch nun springt zum ersten Mal in der Geschichte von Star Wars ein „EU-Charakter“ mit einer bedeutenden Sprechrolle in einen Film. Saw Gerrera ist ein Charakter zu dem es bereits eine Vorgeschichte gibt und dessen Erwähnung in Claudia Grays Bloodline schon Hoffnungen auf einen Auftritt in Rebels oder einem anderen Roman weckte. In Bloodline wird Saw Gerrera von palpatinefreundlichen Kreisen im neu-republikanischen Senat als Terrorist bezeichnet und selbst Leia Organa kann sich diesem Argument nicht völlig entziehen. Schlussendlich wird Leia ähnlich verbittert wie Cham Syndulla oder Saw Gerrera sein und ihre eigene Partisanengruppe gründen, die von einem geheimen Stützpunkt aus beginnen wird eine Kampagne gegen den Nachfolgerstaat des Imperiums zu starten. Und so schlittern wir in Episode VII mit General Organa als der gemäßigten Erbin dieser beiden Rebellen und Klonkriegsveteranen.

Das Besondere an Saw Gerrera ist, dass er einer Initiative der Jedi entstammt, die gegen Ende der Klonkriege eine zweite Front gegen die Separatisten eröffneten, indem sie begannen entgegen der diplomatischen Zurückhaltung der Republik Widerstandsgruppen auf neutralen Planeten Hilfe zukommen zu lassen. Jedi-Generäle und Klonoffiziere bildeten als Berater „Rebellen“ aus. Man kann sich schon vorstellen wie dieses vor dem Senat und Palpatine geheim gehaltene Vorgehen nach Order 66 in die Liste der Verbrechen der Jedi-Generäle aufgenommen wurde. Die Jedi bildeten schließlich einige jener „Terroristen“ aus, die wie Saw Gerrera jahrelang zu einem Dorn im Auge des Imperators werden sollten. Nicht zu vergessen wäre dabei auch, dass der Twi’lek-Freiheitskämpfer Cham Syndulla (der Protagonist von Paul Kemps Lords of the Sith, ein Roman der Rogue One-Fans gefallen könnte) einst ebenso von den Jedi protegiert wurde, auch wenn sich Twi’leks Senator Orn Free Taa (ein dekadenter Palpatine-Lakai) gegen ein Bündnis mit dem Radikalen aussprach und Palpatine selbst Bedenken anmeldete. Für den Masterplan der Sith wäre es wohl sinnvoller gewesen Syndulla bereits durch die Separatisten eliminieren zu lassen, womit ein Machtspiel wie in Lords of the Sith erst gar nicht notwendig gewesen wäre. Saw wurde von Captain Rex, den Generälen Kenobi und Skywalker, sowie Commander Ahsoka Tano auf Onderon ausgebildet, nachdem sich der Planet zu Kriegsbeginn von der Republik los gesagt und schließlich für die Separatisten entschieden hatte. Onderons Senatorin Nina Bonterri war indessen eine idealistische Verfechterin von Dookus Sache und hätte als Vertraute Padme Amidalas fast einen Waffenstillstand in den Klonkriegen erreicht. Durch das Schicksal der Bonterris wird erst klar wie verlogen die Klonkriege auf beiden Seiten geführt wurden, denn viele von Dookus Anhängern glaubten an die Korruptheit der Republik und erkannten nichts von Dookus Kriegsverbrechen oder seinem Paktieren mit den Gilden. Man setzte auf Droiden anstatt eine Sklavenarmee aus Klonen und mit Dooku schlug sich ein weltoffener und wortgewandter Ex-Jedi auf ihre Seite, der vielleicht auch etwas vom Ruf seines Padawans Qui-Gon Jinn für sich nutzte. Leider kamen solche alternativen Sichtweisen in The Clone Wars nur gelegentlich vor und wurden in den Romanen seit Episode II fast völlig außer acht gelassen. Nur James Luceno gelang es in seinen Werken den anderen Dooku aus dem Schatten zu holen.

Als die Separatisten auf Onderon (der Planet selbst stammt aus dem Expanded Universe und kam sogar in Knights of the Old Republic II vor) den Sturz des rechtmäßigen Königs tatkräftig unterstützten etablierte dieser ein zunehmend repressiver werdendes Regime, gegen welches Saw und Steela Gerrera zu den Waffen griffen. Unterstützt von Lux Bonterri nahmen sie Verbindung zum Jedi-Orden auf. Nach dem Abzug von Kenobi, Skywalker und Rex blieb Ahsoka auf Onderon zurück, um die Rebellen weiterhin zu beraten. Die Expertise der Jedi und ihrer Klone beim Kampf gegen die Droiden der Separatisten erwies sich als entscheidend für die frühen Erfolge der Rebellion auf Onderon. Die Methoden der Aufständischen verunsicherten jedoch die Zivilbevölkerung, welche sich fest im Griff der separatistischen Propaganda befand. Mehr Sicherheitscheckpoints, mehr Truppen auf den Straßen, mehr Unsicherheit – die Rebellen mussten ihre Strategie ändern, um öffentliche Unterstützung zu gewinnen. Bis dahin wurden die Rebellen von Saw Gerrera geführt, der sich aufgrund seines soldatischen Talents als Anführer etabliert hatte.




Als öffentliches Gesicht der Rebellion bot sich jedoch die weniger hitzköpfige Scharfschützin Steela Gerrera an, Saws Schwester. Nach einer verlorenen Kampfabstimmung um die Führung der Rebellen stürzte Saw aus dem Raum und wollte eigenhändig den gestürzten König befreien, wobei er jedoch nur in Gefangenschaft geriet. Unter Steelas Führung gelang es den Rebellen Saw, sowie den gefangenen König zu befreien und der Patriotismus der Gerrera-Geschwister beeindruckte sogar den General der Königlichen Garde, sodass dieser inspiriert durch Steela und Saws Widerstand gegen seine separatistischen Folterer ebenfalls die Seiten wechselte. Der fortgesetzte Widerstand der Rebellen führte schließlich zum Einsatz experimenteller Killerdrohnen durch den separatistischen Militärberater Kalani (einen Super Tactical Droid der sogar die Klonkriege überstand und in Rebels auftreten durfte). Mit Hilfe einer Lieferung von Sienar Raketenwerfern durch Hondo Ohnaka (der dafür wiederum unter strikter Geheimhaltung von den Jedi angeworben und bezahlt wurde) gelang es den Rebellen auch diesen Angriff abzuwehren, er kostete jedoch das Leben Steela Gerreras. Zum Glück der Rebellen zogen die Separatisten kurz darauf ihre Truppen zurück und Kalani ermordete den falschen König, womit es den Rebellen gelang Onderon wieder zu einem freien Staat zu machen, jedenfalls bis zum Untergang der Republik. Wie aus Rebels hervorging dürften die Imperialen Onderon wieder besetzt haben und Saw Gerrera sah sich wohl gezwungen seinen Krieg wiederaufzunehmen.

Die Rache der Jedi-Ritter



"Another armed occupation is not a free Ryloth! How long before I am fighting you, Master Jedi?"
- Cham Syndulla zu Mace Windu

Dass sich die Jedi freiwillig mit der Klonarmee umgaben war ihr Untergang. Palpatines Befehl zur Ausführung von Order 66 war ein Geniestreich der über ein Jahrzehnt Vorbereitungszeit gebraucht hatte. Die Jedi mit einer Klonarmee auszustatten war auch insofern sinnvoll, weil ihr Einfluss auf das ihnen unterstellte militärische Personal enorm war. Klone wie Rex hätten sich der Ausführung von Order 66 widersetzt. Dass Order 66 von normalen Menschen ausgeführt worden wäre war unwahrscheinlich, nur Captain Tarkin wäre wohl mit dabei gewesen. Schon bei Admiral Yularen hätte ich meine Zweifel gehabt. Hätte man in Episode II keine Klonarmee besessen, so wären die Jedi gezwungen gewesen planetare Milizen zu mobilisieren oder im Stil der Rebellen von Onderon Widerstandsgruppen zu organisieren. Anstatt eines Klonkriegs hätte es eine sehr machtvolle Rebellion gegeben.

Die ersten Rebellen sind das Erbe des Jedi-Ordens, auch wenn sie zum Scheitern verurteilt waren. Nur Anakin Skywalker konnte die Herrschaft der Sith schließlich beenden und auch das funktionierte nur durch den Umweg über Anakins Sohn. Die zweite Generation der Helden erweist sich in der Star Wars-Saga als strahlender als die erste. Bei der dritten steht ein solches Urteil noch aus, immerhin hat Ben Solo 2015 nicht gerade den Eindruck erweckt ein Held zu sein. Luke Skywalkers Ruf als legendärer Pilot und Bezwinger des Imperators strahlt jedoch auch auf die dritte Generation der Helden aus. Ein Poe Dameron, der auf Yavin 4 aufgewachsen ist und in die Fußstapfen seiner Mutter der Pilotin trat, tat das wohl auch, weil er vielleicht ein wenig wie Luke Skywalker sein wollte. Yavin 4 hätte es ohne Lukes „Glückstreffer“ sonst auch nicht mehr gegeben und der machtsensitive Baum im Garten der Damerons war ein Geschenk Lukes. Wenn man schon Jyn Ersos Kyberkristall-Anhänger als Verbindung zur Macht deuten kann, welchen Effekt hatte es dann wohl im Schatten eines Baumes aufzuwachsen, wie er einst im Hof des Jedi-Tempels auf Coruscant stand? Man muss kein Jedi sein, um durch die Macht beeinflusst zu werden. Die Midichlorianer sind seit Rogue One offiziell nur noch eine Möglichkeit den Einfluss der Macht zu erklären. Die Macht darf nun wieder mysteriös und unberechenbar sein.

Verluste

“What will you do when they catch you? What will you do if they break you? If you continue to fight, what will you become?“


Saw Gerrera kennt sich mit Verlusten aus. Schon in den Klonkriegen verlor er seine Schwester. Es war der Preis um die Separatisten von Onderon zu vetreiben. Zuvor wurde er durch sein eigene Hitzköpfigkeit noch gefangen und gefoltert. Seine im Trailer vorkommende Ansprache hat es zwar nicht in den Film geschafft, aber sie ist interessant, denn sie beschreibt wohl Saws eigenen Lebensweg. Der erste Rebell gab nie auf und kämpfte immer weiter. Er überlebte und opferte sich Stück für Stück auf, um den Kampf weiterzuführen. Doch wofür? Und was wurde er dadurch? Ein Cyborg, wäre die naheliegende Antwort. Cyborg-Saw ist jedoch eine krude Gestalt, die im Gegensatz zu Darth Vader oder einem Count Vidian eher so wirkt, als wären lebenserhaltenden Systeme einzig und allein dazu da ihn am Leben zu halten. Saws Cyborg-Körper ist kein Kampfanzug und damit bleiben Saw nur sein eiserner Wille und sein Ruf als Waffen. War Saw in den Klonkriegen ein Mann in seinen 20ern sollte er nun in seinen 40ern sein, auch wenn Forest Whitaker selbst bereits 55 wäre und in seiner Rolle sogar noch etwas älter aussieht. Saw ist durch Verletzungen, Folter und Anstrengung wohl frühzeitig gealtert. In Rogue One wirkt er sogar so als wäre er wirklich verbittert geworden. Saw hat in den letzten 20 Jahren wohl so ziemlich jeden sterben gesehen der ihm etwas bedeutet hat, trotzdem kämpfte er weiter. Weil es in seiner Natur liegt. Schon der junge Saw ist ein geborener Rebell und dann wird er auch noch Kriegsheld. Er hätte wohl eine Karriere als General auf Onderon ansteuern können und da wäre es ihm auch möglich gewesen sich an die Macht zu putschen oder einen blutigen Bürgerkrieg gegen das Imperium zu entfesseln. Doch zum ersten Mal begegnet man Nachkriegs-Saw im Luceno-Roman Catalyst. Dort gibt er sich als Schmuggler aus und betreibt mit einigen anderen Onderonianern eine onderonische Schmugglergruppe. Inwieweit Saws Schmugglertätigkeit vielleicht nur eine Tarnung ist bleibt unklar, womöglich hat er es wirklich versucht als Schmuggler Fuß zu fassen und konnte mit seinem Charisma einige Landsleute für seine Sache gewinnen. Oder Saw versuchte nur in der Unterwelt Fuß zu fassen, um sein eigenes Rebellennetzwerk samt Logistikabteilung auf die Beine zu stellen. Saws Rebellenhöhle in Rogue One erinnert ja auch ein wenig an eine derartige aus kriminellen Elementen rekrutierte Rebellenzelle.

Während jemand wie Admiral Ackbar in Kevin Hearnes Roman Heir to the Jedi sogar Probleme damit hat mit Schmugglern zusammenzuarbeiten oder zu stehlen, um an Versorgungsgüter für die Rebellion zu kommen, dürfte Saw derartige moralische Standards relativ schnell über Bord geworfen haben. Saw ist meines Wissens auch der erste Rebell abseits der Legends (und dort war das eine Aufgabe für Han Solo oder Lando Calrissian), der sich wie in Catalyst aktiv darum bemühte dem Imperium feindlich gesonnnene Kriminelle für die Rebellion zu gewinnen. Man muss wohl wirklich zwischen politischen Rebellen wie Mon Mothma, Leia Organa oder den ehemaligen Gardehauptmann Ackbar und den Soldaten Saw Gerrera, Cassian Andor oder General Draven unterscheiden. Die Rebellion Gerreras ist eine andere als die der rebellischen Würdenträger.

Saws Bruch mit der Führung der Allianz war wohl absehbar, da er schon in den Klonkriegen einiges an Unverständnis über die öffentliche Wahrnehmung seiner Anschläge auf separatistische Ziele äußerte. Ohne Steelas mäßigenden Einfluss ist Saw völlig entfesselt. In Freeds Rogue One-Roman stellt sich etwa die Frage, wie Saw wohl mit Gefangenen umgeht. Genauso müsste man sich fragen, wie Saw sich wohl gegenüber imperialen Kollaborateuren oder Spionen verhält. Letzteres könnte jedoch auch das Buch zum Film beantworten, in welchem Jyn eine Szene beschreibt in der Saw einen Verräter hinter seinem Speederbike herschleifte und vor einer imperialen Barracke ablud. Man wird Saws Vorgehen wohl als „Keine Gefangenen“ beschreiben können.

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